Lydia

Wie ihr seht, ist es ruhiger geworden und ich habe weniger Verrückte, die durch meine Rezeption wandern und mich ärgern. Das ist doch die richtige Gelegenheit, mal was über meine Tochter zu schreiben, die mich in letzter Zeit sehr häufig zum Lachen gebracht hat.

Neulich komme ich grad aus dem Bad, da starrt mich Lydia an, als wäre ich gerade einem Stephen King-Horrorfilm entsprungen. Entsetzt reißt sie den den Mund auf, die Augen auch, und schreit, dass mir die Ohren fast abfallen. Da mich eine Dusche ja kaum so schwer verändert haben kann, frage ich nach, was los ist. Lydia starrt immer noch in meine Richtung, allerdings habe ich das Gefühl, dass sie an mir vorbei schaut, also drehe ich mich um, sehe aber nichts. Mit zitterndem Arm zeigt sie auf mich und stammelt “… da… auf deiner Schulter… eine… Kakerlake”.

Ich schüttele sie ab und bringe sie kurzerhand um. Nicht ohne in hysterisches Gelächter auszubrechen, das mich den Rest des Tages immer wieder spontan überfällt. Nun fragt ihr euch bestimmt, wer hier eigentlich verrückt ist, die Gäste oder ich? Aus der Sicht der anderen doch bestimmt die Rezeptionistin, die während des Tages immer wieder ohne Grund loskichert.

Am Sonntag, meinem freien Tag, haben Lydia und ich draußen auf der Terrasse gefrühstückt, und natürlich hatte ich etwas vergessen rauszustellen.
Worauf Lydia mich fragte: “Mama, warum vergisst du immer alles?” (Immer? Alles???)
Ich antworte: “Weil ich so viel im Kopf habe und immer an so viel denken muss.”
Darauf ihre Schlussfolgerung: “Ich hab nix im Kopf.”

Heute Morgen monierte Lydia, dass sie meine weiße Unterhose unter meinem weißen Rock sehen könne. Ich frage, was sie denn denke, was ich sonst hätte tun sollen. Einen schwarzen vielleicht unter dem weißen Rock? Sie schaut mich wieder an, als hätte ich sie nicht mehr alle. Ich sage: “Oder vielleicht gar keinen? Du meinst, ich solle ohne Unterhose zur Arbeit gehen?” Worauf sie mich anschaut und selbst in hysterisches Gelächter ausbricht. Einen weiteren Kommentar dazu verkneift sie sich.

Bald kann sie ohnehin ohne mich zur Arbeit gehen. Gestern, als ich gerade auf der oberen Etage war, klingelte im Hotel das Telefon und sie ging ran. Als ich runter kam, meinte sie, das wäre jemand gewesen, der Jiannis hätte haben wollen und sie hätte gesagt, er sei nicht da. Als neue Gäste kamen und nach einem Auto fragten, bot sie gleich ihren Vater an, der Mietwagen hätte, und erinnerte mich daran, ich müsse sie fragen, wie viele Nächte sie bleiben würden.

Sie hat alles im Griff. Am 14.09. wird sie ja auch schon 7.

“Dein Kind ist ein Traum”

“Dein Kind ist ein Traum”, sagte mir einer der Filmcrew am Wochenende.

Ein Traum, der sich für mich fast ausgeträumt hätte, als ich nach langem Drehtag am Sonntag von Naoussa Richtung Parikia fuhr. Fast wäre nämlich ein quietschblauer und tiefergelegter Scheiß-BMW frontal mit mir zusammengestoßen. Auf einer Strecke von ca. 100m vor mir hatte er bei überhöhter Temperatur komplett die Kontrolle verloren und konnte nur knapp vor mir das Steuer nochmal herumreißen. Ich hatte eine Vollbremsung hingelegt und stand da wie das Kaninchen in der Falle, starrte elendig lange Zehntelsekunden lang auf die Straße vor mir in der ungläubigen Annahme, dass es für mich gleich vorbei sein würde, da ich keine Chance hatte, auszuweichen.

Ich bin für zwangskastrieren. “Total krass” das Urteil der Filmcrew, die im Auto hinter mir waren (aber zum Glück genug Abstand hatten).

Da wird dann alles andere irgendwie unwichtig. Wie man im Fernsehen nun rüberkommen wird, ob Leute kommen oder die Saison ausfällt und wir hungern müssen – das wird irgendwie schon weitergehen.

Hauptsache, ich kann mein Kind weiter aufwachsen sehen, egal wie, egal wo.

Eine Unterhaltung mit Lydia am Bahnsteig

Gerade in meinen Notizen gefunden (November 2009 in Hannover). Soldaten warten auf den selben Zug wie wir.

L: Was sind die?
M: Soldaten.
L: Was machen die hier?
M: Die fahren zur Arbeit.
L: Ich hab Angst.
M: Warum?
L: Wollen die mich töten?
M: Nein, dich nicht.
L: Vielleicht die Tauben?
M: Guck mal, die haben doch gar keine Waffen dabei.
L: Die haben sie bestimmt in ihren Taschen.
M: Nein, glaube ich nicht. Vielleicht bei der Arbeit.
L: Was machen die denn bei der Arbeit?
M: Hmmm… üben.
L: Was üben?
M: …………………..MENSCHEN TÖTEN?

Kann mir jemand sagen, wie man einem Kind, das sich nicht verkackeiern lässt, erklärt, was ein Soldat bei der Arbeit macht?

Ein Tag im Leben.

6.30h: Aufstehen. Das Kind versorgen, Katzen füttern, mich selbst anziehen und so,

7.40h zur Schule fahren (5min für 8km, 10min für die letzten 2 km).

8.10h nach der Post Hunde spazieren führen.

8.45h nach Hause fahren,

9.00h frühstücken, Waschmaschine anschmeißen, arbeiten. Hausarbeit? Später.

Ein paar hektische  und sehr schnell verstreichende Stunden später steht das Kind

14.00h wieder vor der Tür. Schnell überlegen. Kind vorm Fernseher parken, um etwas Hausarbeit zu schaffen? Ein Seitenblick fällt auf den Fernseher. Dort hat das Kind inzwischen schon Herzchen im Staub gezeichnet. Das bringt mich auf eine Idee. Mit dem Kind malen, das wär doch was. Ok, wir bauen den Küchentisch zum Künstlerparadies um. 2 schöne Stunden später – Hausarbeit, wer braucht denn die? – müssen wir uns

16.00h ballettfertig machen. Also das Kind jedenfalls. Dabei haben wir vergessen zu essen, also noch schnell

16.10h ne Stulle schmieren (und die Wäsche aufhängen).

16.30h auf zum Ballett. Erst noch

16.35h ne CD von einem Hotel abholen, da sind Fotos drauf und das ist meine Arbeit für die nächsten 2 Vormittage. Auf dem Weg noch

16.40h tanken, 48 Euro voll, damit komme ich etwa 450km weit.

16.55h das Kind beim Ballett abliefern, 72 Euro für eineinhalb (na ja…) Monate zahlen, während der Ballettstunde nochmal die Hunde spazieren führen. Zeit für mich, wie schön. Dann schnell

17.45h zur Bank, der Automat gibt noch was her,

17.55h Souvlaki, unser Abendessen, kaufen und ab um

18.00h die Kinder abholen. Mit denen zur Freundin, der Mutter von Lydias Freundin, denn sie hat ein Problem mit ihrem PC und mich gebeten, mal nachzuschauen. So sitze ich

18.35h da bis kurz vor Lydias Schlafenszeit, der PC ist in katastrophalem Zustand und so schnell nicht in Ordnung zu bringen, mit dem wenigen, was ich weiß (ein Virusprogramm installieren und dergleichen) kann ich es schon aber es braucht Zeit. Nett wie ich bin schlage ich

19.35h vor, morgen Nachmittag nochmal vorbeizukommen.

19.45h ab nach Hause, dort warten schon wieder hungrige Katzen und ja, die Hunde sind auch schon ne Stunde über ihrer Essenszeit. Zwischendurch nochmal

20.05h und 20.20h 2 von heute gefühlten 100 Telefonaten führen – warum klingelt das Telefon immer im ungünstigsten Moment? Immer, wenn ich grad was tue und *eigentlich* keine Zeit habe. Nun ist es also

20.40h, das Kind ist (zu spät) im Bett und ich bin platt. Eigentlich wollte ich noch 2 Stunden am PC sitzen, schon mal vorarbeiten für morgen, aber dann klingelt wieder

20.55h das Telefon. Ich hab die Nase voll, stöpsel alles aus, beschließe ins Bett zu gehen. Lesen. Schön, es kann mich keiner mehr erreichen. Um die Herzchen im Staub kümmere ich mich morgen… vielleicht. Da ich aber ja bekanntermaßen mutmaßliche Alkoholikerin bin, weil ich mal Staub unterm Sofa hatte, und mein Ruf eh ruiniert ist,  kann ich also jetzt, um

21.45h, nachdem ich dieses geschrieben habe, guten Gewissens ins Koma fallen, bis es um 6.30h wieder losgeht….

Gute Nacht!

PS Dieser Artikel ist Andrea H. gewidmet!

Schon 2x gebadet

Gestern waren wir am Strand und vorgestern. Lydia hat beide Male gebadet. Die Mama blieb komplett angezogen, wenn auch sommerlich ;-). Ich glaube, ich bin noch nie im April baden gegangen, im Mai vielleicht einmal in den ganzen Jahren, und mit Überwindung kriege ich es im Juni hin. Aber Kinder sind da wohl anders drauf. Lydia ist nach dem “langen Winter” total heiß drauf, zum Strand zu gehen.

Zum Glück waren wir beide Male mit anderen Eltern und Kindern am Strand. Kinder brauchen Kinder, und so war Lydia glücklich (und die Mama demnach auch). Und dass ich Kein weiteres Kind möchte , davon hat mich das 15 Monate alte Kind, das gestern, obwohl wir den ganzen Strand zur Verfügung hatten, hauptsächlich in meiner Handtasche rumstand, nochmals vollends überzeugt.

Komischerweise versuchen mir diverse Leute in letzter Zeit einzureden, dass ich ein weiteres Kind möchte – vielleicht hören sie meine biologische Uhr ticken, keine Ahnung, ich tu’s jedenfalls nicht. Im Gegenteil, ich weiß es sehr zu schätzen, dass mein Kind so weit ist wie es ist. Ich kann intelligente Gespräche mit Lydia führen, in denen ich von ihr lerne, sie kann (seit gestern) endlich die Haustür allein aufschließen (von außen und von innen), selbständig duschen (mit Shampoo, Conditioner und allem), die Einkaufsliste schreiben, sich selbst etwas zu trinken einschenken, bei der Nachbarin Bioeier kaufen, zu meiner größten Freude endlich durchschlafen (na gut, das kann sie schon länger) und vieles mehr. Davon abgesehen ist sie auch das süßeste Kind auf Erden, was könnte das noch toppen?

Wenn ich das weitere Kind etwa 3jährig bekommen könnte, würde ich vielleicht nochmal mit mir reden lassen.

Und was wollte ich jetzt? Ach ja, die Fotos einstellen. Wie sagt Lydia? “Mama, du wirst vergesslich!”

Erstes Strandbaden dieses Jahr

Erstes Strandbaden dieses Jahr

Keine Eruption auf Paros

Heute wollte ich einfach mal ein Bisschen intelligente Unterhaltung mit meiner Tochter führen und wir unterhielten uns über die Aschewolke über Europa. Nachdem ich erklärt hatte, warum jetzt keiner fliegen kann, meinte sie: „Auf Paros werden wir keinen Vulkanausbruch haben.“ Ich fragte, warum. „Weil wir keinen Vulkan haben, Mama!“ antwortete sie, und ich hatte leicht den Eindruck, als wenn sie mich für minderbemittelt hielt.

Sie ist 6. Vor kurzem konnte sie noch außer scheißen, schreien und nicht schlafen nicht viel. Jetzt erklärt sie mir, warum wir, da wir einen Automatikwagen fahren, keine Kupplung treten müssen. Was die Verdauungsenzyme in ihrem Bauch anstellen. Oder was es mit dem Umweltschutz auf sich hat. Da habe ich mich sowieso schon gewundert, wie kann ein Kind von 6 eine Vorstellung von Umweltschutz haben? Und dennoch: sie wusste, worüber sie sprach.

Neulich fährt einer mit 180 Sachen auf dem Motorrad an uns vorbei, als wir die Straße überqueren wollen. Sagt sie, sich die Stirn klatschend „Was war das?“ Ich: „Ein Idiot.“ Sie: „Danke.“ Trockenen Humor hat sie auch. Und sage mir nochmal jemand, dass ein Kind erst mit 10 Ironie versteht. Das stimmt nicht.

Irgendwie komm ich da nicht mehr mit.

Antiparos heute

Nachdem ich mein Ostergeschenk überlebt habe, nämlich eine wunderbare Magen-Darm-Grippe, die mich 48 Stunden lang außer Gefecht setzte, hatten wir heute wieder Kraft, etwas zu unternehmen, und sind nach Antiparos gefahren. Zum Glück war Lydia an Ostern mit ihrem Vater und der griechischen Verwandtschaft zusammen und hat sich wie durch ein Wunder danach auch nicht bei mir angesteckt!

Es war sehr nett auf Antiparos, wir wurden zum Mittagessen eingeladen von einer 81jährigen Bekannten, die geistig und körperlich fitter zu sein scheint als ich und die immer anregend ist.

Danach waren wir schön spazieren und ich habe doch tatsächlich sogar neue Vögel entdeckt, die ich noch nicht kannte (weiß jemand, was sie sind???).

FREIHEIT !!!

FREIHEIT !!!

Verrückte (Rassisten) gibt es überall!

Verrückte (Rassisten) gibt es überall!

Was sind das für Vögel?

Was sind das für Vögel?