“Einer hier” und “einer dort”?

Erinnert ihr euch noch an den Hotelgast, der oder die mich im vergangenen Sommer schwer bemitleidete, dass ich auf einer verlassenen Insel im Winter mein Dasein fristen muss, weil hier ja kaum Menschen wären (mutmaßte sie so)? Nun ja, hier in meiner warmen Wohnung sitzend, zusammen mit meinem Freund, 2 Hunden und zur Zeit 5 Katzen fühle ich mich gar nicht einsam. Und auch da draußen sind, man solle es kaum glauben, Menschen, mit denen man auch im Winter verkehren kann, auch wenn die meisten hier ein Bisschen komisch sind, das dürfte euch auch nicht entgangen sein, und ich schließe mich da ja auch gar nicht aus.

Aber ihr wisst sicher noch nicht, trotz aller Mordgelüste im Sommer, von denen ich hier brav berichte, dass mir jetzt tatsächlich ein böser Anschlag in die Schuhe geschoben wird. Und zwar von meiner ehemaligen Vermieterin, die mir damals noch harmloseres unterstellte, wie “der Schimmel in der Wohnung käme durch das Atmen meiner Hunde”. Nun bin ich ja bekanntlich schon seit Monaten dort ausgezogen und jetzt glaubt sie, ich hätte versucht, sie – und ihren Mann und ihre Hunde und die Katzen und überhaupt wahrscheinlich alles, was kreucht und fleucht – umzubringen, da der Klima-Anlagen-Techniker beim Ausbau meiner Klima-Anlage die Kabel oben auf dem Dach einfach hat hängen lassen. Die hingen nun, wir haben ja Regenzeit, offensichtlich in eine Pfütze auf dem Dach und wenn man den Strom angeschaltet hätte, wäre ich sie alle auf einen Schlag losgeworden. Man solle sich das mal vorstellen. Da kommt man ja glatt ins Träumen. Aber ich habe gesagt, sie solle ihre Mordtheorien bitte an die richtige Stelle schicken – nämlich an den Mann, der dafür bezahlt wurde, seinen Job zu machen.

Auch sonst geht es im Moment auf Paros hochkriminell zu. Da meinen manche schon, ich berichte aus Süd L.A.! Neulich haben wir einen Polizisten in ein Haus begleitet, in das eingebrochen worden war, da ich übersetzen musste zwischen dem, der die Polizei brauchte und dem Polizisten selbst. Erstaunlicherweise kam der Polizist sogar, das hat mich schon gewundert, ist ja halbwegs beruhigend, sollte mal jemand an meinen scharfen Wachhunden vorbei kommen wollen. So sind wir in dieses Haus durch das offene Fenster eingestiegen, brav im Stockdüsteren hinter dem Polizisten her, der seine Waffe bereithielt (oder sich an ihr festhielt, sogenau kann ich das nicht sagen, es war ja dunkel). Da wurde mir mal wieder klar, wie nützlich ich bin, denn er hatte keine Taschenlampe dabei, ich dafür ein kleines Feuerzeug mit Minilämpchen. So bahnten wir uns den Weg zum Stromkasten vor, bis wir Licht anmachen konnten, ohne von gemeingefährlichen Verbrechern übemannt zu werden. Nur um festzustellen, dass “diese” wahrscheinlich nur einer war, der nichts geklaut, sondern sich nur ein Bett zum Schlafen gerichtet hatte. Irgend ein armes Schwein also, so sind wir ziemlich unverrichteter Dinge davongezogen, auch wenn es uns natürlich mal wieder einen langweiligen Wintertag bereichert hat!

Etwas beunruhigend hingegen fand ich , dass der Polizist meinte, mich zu kennen. Ich habe in letzter Zeit wohl zu viel Kontakt mit Polizisten gehabt. Daher bin ich froh, dass ich nicht auch noch bei der Barbie-Puppen-Gang dabei war.

Aber mal von vorn. Hier findet wöchentlich ein Treff statt, wo Leute Dinge austauschen, die sie nicht mehr haben wollen. Also so eine Art Second Hand Markt ohne Geld. Ich selbst war noch nicht da, aber ich überlege, nächstes Mal doch hinzugehen. Beim letzten Treffen blieb eine Tüte mit ganz vielen (nackten) Barbies und Kens übrig, die niemand haben wollte. Nachdem also ein paar Leute zu tief ins Glas geschaut hatten, nahmen sie auf dem Rückweg die Barbies und Kens mit und platzierten sie, so lange der Vorrat reichte, auf den Türknäufen diverser Geschäfte in der Market Street.

In der selben Nacht fand dort ein versuchter Einbruch statt, und zwar bei einem Geschäft, das eine Barbiepuppe auf dem Türknauf hatte. Eine Freundin, die dort im Geschäft arbeitet, versuchte, da sie von der Barbiepuppenaktion wusste, die Puppe rechtzeitig zu entfernen, was der Chef allerdings nicht zuließ, weil er es für ein wichtiges Indiz hielt. Die Polizisten waren aber eher weniger begeistert von noch mehr Arbeit und wussten das Barbiepuppenindiz recht uninteressiert sofort auszuschließen. Andere Geschäfte hingegen waren etwas beleidigt, dass alle anderen eine Barbiepuppe an der Tür hatten und sie nicht. Eins davon hat wohl eine Überwachungskamera. Noch werten sie den nächtlichen Film wahrscheinlich aus und ich frage mich, ob sie die Barbiepuppenverteiler für die versuchten Einbrecher halten werden. Von einer Verhaftung habe ich aber noch nichts gehört.

Ansonsten ist hier alles eher harmlos. Nur am Rande bemerkenswert ist vielleicht jemand in Aliki, der mein Fischernetz benutzt, mit dem ich damals meine Fenja eingefangen habe, um einen entwischten Hund wieder einzufangen. Wie der Rattenfänger von Hameln also läuft er gelegentlich in Aliki auf und ab. Die dortigen Kinder sind ganz begeistert und helfen mit, den Hund zu suchen. Andere halten ihn wahrscheinlich nur für einen harmlosen Irren. Wovon es hier, siehe oben, ja genug gibt.

Und damit bin ich heute durch, tut mir Leid, dass ich euch so lange auf News habe warten lassen, irgendwie ist mein Winter zu ereignisreich!

Arme Irre II

Bezugnehmend auf meinen Beitrag “Arme Irre” möchte ich euch mitteilen, dass der gute Mann so glücklich über meinen Joghurt war, dass er mehrere Tage länger blieb und ich nun von meinem Chef eine fürstliche Provision erwarte. Außerdem hat er doch tatsächlich noch ein paar schöne Wanderwege entdeckt (“von Lefkes bis nach Aliki!”) und ist somit glücklich abgereist.

Mein Chef wusste zwar nichts von meiner Joghurt-in-den-Kühlschrank-Aktion, zählte aber eins und eins zusammen, als er den Gast die Quittung vor sich hertragend auf der Suche nach mir antraf, an meinem freien Sonntag, sonst bin ich ja durchaus zu finden.

Eine Beförderung werde ich wohl kaum erwarten, sonst würde ich ja den Chefposten übernehmen wollen, und das will ich definitiv nicht. Aber so machen zumindest wieder die unsinnigsten Dinge Sinn.

Vielleicht macht auch der Rauswurf aus unserer Wohnung Sinn, wenn es tatsächlich mit einem wunderschönen (neuen! und schimmelfreien – meine Hunde und wir würden atmen dürfen!) Haus im Grünen und doch im Herzen Parikias klappt, das wir uns vorige Tage angeschaut haben. 500m von meiner Arbeit und/oder Lydias Ballett entfernt. Mit großem Grundstück drum herum und allem, was das Mieterherz sonst noch so begehrt. Es ist noch nicht ganz fertig, aber angeblich stehen wir an erster Stelle als Interessenten, Haustiere sind übrigens auch erlaubt, womit es “eigentlich” noch zu gut um wahr zu sein klingt. Daher brauchen wir bitte ganz ganz ganz viele Daumendrücker.

Damit würden wir dem irgendwie schon lieb gewonnenen Aliki den Rücken kehren, in dem sogar der Obdachlose, der berühmte “verrückte Stavros”, seine Funktion hat – er isst nämlich kleine Kinder und ob ihr es glaubt oder nicht, die drohen den Kindern wirklich damit. Ich habe es 2x selbst gehört. Das hätte nicht mal ich erwartet.

Arme Irre

Ein früherer Chef hat immer gesagt, immer im Refrain, τι έχω πάθει, δεν αντέχω, was so viel heißt wie, was passiert nur mit mir, ich halt’s nicht aus, und heute ist mir auch danach.

Heute Morgen beschwert sich ein Franzose bei mir, es gäbe hier keine Wanderwege, und es gäbe auch kein Buch über Wanderwege, beides nicht wahr übrigens, und überhaupt gäbe es nur Autos, wenn er das gewusst hätte, wäre er gar nicht nach Paros gekommen. Und regnen tat’s auch noch, sehr zu seinem Verdruss.

Aber der Knaller kam heute Mittag. Kommt er wieder durch die Rezeption gerauscht, hält mir einen Joghurt unter die Nase und sagt: “Ich weiß nicht, wie ihr glaubt, warum ich auf Paros bleiben sollte, hier gibt es ja nicht mal Schafsmilch-Joghurt!” Und schaut mich an.

Ich schaute ihn an. Mir war danach, ihm zu sagen, wie ein anderer früher Chef von mir, would you kindly fuck off. Aber man kann ja keinen Hotelgast brüskieren, und sei der noch so irre. Er führte es noch aus, sehr vorwurfsvoll, er wäre in jedem Supermarkt gewesen und es gäbe hier einfach keinen Joghurt aus Schafsmilch.

Gibt es aber doch, denn ich muss immer höllisch aufpassen, dass ich nicht aus Versehen dieses ekelige Zeug kaufe. Nach Feierabend kaufte ich ihm dann einen Joghurt, aus Schafsmilch, aus dem nächsten Supermarkt; der wartet jetzt in seinem Zimmer in seinem Kühlschrank auf seine Rückkehr. Und zum Glück werde ich den guten Mann nicht mehr sehen, denn er reist morgen ab und ich habe morgen frei.

Es gibt schon ein paar arme Irre auf dieser Welt.