“Blind Date in der Dunkelkammer”

Und: “6 Singles hoffen auf die große Liebe.”

So gehört auf RTL – Werbung für eine neue Sendung.

Gibt es wirklich Leute, die hoffen, in der Dunkelkammer die große Liebe zu finden??? Im Fernsehen???

Andererseits, auf einer griechischen Insel (bei ganz viel Licht) ist es auch nicht so einfach.

Erzählt mir eine Freundin heute, die schon länger Single ist, von ihrem Gespräch kürzlich mit einem Freund, der herausfinden wollte, welche Ansprüche sie an einen Partner stellt.

Sie (übrigens nicht Griechin): “Also, er sollte schon in ganzen Sätzen sprechen können.”

Er: “So richtig, mit Punkt und Komma?”

Sie: “Ja, eigentlich schon.”

Worauf er schlussfolgert: “Hmm, dann fällt die Hälfte der Griechen schon mal weg.”

Ich finde sowieso, Griechen sollte man sich eher wegen ihrer Liebhaberqualitäten nehmen, und dabei müssen sie ja nicht in ganzen Sätzen sprechen können. Ansonsten sollte man lieber die Finger davon lassen.

Obwohl natürlich Ausländer auch nicht alle in ganzen Sätzen sprechen können, womit wir wieder bei RTL wären – Bauer sucht Frau fällt mir da zum Beispiel ein. Oder Schwiegertochter gesucht. Wobei ich euch darauf hinweisen muss, bevor ihr gänzlich verwirrt seid, dass ihr, zusammen mit mir, aus der Perspektive einer griechischen Insel, alle Ausländer seid!

In Zeiten der Finanzkrise habe ich auch schon mal gedacht, dass es vielleicht sinnvoll wäre, sich einen Bauern zu angeln. Da gibt das Feld sicher noch was her, wenn der Bankautomat schon längst streikt.

Aber dafür muss man ja nicht ins Fernsehen, Bauern gibt es auch auf griechischen Inseln, aber meine Freundin ist nicht davon abzubringen, dass ihr zukünftiger Partner ganze Sätze formulieren können müsste, also wird das sicher wieder schwierig – Bauer UND Grieche? Hm, na ja.

Man sagt ja, in der Not frisst der Teufel Fliegen. Fliegen gibt es im Moment wiederum sehr viele, ich bin schon die reinste Massenmörderin.

Aber ich komme vom Thema ab und das hilft meiner Freundin auch nicht weiter. Eigentlich wollte ich nur darüber sinnieren, was für seltsame Blüten die Partnersuche heutzutage treibt.

Vielleicht basiert die neue RTL-Sendung ja auf dem Prinzip, auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn. Womit beide Sendungen ja direkt was gemeinsam hätten. Vielleicht sollte meine Freundin ja doch ins Fernsehen.

“Our parents had the same concerns”

Ich habe ja in letzter Zeit desöfteren meinen Unmut über Menschen hier kundgetan. Ihr seht ja, bzw. lest einen Ausschnitt davon, wieviel “menschlicher Müll” mir täglich begegnet.

Andererseits gibt es aber auch wieder die besonderen Menschen. Und derer gibt es in meinem Leben erstaunlich viele. Wie viele liebe, tolle, herzliche, unterstützende, positive, spannende, intelligente, anregende und einfach gute, nicht böse Menschen darf ich meine Freunde nennen, sowohl hier vor Ort als auch in aller Welt. Es sind nicht mal nur meine “besten Freunde”, mit denen ich dauernd zu tun habe, es können zum Beispiel auch anteilnehmende Facebook-Freunde sein, die mir tolle, positive Impulse geben. Die ich nicht mal besonders gut kenne, wo aber trotzdem ein kleines, aber schönes Band entsteht. Oder Menschen, denen ich einmal begegnet bin – begegnet im wahrsten Sinne des Wortes -, und mit denen ich heute noch offenen, warmen Kontakt halte. Oder meine englischen oder irischen Freundinnen, mit denen ich mir gestern die Nacht um die Ohren geschlagen habe (mit 31 darf man das ;-) ), die mich so zum Lachen bringen, dass ich mich wundere, wie ich, äh wie drückt man sich hier elegant aus, geht glaube ich nicht, den Abend überlebt habe, ohne mir in die Hose zu machen. Andere, die immer in Krisenzeiten plötzlich zur Stelle sind, und die ich Tag und Nacht anrufen dürfte. Oder oder oder. Es gibt so viele tolle Menschen auf der Welt, das darf man nicht vergessen. Und ich habe das Glück, sehr viele davon zu kennen.

Morgen Abend werde ich wieder neue Menschen kennen lernen, und ich bin ganz gespannt. Kunden, die über mich ein Zimmer gebucht haben, wo sich schon im Vorfeld ein interessanter Dialog entwickelt hat. In diesem Fall geht es um ein Pärchen aus Deutschland, eine Deutsche und ihren Partner, einen Griechen, der in Deutschland lebt, aber im Sudan aufgewachsen ist. Wo er geboren wurde, habe ich vergessen, aber wir haben in diesem Dialog festgestellt, dass wir beide “made in Africa” aber für die Geburt in europäische Länder ausgeflogen worden sind. Wie er so schön zusammenfasste “our parents had the same concerns”. Ich glaube, es ist sehr selten, dass man jemanden kennen lernt, der SO ETWAS mit einem gemeinsam hat. Und die ganzen Email- sowie SMS-Kontakte waren so erfrischend, dass ich sehr gespannt bin.

Vielleicht ist das auch wieder der Beginn einer Freundschaft. Ich werde nie vergessen, wie eines Tages ein Pärchen in meiner damaligen Pension “Sakis Rooms” vor mir stand und zu mir sagte “Sind Sie Frau Blair?”. Allein aufgrund eines einzigen von mir verfassten Artikels: Eine Katze erzählt beschloss man im fernen Plankstadt, sich auf den Weg zu machen und mich kennen zu lernen. Zum Glück! Das war 2002 und seitdem sind sie Menschen, die aus meinem Leben einfach nicht mehr wegzudenken sind.

Also werde ich die 70% Idioten morgen Vormittag einfach ignorieren, sind ja auch nur noch 7,5 Wochen in etwa, mich riesig auf den Abend freuen und im Notfall meine neue Strategie anwenden. Am Samstag war ich einfach so penetrant freundlich und liebenswert zu allen, sogar den nervigsten Leuten, dass jeder Widerstand zwecklos war!

Dann wünsche ich mal gute Nacht und ab morgen eine gute Woche!

Schwarzer Tag

Geh ich grad mit meinen Hunden spazieren und begegne einer unserer Katzen (Puma), die auf einer Mauer zwischen Gebüsch thront. Als ich hingehe, um sie zu streicheln, fällt plötzlich etwas von der Mauer – direkt vor die Hunde, die sich sofort drauf stürzen, worauf das Etwas anfängt zu quietschen wie verrückt. Ich dachte, es wäre eine junge Katze oder ein Igel und zog sofort die Hunde zurück, worauf plötzlich eine Ratte davonhumpelte. Im wahrsten Sinne: humpelte.

Fällt einfach ne Ratte von der Mauer. Die hatte wohl schon unter der Katze gelitten und dann stürzten sich noch die Hunde drauf. Armes Tier. Echt kein guter Tag.

Aber keine Sorge, ich werd nicht auch noch anfangen, Ratten zu adoptieren, obwohl…………

Augenschmaus

Irgendwie MUSS man ja auch dem 15. August, dem “schlimmsten” Tag des Jahres, etwas Positives abgewinnen können, oder. Jedenfalls haben sie zur Feier des Tages genügend zusätzliche Hafenpolizisten angefordert, von denen einige in unserem Hotel wohnen – und da sind ein paar wirklich gut aussehende Exemplare dabei ;-). Also gibt’s heute so richtig was zu kucken. Lydia wär begeistert von den Frauen, denn sie will ja Hafenpolizistin werden – wenn nicht Polizistin oder Sängerin – so ganz hat sie sich noch nicht entschieden!

Mit Madeleine im Hinterkopf

Letzte Nacht habe ich geträumt, ich hätte Madeleine gefunden. Bei uns am Strand stand sie plötzlich vor mir, und ich erkannte ihr typisches Augenmerkmal. Panik erfasste mich. Was sollte ich tun? Das Kind ansprechen? Das Kind schnappen und wegrennen? Heimlich die Polizei anrufen? Würde die Polizei überhaupt kommen und wissen, worum es ging? Gedanken, die mir im Traum durch den Kopf gingen.

Ich frage mich, welche Sprache sie wohl sprechen und ob sie noch auf ihren Namen hören würde. Ob sie eines Tages vielleicht wirklich auftaucht und wir erfahren, was mit ihr passiert ist.

Überhaupt ist Madeleine immer in meinem Hinterkopf. Ich mag Lydia nicht allein zuhause lassen und einmal mit den Hunden um den Block gehen, weil ich das Bild vor Augen habe, wie dieses Kind wegkam und nie wieder auftauchte. Wie tragisch für die Familie. Überhaupt mag ich Lydia ungern aus den Augen lassen. Aber man muss sich vorhalten, dass man nicht immer alles kontrollieren kann. Eine von vielen Lebens(lern)aufgaben.

Woran liegt es nun?

Ein Hotel, ein Zimmer, Check in, Check out.

Vorige Gäste: 5 Tage geblieben, alles super, Zimmer schön, Frühstück schön, Insel schön, alles schön.

Nächsten Tag, dasselbe Zimmer, anderes Szenario: Zimmer schrecklich, Frühstück schrecklich, Insel schrecklich, alles schrecklich.

Ich kann also nur daraus schließen, dass es nicht am Zimmer liegt, sondern an den Leuten. Zumal es nicht das erste Mal wäre, dass ich das beobachte.

Ergo liegt es auch an mir, wie ich etwas finde, und nicht an den Umständen, oder?

Putzfrauenterror

Und ich dachte, früher hatte ich es schwer, mit nur EINER Putzfrau.

Heute habe ich (Gott sei Dank nicht als Chefin!) mit 4 Putzfrauen zu tun, und die sind alle so unterschiedlich wie es Menschen gibt.

Die eine war super, hat in der gleichen Zeit 3x so viel geschafft wie die anderen. Leider musste sie abreisen, weil ihr Sohn einen Unfall hatte. Sie hat sich bis heute nicht gemeldet.

Die andere ist fleißig und man hört und sieht sie kaum – aber alles ist, ohne Probleme, binnen kurzer Zeit erledigt.

Die andere ist bildhübsch und sehr freundlich und kooperativ, so schaut man gern über ihre Langsamkeit hinweg (schlurf, schlurf den Gang entlang…).

Die dritte im Bunde ist ein Arbeitspferd und ackert – und denkt sogar mit.

Die vierte macht alle wahnsinnig. Sie ist 40 Jahre alt, wie ich also, sieht aus wie 50 und benimmt sich wie eine Zweijährige. Eine Zweijährige mit Fahne. Braucht wahnsinnig viel Aufmerksamkeit. Heult, wenn sie einen nackten Mann sieht (aus Versehen in ein vermeintlich leeres Zimmer gegangen). Heult, wenn sie zuviele Check outs hat. Heult aus jedem Grunde. Versteht jeden Tag dieselben Sachen nicht. Sie könnte einem eigentlich leid tun, aber das Mitleid hält sich irgendwie in Grenzen, auch wenn ich versuche mir vorzuhalten, dass auch ich manchmal Probleme habe.

Gestern hat sie mich total verrückt gemacht, und als ich mich nach Feierabend mit umgehänger Tasche und Sonnenbrille auf der Nase umdrehte und sie wieder vor mir stand, da tat ich etwas, was man eigentlich nicht tut – ich ergriff die Flucht und bat die Kollegen, sich bitte um diesen Fall zu kümmern.

Man würde ja eigentlich nicht denken, dass Zimmer putzen so schwer sein kann, aber es ist eine never ending story. Ich könnte allein über meine Putzfrauenerfahrungen in Griechenland Bücher füllen. Jetzt das 13. Jahr im Hotelwesen auf Paros. Habe ich euch eigentlich schon von der magersüchtigen, von ihrem Mann misshandelten und den Gästen den Ouzo wegtrinkenden Putzfrau erzählt??? Die davon abgesehen die beste von allen war…?