Abendbrot ohne Alkohol

Aus einer Unterhaltung zwischen zwei über Vierzigjährigen, die sich verabreden wollen:“…. nicht mitten in der Woche, letztes Mal bin ich so abgestürzt! Aber ein Abendbrot ohne Alkohol geht immer!”

Nach einem schönen Tag ein schöner Sonnenuntergang, wie üblich an unserem See.
Der Mond nimmt auch wieder zu – viel Schlechtes haben wir hinter uns gelassen zum Neumond.
Die neue Leckerlitasche für Fenja ist totaaaaaaaaaaaaal praktisch!
und um den Sommer zu unterstützen, gibt es ein wenig bunten Lack für die Nägel :-)
Der Lacher des Tages war bei der Arbeit:
Eine Kundin heute: “Machen Sie das jetzt?”
Ich: “Wie meinen Sie das?”
Sie: “Was haben Sie denn mit dem jungen Mann gemacht, der sonst immer hier war?”
Na, geknebelt und gefesselt hinten eingesperrt, was sonst *lach*
Ich: “Das ist der Chef, und der ist grad im Urlaub. Aber den jungen Mann richte ich ihm gern aus ;-)”
Und gute Nacht allerseits!

Eine Woche

Das war eine bewegte Woche, und davon möchte ich euch jetzt, obwohl ich davon erschöpft bin, hinter dem Kind und Chaos herzuräumen, eine Collage zeigen. Lydia war, nachdem wir Anfang der Woche noch beim Fotografen waren, 2 Tage krank, so dass die Mama zuhause bleiben musste, und so haben wir gebastelt, gehäkelt, gebacken und gemalt. Ja, Lydia und ich haben angefangen zu häkeln, und es macht sehr viel Spaß (Mama könnte es auch Meditation nennen).

Wir haben Schnee gehabt, gehäkelt, gebastelt, waren krank und bei Ärzten im Wartezimmer, wobei wir wieder gehäkelt haben, wir haben gebacken...

Bitte klicken für größere Version der Collage ;-)

Dazu haben wir dann auch noch gezeichnet, Lydia malt natürlich schon immer ganz viel, aber die Mama hat nach langen Jahren wieder damit angefangen!


 Ich wünsche euch einen schönen Wochenanfang!

Aller Anfang ist schwer !

Na, so ganz überzeugend klinge ich heute natürlich nicht, wenn ich vom Anfang spreche. Dem Anfang von was? Ja, davon, den Blog zu neuem Leben zu erwecken. Lang, lang ist’s her, dass ich hier wirklich aktiv war. Im Mai, genau genommen. Warum? Nun ja, in erster Linie, weil es uns gut geht. Mir gut geht. Früher habe ich ja viel geschrieben, um etwas loszuwerden.

Selbstportrait

Durch das Schreiben, dadurch, dass ich etwas Abstand zu einem Thema gewinnen konnte, indem ich es aus einem humorvollen Blickwinkel beschrieben habe, habe ich viele Dinge verarbeiten und ertragen können. Und dann gibt es ja noch Facebook. Den Zeitfresser, da kann man mal eben schnell Fotos hochladen, schauen, wie es den anderen so geht, ein paar humorige Sätze mit Freunden wechseln, seine Stimmung in wenigen Worten in die Welt hinausposaunen. Kurzum: der Kontakt ist da, mit vielen, vielen lieben Freunden, mit der Außenwelt, mit dem Universum. Aber es sind ja nicht alle Freunde dort, und wie ihr ja wisst, ist das Schreiben eine meiner größten Leidenschaften, die auf Facebook definitiv zu kurz kommt, also habe ich mir vorgenommen, mich mal wieder um meinen Blog zu bemühen. Eine schöne Tradition, um die es schade wäre, wenn sie einschliefe. Finde ich.

Jetzt war ich nach einer Operation am Fuß gerade 2 Wochen krankgeschrieben und so hatte ich etwas Zeit, Muße und Ruhe – ich DURFTE ja auch den Hummeln in meinem Hintern nicht nachgeben – um mich damit zu befassen. Ich musste updaten, updaten, updaten, und das geht bekanntlich nur mit etwas Ruhe und vor allem ZEIT am Stück. Jetzt bin ich ein ganzes Stück weitergekommen und kann nun wieder posten – und auch wenn 1000e von Fotos mich hier quasi erschlagen haben, werde ich mich bemühen, auch sie mit euch zu teilen. So viele schöne Dinge haben wir im letzten Jahr erlebt und darum natürlich auch vieles fotografisch festgehalten. Ich kann ja bekanntlich nicht einen Schritt ohne Kamera gehen – was zu vielen lustigen Kommentaren führt wie “warum fotografierst du ‘jetzt’, oder je nachdem, wer fragt, ‘immer’ dein Essen?”.

Lecker FrühstückOder O-Ton Lydia: “Mama, musst du schon wieder den Sonnenuntergang fotografieren?” Ja, ich muss. Es tut mir Leid. Auch wenn wir nicht mehr in der Ägäis leben gibt es viele, sehr viele schöne Sonnenuntergänge, die die Mama fotografieren muss. Da kann man schon wieder dehnen, wie man möchte, da gibt es kein Pardon. So hat jeder so seine Süchte. Ich finde Fotografier- und Facebook-Sucht nicht so schlimm wie diverse andere. Ich könnte da ja jetzt weit ausholen, aber wer mich kennt weiß, auf was ich mich beziehe. Thema Sucht eben. Es könnte viel, viel schlimmer sein.

Unser See

Gewidmet einem lieben Menschen aus unserer Vergangenheit.

Aber zum Glück haben wir ja die unschönen Zeiten hinter uns gelassen und unser Fazit nach einem Jahr Deutschland ist:
es ist grandios! Wir lieben es. Ich habe es keine Sekunde lang bereut. Alles ist viel einfacher. Ich habe die Existenzängste hinter mir gelassen, den Behördenstress, die Angst, den Hubschrauber rufen zu müssen, wenn mein Kind auch nur annähernd danach aussah, als wenn es einen Arzt brauchte (mein Lieblingssatz von früher: “Lydia, denk dran, wir wollen jetzt nicht mit dem Hubschrauber nach Athen fliegen!” liegt mir zwar manchmal auf der Zunge, aber dann fällt mir ein, dass wir ja jetzt eine andere Infrastruktur zur Verfügung haben). Ich finde es immer noch total klasse, dass ich Wochenenden habe! Und Urlaub! Und Feiertage! Und die werden sogar bezahlt! Hammer!

Die berühmtberüchtigte Praxisgebühr von 10 Euro bezahle ich auch gern, daran denkend, dass meine Rückenschmerzen mit genau diesen plus 17 Euro für 5 Sitzungen Krankengymnastik “geheilt” wurden – wo ich mir in Griechenland doch fast den Magen kaputt gemacht habe durch monatelange Einnahme von 100er Voltarentabletten, die, zusammen mit teurer Physiotherapie (40 Euro pro Sitzung!), nur so viel brachten, dass ich mich bis mittags hinlegen musste, weil ich sonst nicht mehr laufen konnte. Und ich genieße den zivilisierten Umgang mit mir, dem Patienten. Wenn ich Leute hier nur meckern höre über “das Sch…gesundheitssystem” könnte ich mich vor Lachen so verschlucken, dass ich eben das in Anspruch nehmen müsste. Ihr habt ja gar keine Ahnung.

Lydia im Whirlpool

Lebenslust und Freude pur!

Aber das ist auch gut so, denn es macht das Leben viel, viel leichter. Ich bin locker, wenn etwas nicht klappt – habe ich mich doch in Griechenland jahrelang darauf programmiert, dass eigentlich nie etwas klappt und es sich nicht lohnt, sich aufzuregen -; aber meistens klappen die Dinge ja doch. Wenn in Griechenland ungefähr 9 von 10 Berserke im Straßenverkehr waren, dann ist es hier eben nur einer von 100, so stressfrei ist das Autofahren. Und Parken. Behördengänge sind stressfrei, absolut, hier in Oldenburg jedenfalls zieht man eine Nummer und kommt sofort dran. Ich wundere mich auch immer noch, dass sie dort freundlich sind und mir nicht jedesmal sagen, jetzt fehlt noch dieses oder jenes. Die Schule ist viel einfacher; in Lydias Klasse sind nur 13 Kinder, was ein Luxus, und sie sind dort viel behüteter. Die Hausaufgaben dürfen auch nur maximal 38 Minuten dauern.

Aber ich komm ins Schwafeln. Das muss nicht sein. Lieber mal ein paar Fotos suchen und Anekdoten dazu erzählen. Wir haben ja zum Beispiel einen wunderbaren Urlaub hinter uns – 2.300 km durch Deutschland gefahren, bin ja “autobahngeil”. In der Tat bekomme ich jedes Mal Hochgefühle, wenn ich auf die Autobahn fahre, und ich glaube, mein Fernweh wurde in 15 Jahren auf einer kleinen Insel so verdrängt, dass es jetzt umso mehr zutage kommt – Hummeln im Hintern ist kein Ausdruck für meinen “Zustand”.

Uns geht es gut :-)

Himmelsansichten

Nun wäre es ein wenig unrealistisch, wenn alles toll wäre; das nähme mir ja keiner ab. Also seien am Rande auch mal die unschönen Dinge erwähnt, aber wirklich nur am Rande und total unwichtig, eigentlich ;-). Traurig waren einige Trennungen von vermeintlichen “Freunden” – die aber offensichtlich mal wieder notwendig waren. Unsere Mitbewohnerin samt Tochter musste leider ausziehen und wir gehen unseren Weg weiter allein, und ein paar weitere “Freunde” mussten verabschiedet werden. Wer sich nicht weiter mit-entwickeln möchte oder meint, ich passe nicht mehr in sein Schema, der soll bitte wegbleiben und mich mein Leben so leben lassen, wie ich es möchte. So handhaben wir es immer, und es erstaunt mich doch immer wieder, wie sehr sich Menschen über das Leben eines anderen ereifern können, und wie oft es eigentlich nötig ist, “aufzuräumen”. Aber wir haben ja einige neue Freunde dazugewonnen sowie das Glück, viele alte Freundschaften weiter pflegen zu dürfen.

Ja, das Leben geht weiter, und das ist mal wieder der Beweis dafür, dass auch, wenn man manchmal meint, es ist zu düster, um es auszuhalten: es lohnt sich doch, dranzubleiben, am Leben :-).

Als Dschungelkind unterwegs

Heute habe ich ja mal nur gestaunt. Ich war beim Frühtanz. Den Ausdruck kannte ich entweder nicht, oder 15 Jahre im Dschungel, äh, sorry, auf einer griechischen Insel, haben ihn ausgelöscht. Den Tanz in den Mai kannte ich natürlich noch, aber Frühtanz? So ganz bewusst war mir nicht, wo ich hinfahren würde, dachte vielleicht an eine Art kollektives Maifeiertagskaffeetrinken in einem biergartenähnlichen Café, oder so, bekam aber meinen ersten Schrecken, als ich die Adresse der Lokalität im Internet fand: “Tanzlokal für Ü25er”. Ojemine. Tanzen? Ich? Am hellichten Tage?! Und so junge Leute? Über 25jährige? Da lieg ich ja nun weeeeeeeit drüber. Au weia! Aber Anja hatte mich dazu überredet, und ich bin ja bekanntlich offen für neues. Sie ist auch keine 25 mehr, daher gab es Hoffnung, mich nicht total zu blamieren. Kein Zurück und kein Kneifen also.

Nachdem wir, also die Familie, heute Mittag erst mal für die Mädels den Tag der offenen Tür eines Reitstalls besucht hatten, damit wir die zwei und ihre Reitwünsche unter Dach und Fach kriegen und das Genöle endlich hinter uns lassen können, stürzte ich mich unerschrocken ins Abenteuer “Frühtanz”. Renata übernahm die Mädels, ich war erst abends wieder dran.

Mein Fazit: so ist das also, wenn in Norddeutschland die Sonne scheint. Ich muss mich in der Tat noch an das veränderte soziale Verhalten im Norden gewöhnen, ein Bisschen bin ich noch an das griechische gewöhnt. Fleischbeschau auf norddeutsch ist anders, aber witzig. Und ich habe ganz viel neues Vokabular dazugelernt. Eigentlich hätte ich mitschreiben müssen, und nachdem ich diverse Male nachgefragt hatte, was dieses oder jenes Wort bedeutet, fragte mich jemand “wo kommst du denn her?“. Aber nicht böse, eher nett-neugierig, als sei ich ein seltenes, ausgestorben geglaubtes Exemplar einer Art Dinosauriers, oder ein Landei *zwinker*, oder ein Dschungelkind. 15 Jahre Griechenland reichten aber als Erklärung voll aus. Nun kenne ich also die Bedeutung von Wörtern wie Hupe (nicht die des Autos), Lampe (äh da muss ich glaube ich nochmal nachfragen), Frühtanz (s.o.), Charlie (ein Getränk, aber schlagt mich jetzt nicht tot, wenn ich nicht mehr weiß, was drin ist!) und gefühlt mindestens 20 weiteren Wörtern. Man war jedenfalls sehr geduldig mit mir. Und ich habe mich köstlich amüsiert.

Also Danke, liebe Anja, für einen sehr kurzweiligen Tag :-).

Manche Fragen kann man nicht beantworten

So wie: warum treten mein verstorbener (Ex)freund und mein Vater in meinen Träumen immer im Doppelpack auf? Weil sie beide innerhalb weniger als eines Monats gestorben sind, oder weil es zwei wichtige Menschen in meinem Leben waren, die mich plötzlich zurückließen, mit vielen Fragen, die mich immer wieder überfallen, aber die ich nicht beantworten kann? Am Tage denke ich wenig an sie, an meinen Vater desöfteren, aber an Chris werde ich oft erinnert, weil ich ihn plötzlich auf der Straße “sehe”. Ich muss oft zweimal hinsehen und mich besinnen, dass er tot ist.

Oder: warum unterstellt mir jemand, Lydia sei in Deutschland nicht glücklich? Jemand, der Lydia vielleicht ein, maximal zweimal in seinem Leben überhaupt gesehen hat, und seit unserem Umzug nach Deutschland schon gar nicht. Wenn man mich fragt – die Fotos (momentan eigentlich nur auf Facebook) zeigen ein glückliches Kind. Aber ich könnte natürlich voreingenommen sein. Nichtsdestotrotz: was gäbe es für Alternativen? Das Kind zur Adoption freigeben? Es nach Griechenland schicken, wo es sein Dasein zwischen Autos und Zigaretten fristen würde? Mich selbst kasteien, weil ich das arme Kind entwurzelt habe? Was bringt uns das? Und welch seltsame Befriedigung bringt jemandem das, nochmal ne Runde reinzuhauen in Wunden, die allgemein bekannt sind: “Ich bin eine schlechte Mutter.” Genau. Natürlich plage ich mich damit, aber ich tue auch mein bestes. Ich konnte nicht mehr in Griechenland leben, und habe meiner Tochter sogar die Wahl gelassen, ob sie dort bleiben wollte (die Antwort war eindeutig). Ich muss mich nicht rechtfertigen, aber jeder, der mich einigermaßen kennt, wird wissen, dass ich mir die Entscheidung nicht leicht gemacht habe. Und ehrlich gesagt: ich wünschte, ich hätte es. Ich hätte schon viel, viel früher nach Deutschland zurückgehen sollen, wo ich einfach viel, viel glücklicher bin. Vieles wäre leichter gewesen.

Das neue Leben in Deutschland geht seinen Gang und begeistert mich nach wie vor. Ich bin jeden Morgen glücklich, wenn ich wieder in Oldenburg aufwache – manchmal kann ich mein Glück gar nicht fassen. Zur Zeit ist Frühling und ich kriege nicht genug vom Singen der Vögel, dem Grün – ich liebe dieses grün überall – dem Geruch von gemähtem Rasen, Rhododendren, die blühen, Tulpen, Narzissen, und jetzt steht der Flieder kurz vor der Blüte, ich kann es nicht abwarten.

Seit meinem Beitrag “Never been closer” sind doch tatsächlich zwei Monate vergangen. Drei Wochen davon verbrachte ich in Griechenland, was für mein Empfinden einfach viel zu früh war. Aber ich “schlechte Mutter” wollte dem armen Kind so schnell wie möglich die Gelegenheit bieten, den Vater wiederzusehen. Mit allen meinen Sinnen habe ich mich gesträubt gegen diesen Urlaub in der Vergangenheit, ich wollte nicht hin, und siehe da, kaum war ich dort, raffte mich auch ein Virus ohnegleichen darnieder. Ich bin 10 Jahre schon nicht mehr so krank gewesen. Mit letzter Kraft schleppte ich mich zurück, schmuggelte das am Ende auch krank gewordene Kind noch ins Flugzeug (ich weiß, das tut man nicht!), und eben diese Krankheit war Anlass für o.g. Behauptung. Das Kind wollte Griechenland nicht verlassen, weil es  nicht in Deutschland sein will. Nun ja, siehe oben, Alternativvorschläge fehlen mir.

Ich denke mal, eine glückliche Mutter ist schon mal gar keine so schlechte Voraussetzung, im Gegensatz zu einer unglücklichen, die sich dauernd mit Existenzängsten plagen muss und nach 15 Jahren Null Bock hat auf Saisonarbeit und unterbezahlte Rezeptionsjobs. Der Besuch in Griechenland bestätigte mir, dass es die richtigste Entscheidung war, die ich treffen konnte – wenn ich auch weiß, dass richtig nicht richtiger als richtig sein kann, bevor mich jetzt jemand wegen des Superlativs korrigieren will. Athen, das ich nie so besonders schön fand, ist heruntergekommen. Überall Ruinen und Müll, nur die Ratten habe ich nicht gesehen – genau genommen wirkte es auf mich, wie ich mir Kairo vorstelle. Paros war – vielleicht lag es an der Jahreszeit oder an meinem Fieber, wer weiß – trostlos. Viel weniger Autos als sonst verkehrten. Oder habe ich mir das nur eingebildet? Der Wind machte mich fertig. Der geflügelte Satz des Urlaubs war, ganz griechischer Besserwisser: “erlaube mir, meine eigene Meinung zu haben, und du weißt, ich habe eine objektive Meinung”. Genau, fuck you. Was zum Teufel ist eine objektive Meinung? Wenn du meine Meinung nicht hören willst, warum fragst du mich dann? Natürlich haben wir die übliche griechische Gastfreundschaft erlebt, daran hat auch die Krise nichts geändert. Dennoch, für mich war es einfach viel zu früh.

Ich muss mir noch ein dickeres Fell zulegen. Ich ertrage viel, aber mit zunehmendem Alter scheint er zu bröckeln, mein Selbstschutz.

So entlasse ich euch mit diesen melancholischen Gedanken ins Wochenende. Aber macht euch keine Sorgen – es geht uns gut!

Never been closer

No, never been closer to happiness…

Es gäbe so viel zu erzählen, dass ich nicht weiß, wo anfangen. Wir sind so glücklich, dass ich nicht weiß, wie erklären. Wir haben so viel zu tun, dass ich nicht weiß, wann erzählen!

Kurz: Deutschland macht mich irgendwie high. Natürlich kann das auch daran liegen, dass ich bei einem Schuhmacher arbeite und die Klebstoffe wirken. Wenn, dann hatte ich noch nie einen besseren Job und sollte mein Chef mir kündigen, wird wohl eine Entziehungskur angesagt sein. Aber das wird hoffentlich nicht so schnell passieren. Meine Arbeit ist toll, macht mir Spaß, obwohl ich manchmal “langweilige” Dinge tun muss, derentwegen ich meinem Chef offensichtlich leid tue. A piece of cake! Er weiß ja auch nicht, wie das ist, 15 Jahre lang in Griechenland Saisonarbeit im Hotel gemacht zu haben. Da kann mich so schnell nichts umhauen.

Es macht mich high, dass ich Wochenenden habe. Jede Woche aufs neue, 2 Tage frei. Der Hammer! Wir haben kulturell Entzugserscheinungen und nehmen alles mit: Flohmärkte, Messen, Austellungen.

Lydia wächst zur kleinen Dichterin heran. Neulich: “Mama, heute leuchtet die Sonne so wie in Griechenland!” Gestern: “Mama, das war ein großes Wochenende. Wie sieben Tage frei.” Wacht sie nachts auf und ich frage sie, was sie hat: “Alles gut, Mama!” Ich schmelze dahin.

Ich würde sagen, wenn man die Behrens, die man schon über 20 Jahre kennt, anruft und mit “Hallo Tröte“ begrüßt wird, wenn man grinsend bei Nieselregen zur Arbeit fährt, weil man sich an ein Gespräch vom Wochenende erinnert, wo man auf den Spuren der Vergangenheit wandelte, wenn Lydia beim Schnippeln von Gemüse sagt, “Mama, wenn du immer „hmm, hmm“ sagst, wenn ich dir was erzähle, dann habe ich das Gefühl, dass du mir nicht zuhörst”, wenn man sich dauernd totlacht und eigentlich meint, man müsse aufgrund von chronischem fröhlich sein eingeliefert werden, wenn es ein erhebendes Gefühl ist, mal eben nach Bremen fahren zu können, um Freunde von vor über 20 Jahren zu treffen – dann weiß man, dass man etwas richtig gemacht hat.

Alles gut; alles wird gut. Das hoffe ich auch für Griechenland. In Griechenland habe ich gelernt, im Jetzt zu leben, zu genießen, zu essen, zu kochen… den Wert der einfachen Dinge und die Großzügigkeit von Menschen zu schätzen, spontan zu sein, zu improvisieren, dass jeder Sonnenuntergang anders ist, wie Tomaten eigentlich schmecken müssen, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen und ein wunderschönes Land, seine Sprache und lustigen und kreativen Menschen zu lieben. Ich habe Erfahrungen gemacht, die mein Leben lang vorhalten werden und Freundschaften geschlossen, die für immer bei mir sein werden. Griechenland hat einen Zauber inne, den auch die Krise nicht zerstören wird. Ich bin dankbar dafür, dass Griechenland mir so viel gegeben hat und wünsche seinem Volk viel Kraft. Ich bin dort, wo ich jetzt bin, glücklich, es ist der richtige Ort zur rechten Zeit, but I will always love you.

Alles ist gut.

Danke

Wie jedes Jahr ist es mir an Silvester wichtig, auszumisten und mit weniger Müll sowie positiven Gedanken ins neue Jahr zu gehen. Menschen, die nicht mehr dazugehören werden genauso gestrichen wie alte Kleider weggeworfen. Altpapier, Müll, Altglas, alles raus aus dem Haus, symbolisch möchte ich einfach nicht mit Altlasten ins neue Jahr gehen.

Ob es hilft ist natürlich eine andere Sache. Leider waren die letzten 2 Versuche diesbezüglich nicht so erfolgreich. 2010 und 2011 waren, gelinde gesagt, nicht besonders prickelnd, so dass ich jetzt etwas skeptisch bin, und da ich ja von je her ungern Silvester gefeiert habe, heute nicht besonders glücklich ob der Tatsache, dass eben Silvester ist. Und ich fröhlich sein muss und anstoßen. Auf was eigentlich? Dass das vergangene Jahr vorbei ist? Ok, gern. Aber aufs neue Jahr? Da kann ich doch noch nicht drauf anstoßen, weil ich noch nicht weiß, wie es wird. Aber wie sagt Biggie so schön und weise in ihrem jungen Alter, eigentlich hat man ja jeden Tag die Gelegenheit für einen Neuanfang und für gute Vorsätze und Ausmisten. Na ja so ungefähr jedenfalls habe ich es aufgefasst. So gesehen hätte ich eigentlich im August Silvester feiern sollen, denn da wendete sich das Glück für mich – und es wurde stetig besser statt schlechter.

Wahrscheinlich seit längerer Zeit, als ich zugeben möchte, spukte der Satz „etwas muss sich ändern“ in meinem Kopf herum. Und eines Tages beschloss ich, als diese Tatsache einfach nicht mehr zu übersehen war, das Universum anzurufen und um Zeichen zu bitten. Die Zeichen kamen, und wie. Meine Facebook-Freund waren dabei.

Die letzten 3 Monate waren definitiv die besten seit langem. In Deutschland fühle ich mich wohl, wir haben Spaß, die Fluten in Form von Alpträumen haben so gut wie aufgehört, und ich kann zuversichtlich, wenn auch mit einem weinenden Auge, ins neue Jahr gehen. Wie sagt Khalil Gibran so treffend,

(…)
“Je tiefer sich das Leid in euer Sein eingräbt, desto mehr Freude könnt ihr fassen.”
(…)

Ja, und viele andere schöne Worte hat er von sich gegeben, aber ich will mich jetzt mal auf mein eigentliches Anliegen konzentrieren. Er hat tatsächlich Recht. Die beiden Dinge liegen direkt beieinander. Nur wer mich gut kennt, weiß, dass hinter dem Lachen auch ganz viel Trauer steckt, hinter dem Humor ganz viel Schmerz. Aber das wird wohl noch eine ganze Weile so bleiben, und irgendwie ist es ja auch schön, denn so sind die geliebten Menschen nicht ganz weg.

Aber was ich jetzt eigentlich sagen wollte ist, Danke.

Nun werde ich sicher den einen oder anderen vergessen aufzuzählen, denn ich bin mit zahlreichen tollen Menschen in meinem Leben gesegnet, und ich säße bestimmt noch nächstes Jahr daran, wenn ich wirklich ALLE erwähnen wollte. Und das wäre ein Unterfangen, mit dem ich dann gar nicht erst anfangen würde.

Also, bitte nicht böse sein, wenn ich jemanden „vergessen“ haben sollte…

Mein ganz besonderer Dank gilt

  • dem Universum, das viele ganz besondere „Zufälle“ zur rechten Zeit vorbei geschickt hat;
  • Frank und Petra, die zur rechten Zeit am rechten Ort Urlaub machten, so dass ich bereits einen neuen Arbeitgeber hatte, bevor ich überhaupt entschieden hatte, in welche Stadt ich (zurück)ziehe. Es ist schon erstaunlich, wie so manche Begegnungen mit Menschen die ganze Zukunft beeinflussen können – und wer weiß, wie es so weitergeht, hier in Oldenburg, unserer neuen Zufallswahlheimat;
  • Gaby, die mir immer in akuten Notfallsituationen hilft und mich bei dem schwersten Gang meines Lebens begleitet hat – nämlich mich für immer von meinem Vater zu verabschieden, ein paar Wochen bevor er starb und wir noch nicht entschieden hatten, Griechenland ganz zu verlassen – nach wie vor kann ich dieses nicht ohne Tränen schreiben;
  • Kirsi und Martin, die mir zwar überrascht aber spontan und hilfsbereit zur Seite standen bei Haus- und Autoangelegenheiten, als ich im August durch Deutschland rauschte und so viel in kurzer Zeit organisieren musste, um in „ihre“ Stadt zu ziehen;
  • meiner Mutter, die schon weiß, warum;
  • Martina Kempff, die mir seit Jahren immer mit Rat und Tat und sowie positiver Unterstützung zur Seite steht, egal, wie ich mich entscheide, und ihrem Mann Michael;
  • Biggie, die aus ihrer Sicht sicher am unrechten Ort zur falschen Zeit Urlaub machte, aber mir die wohl schwerste Zeit meines Lebens durchzustehen half, und die mich immer so schön zum Lachen bringt;

– Und nun wird es chaotisch und hat eigentlich keine Reihenfolge mehr, weil mir die Menschen an meiner Seite schneller einfallen, als ich tippen kann -;

  • Kate, meiner Herzensschwester, die mich bei sich wohnen ließ, meine Hunde beherbergte und uns unsere letzte Katze abnahm, die wir nicht mitnehmen konnten, und der ich noch einiges andere zu verdanken habe – Kate you know what I have to thank you for, and only you know how much I miss you! –
  • Kay, der mir auf seine Weise in schweren Stunden zur Seite stand, und der sich auch für den einen oder anderen Hinterntritt nicht zu schade war;
  • Ilka Seidel, die als langjährige Freundin und meine „Versicherungstante“ den Überblick behielt und mir viele Dinge erheblich erleichterte;
  • Delia und Herry, die fast meine gesamte Habe in ihrem großen Wagen nach Deutschland mitgenommen und eine Weile gelagert haben, so dass ich nicht komplett neu anfangen musste,
  • Peter, Jacob, Dagmar & Eltern, Norbert und Kate, die mir mit tatkräftiger Umzugshilfe beigestanden haben (O-Ton Peter „denk dran, das musst du alles neu kaufen, wenn du es nicht mitnimmst”), sowohl in Griechenland als auch in Deutschland;
  • Petra Guckelsberger, mit der ich noch vor meiner Zeit in Griechenland schöne, verrückte und lustige Reisen nach Südfrankreich unternommen habe, und die spontan entschied, uns für unsere letzte Abschiedsfahrt nach Griechenland zu begleiten, und der wir für immer dankbar dafür sein werden (und die unsere „Arche Noah“ in die Fahrt mit „Hund, Katze, Maus“ umtaufte);
  • Silvia und Jürgen, die mir immer ganz besonders zur Seite standen und mich positiv unterstützen, egal wie ich mich entscheide, und die mir halfen, mehrere meiner Katzen unterzubringen (wie sie mir in den ganzen Jahren, zumindest seit 2002, tierschutzmäßig unglaublich behilflich waren);
  • PcPete und Ulrike, Gillian, Orit und Kate, die wissen, in welch schweren Stunden sie mir, und nicht nur mir, ihre Unterstützung boten;
  • Petra Scheiblich, Kirsten Arkoulis, Michaela Shuku vielen Dank für eure Tipps, euren Rat und eure tatkräftige Hilfe, obwohl ich euch verließ – ich vermisse euch auch –;
  • Daniela de Matteis, die mir immer mit gutem Beispiel vorangeht – von dir habe ich gelernt, „geht nicht“ gibt’s nicht;
  • Lydias Vater, der uns keine Knüppel zwischen die Beine warf und seine Tochter ohne Querstellen in ein anderes Land ziehen ließ;
  • Eranie und Ela, Hannelore, Daniela Riess-Christou, Herbert Fittinghoff und Christine Bietz, Petra Be, die mich immer positiv unterstützen – mit Rat, Tat und Motivation, ebenso für euer Mitgefühl;
  • Renata und Vicky, unseren besonderen Freunden aus Paros, die sich zusammen mit uns auf das Abenteuer Deutschland eingelassen haben und uns jetzt  – in unserer WG – das Gefühl geben, eine richtige Familie zu sein, und die mit uns lachen bis zum Abwinken;
  • Unseren neuen Freunden und Nachbarn in Oldenburg, besonders Werner, Lynn, Wenke, Kerstin und Gabriela – natürlich auch wieder Frank und Petra – dass ihr uns das Gefühl gebt, willkommen zu sein – und Britta leider hatte ich noch keine Zeit für ein Treffen, ich hoffe, wir schaffen es sehr bald!
  • George Gritsis für immer tolle Unterstützung, guten geistigen Austausch und pragmatische Unterstützung in Sachen ich gegen (griechischen) Vermieter;
  • Meinen alten Freunden Gaby, Ilka Seidel, Ilona und Daniela Schaa, Holger – leider habe ich es noch nicht geschafft, mich bei allen zurückzumelden -, dass ihr uns wieder mit offenen Armen empfangen habt – es ist für mich der absolute Luxus, mich „mal eben“ mit euch treffen zu können –;
  • Ralf Dorschel für die immer positive, ehrliche und humorvolle Unterstützung, auch wenn ihm mal nicht gefällt, was ich so tue;
  • Susanne und Andreas Michels für eure Freundschaft, die sich einfach so im „real life“ fortsetzen ließ;
  • Sandra Wykhoff für viele aufbauende Worte;
  • Meinem Onkel Dieter und meinen Cousins sowohl in Deutschland als auch in England, die mich herzlich willkommen geheißen haben;
  • Elke Gillich, die mir in früheren Jahren viel beigebracht hat, das mir jetzt nützlich war, und die stets eine inspirierende Freundin ist;
  • Sowie „meine“ gesamte Facebook-Gemeinde und Blog-Leser, die mir sowohl mit konstruktiver Kritik als auch Tipps und Rat und Tat zur Seite stehen!

Und nun verließen sie ihn, ich muss mit den Kindern das Abendessen vorbereiten.

Aber nicht, ohne noch ein abschließendes Zitat, denn… was wäre mein Leben ohne Menschen?

‎”Some people go to priests; others to poetry; I to my friends.”  ~ Virginia Woolf

Moin!

Lang, lang ist’s her. “All is well” war quasi der Abschluss eines Lebens, zugleich eines Lebensabschnitts, und mit Moin eröffnen wir ein neues Kapitel.

Moin, oder moin moin also! Sie sagen es übrigens immer, überall, morgens-mittags-abends, zu jeder Gelegenheit und ich hatte anfangs ganz viel Mühe, Lydia zu erklären, dass sie eben nicht abends guten Morgen sagen, sondern dass es ein eigenständiges Wort ist. So wie die Griechen sich dauernd Gesundheit wünschen, mit der kleinen, aber feinen Begrüßungsformel “Γεια (σου oder σας)” – siehe Link – begrüßt man sich hierzulande mutmaßlich mit “schön”, zumindest nach Auffassung der Ostfriesen. Ich habe den Wikipedia-Link durchgelesen und bin geneigt, mich den Ostfriesen anzuschließen. Ich finde, das ist die schönste Erklärung. Da! Passt doch perfekt!

Apropos Ostfriesland, Boah ist das schön hier. Neulich haben Lydia und ich einen Ausflug ans Meer gemacht, ok es war nicht ganz das offene Meer, sondern der Jadebusen, aber es war Strand, es war schönes Wetter, es gab Sand, und Lydia hatte ganz viel Spaß. Sie hatte mir ja nicht glauben wollen, dass es nur 40 km von uns entfernt “ein Meer” gibt. Ok, der Sand – eher Schlick – war sicher gewöhnungsbedürftig, aber es war warm, obwohl Oktober, und es war schön. Hat sich “voll gelohnt” bestätigte auch Lydia. Und ich konnte mich nicht sattsehen. Ostfriesland ich komme! sicher nochmal wieder.

Apropos schön, neulich sind wir nach dem Besuch bei einem Baumarkt einfach mal links irgendwo abgebogen, direkt vor einem Fluss, ich weiß bis heute nicht genau, wo das war, aber es war Sonnenuntergang, und er war genau so farbenfroh und hat sich im Fluss gespiegelt wie im Meer vor Paros. Als ich Lydia fragte “na, ist das schön, oder ist das schön” antwortete sie nur mit “Mama, bist du blind oder was, hier ist ALLES SCHÖN”. Ok, Mama hält auch schon die Klappe!

Wir hatten ja ganz viel Glück mit dem Wetter, bis zum letzten Wochenende einschließlich, also Anfang Oktober, war es noch sommerlich warm. Eigentlich schien immer die Sonne, und auf dem Kramermarkt war mir viel zu heiß. Da dachte ich noch: nun bin ich den ganzen Weg nach Oldenburg gekommen, und mir ist immer noch zu heiß! Aber auch das ging vorbei, und nun ist es wüst draußen, stürmisch, regnerisch, und Lydia macht mich dauernd darauf aufmerksam, wie es draußen regnet. Ich muss aber feststellen: ich mag es. Man kann sich warm anziehen, und ich mochte schon immer die Elemente spüren. Und Regen habe ich nach Jahren der Dürre in Griechenland sowieso zu schätzen gelernt. Jeden Winteranfang habe ich gehofft: möge es BITTE BITTE genug regnen! Nun habe ich Regen satt, wer weiß, wann ich seiner überdrüssig werde? Wir werden es sehen, sicher werde ich es euch mitteilen.

Nicht mögen tun den Regen bereits jetzt unsere Hunde, ich muss sie quasi unfreiwillig rauszerren, und Lydia meinte schon, wir bräuchten ein Hundeklo. Wie praktisch sind dagegen Katzen, auch wenn es stinkt, bäh. Ich habe schon ernsthaft erwogen, Hunderegenjacken und -stiefel zu besorgen. Ob es sowas wohl gibt? Oder ob sie sich vielleicht noch daran gewöhnen? Auf jeden Fall werde ich, bevor ich sie in den ersten Schnee hinauslasse, mich vorher mit meiner Kamera auf die Lauer legen, um die Gesichtsausdrücke aufzunehmen, sowohl der Hunde als auch der Katzen! Das wird ein Spaß, und Lydia kann es sowieso nicht abwarten.

Ab und zu überkommen mich dann schon mal Fragen. Wenn meine fotografierenden Facebook-Freunde Wolkenbilder vor Sonnenuntergängen, oder Sonnenuntergänge hinter Inselketten ins Netz stellen (zum Beispiel der Cloud Appreciation Club – Greece), dann wundere ich mich plötzlich. Genau so surreal, wie ich mir manchmal in Griechenland vorkam, so nach dem Motto “was mache ich hier eigentlich, wie komme ich hier überhaupt her?”, überkommt es mich hier auch gelegentlich. Wie bin ich plötzlich nach Oldenburg gekommen? Warum? Wieso? Weshalb? Es ging ja alles so schnell, musste, dass ich im Grunde die ganze Zeit nicht realisierte, was ich tat. Aber, bevor einige von euch sich zu früh freuen, nein, frei nach Edit Piaf, je ne regrette rien. Weder das eine, noch das andere.

Ich weine Griechenland nicht nach, Inselketten hin oder her. Ich habe genug Inselketten vor dem Horizont fotografiert, dass es für ein Leben reicht. Außerdem kann ich ja, erstens, gelegentlich wieder zurück, und zweitens gibt es auch noch andere schöne Fotomotive. Wetter ist nicht alles. Inselketten auch nicht. Es war eine Erfahrung. Es waren sehr intensive, lebensechte, ereignisreiche Jahre, von denen ich sicher noch lange zehren werde, die mir viel beigebracht haben, wie viel kann ich sicher noch nicht einmal erahnen, und das schönste durfte ich ja zum Glück mitnehmen, nämlich das süßeste Kind aller Zeiten. Das jetzt im Bettchen schlummert mit der ersten, richtig schlimmen Erkältung. Weswegen ich gleich an meinem zweiten Arbeitstag wieder zuhause bleiben durfte. Musste. Sehr zu meinem Kummer – Ärger ist nicht das richtige Wort -, aber siehe da, mein neuer Arbeitgeber ist voll cool und ungestresst, zum Glück. Das gibt sich alles.

Genau, so ist es. Bisher ist alles toll. Bisher war jeder nett zu uns, überhaupt finde ich die Leutchen hier absolut reizend, die Schule ist toll, 500m von uns entfernt, sehr bemüht und Lydia geht gern hin, allein mit dem Rad sogar! Aber ich bin schon groß und ich weiß, dass es auch andere Zeiten geben wird. Genau wie es auf Paros Höhen und Tiefen gab. Ein paar Tiefen zum Schluss zur Genüge, so dass ich jetzt hoffe, davon eine Zeitlang verschont zu werden. Die hab ich noch nicht verdaut. Immer noch erwarte ich Emails von Chris, kann es nicht realisieren, dass er tot ist, dass mein Vater tot ist – der 5. Juli und der 1. August – aber das Leben geht weiter, und vielleicht, vielleicht schauen sie uns ja zu und möchten, dass es uns gut geht. So nicht-gläubig wie beide waren; vielleicht segnen sie da oben zusammen unseren weiteren Weg und halten eine schützende Hand über uns. Und wenn nicht, stellen wir uns einfach vor, da draußen sind Menschen, die uns liebten und uns jetzt wohlwollend beschützen, das hilft sicher auch.

Apropos Menschen. Ich mag Menschen. Ich bin noch nicht lange hier, aber habe bereits neue Menschen in mein Herz geschlossen, und ich empfinde es als echten Luxus, neue Menschen kennen lernen zu dürfen wie “die alten” jetzt wieder einfach so öfter sehen zu können. Wie sagte Gaby, “jetzt ist es ja nicht mehr so weit zu euch”. Schön, dass wir einfach so wieder aufgenommen wurden. Schön, dass wir neue Menschen kennen lernen dürfen.

People. The essence of my life. Oder auch: My home is where my friends are.

Ich würde sagen: alles gut. All is well. Bis zum nächsten Mal, ich muss ins Bett!

Hit the road, Jack!

Morgen ist es soweit; wir werden uns wieder auf den Weg begeben. Diesmal in umgekehrte Richtung. Am 11.08. sind wir in Frankfurt/M gelandet, und morgen, am 24. August, geht es nach Paros zurück, um dann endgültig Abschied zu nehmen.

Wir haben hier verrichtet, was zu verrichten war und dabei ganz viel Glück gehabt. Eine wunderschöne Wohnung gefunden – die Vermieterin hat sogar eine Woche auf mich gewartet, bis sie uns traf und entschied, dass sie uns die Wohnung geben würde – wir können übrigens beide Hunde mitnehmen und die 2 Katzen, die wir behalten, und auf den Mietvertrag musste ich auch keine 9 Monate warten -; meine Möbel haben wir aus Köln schon abgeholt und in der neuen Wohnung schon unterstellen dürfen, ein Auto habe ich gekauft, für meine Freunde die Einkaufslisten abgearbeitet; wie schön, dass mein Job auf mich wartet – soviel zu “in Deutschland hat keiner auf dich gewartet” – und nun geht es, wieder mal ein paar Freunde unterwegs abklappernd, in Etappen über Nürnberg, München und Italien zurück.

Mit gemischten Gefühlen; dort werde ich alle losen Enden aufnehmen müssen, mein Auto verkaufen, die Wohnung auflösen, einige Behördengänge verrichten, mal nebenbei für einen Reiseführer schreiben – einer meiner neuen Nebenjobs übrigens -, und und und. Am schwersten wird es uns natürlich fallen, uns von allen lieben Menschen zu verabschieden. Aber ist das nicht ‘the story of my life’? Mein ganzes Leben habe ich mich von Menschen, die mir ans Herz gewachsen waren, verabschieden müssen. Heute gibt es zum Glück das Internet, da kommt einem die Welt kleiner vor, und die Entfernungen sind überbrückbarer.

Damals, als ich nach Paros ging, habe ich viele, viele Menschen zurückgelassen und schmerzlichst vermisst, jahrelang. Nun wird es umgekehrt sein, und ich bin gesegnet mit Freunden, die mich hier mit offenen Armen wieder aufgenommen haben, so selbstverständlich, als hätte man sich gestern erst zum Kaffee gesehen. Unterstützt haben sie mich, wo es nur ging – was mich zu der von einigen beanstandeten Behauptung verleitete, ohne meine Freunde wäre ich ein Nichts. Ob sie uns in ihrem Hause haben wohnen lassen, mir beim Autokauf halfen, sich für mich Wohnungen anschauten, mir beim Möbel schleppen halfen, mich aus der Ferne positiv unterstützten und mit Rat und Tat zur Seite standen, und und und, ohne sie hätte ich das alles nicht in so kurzer Zeit hingekriegt, und dafür bin ich sehr dankbar. Sogar der nette *Vor*mieter meiner Wohnung hat mit angepackt, überhaupt waren hier alle Leute so unglaublich nett zu mir – zeitweilig hatte ich den Verdacht, auf meiner Stirn klebte ein Schild, auf dem stünde “bitte besonders nett sein”.

Überhaupt macht Deutschland einen wahnsinnig guten Eindruck auf mich, und mein Heimweh nach Paros hält sich stark in Grenzen. Ich freue mich auf neue Horizonte, darauf, alle meine alten Freundschaften wieder aufleben zu lassen und Menschen, die ich jahrelang vermisst habe, um mich haben zu dürfen, darauf, mit Lydia und den Hunden in der Natur um unsere neue Wohnung herum spazieren gehen zu können und na ja, vieles mehr, aber ich will euch ja nicht langweilen.

Nun will ich euch mal “adé” sagen. Die Nächte sind nach wie vor schwer – fast jede Nacht fragt mich jemand im Traum “wo ist Chris” und ich antworte, es immer noch nicht glaubend, vielleicht ist das ja auch der Sinn dieser Träume, “er ist tot”. Weiter kann ich momentan nicht denken.

Alles zu seiner Zeit. Wir melden uns, bis bald.