Never been closer

No, never been closer to happiness…

Es gäbe so viel zu erzählen, dass ich nicht weiß, wo anfangen. Wir sind so glücklich, dass ich nicht weiß, wie erklären. Wir haben so viel zu tun, dass ich nicht weiß, wann erzählen!

Kurz: Deutschland macht mich irgendwie high. Natürlich kann das auch daran liegen, dass ich bei einem Schuhmacher arbeite und die Klebstoffe wirken. Wenn, dann hatte ich noch nie einen besseren Job und sollte mein Chef mir kündigen, wird wohl eine Entziehungskur angesagt sein. Aber das wird hoffentlich nicht so schnell passieren. Meine Arbeit ist toll, macht mir Spaß, obwohl ich manchmal “langweilige” Dinge tun muss, derentwegen ich meinem Chef offensichtlich leid tue. A piece of cake! Er weiß ja auch nicht, wie das ist, 15 Jahre lang in Griechenland Saisonarbeit im Hotel gemacht zu haben. Da kann mich so schnell nichts umhauen.

Es macht mich high, dass ich Wochenenden habe. Jede Woche aufs neue, 2 Tage frei. Der Hammer! Wir haben kulturell Entzugserscheinungen und nehmen alles mit: Flohmärkte, Messen, Austellungen.

Lydia wächst zur kleinen Dichterin heran. Neulich: “Mama, heute leuchtet die Sonne so wie in Griechenland!” Gestern: “Mama, das war ein großes Wochenende. Wie sieben Tage frei.” Wacht sie nachts auf und ich frage sie, was sie hat: “Alles gut, Mama!” Ich schmelze dahin.

Ich würde sagen, wenn man die Behrens, die man schon über 20 Jahre kennt, anruft und mit “Hallo Tröte“ begrüßt wird, wenn man grinsend bei Nieselregen zur Arbeit fährt, weil man sich an ein Gespräch vom Wochenende erinnert, wo man auf den Spuren der Vergangenheit wandelte, wenn Lydia beim Schnippeln von Gemüse sagt, “Mama, wenn du immer „hmm, hmm“ sagst, wenn ich dir was erzähle, dann habe ich das Gefühl, dass du mir nicht zuhörst”, wenn man sich dauernd totlacht und eigentlich meint, man müsse aufgrund von chronischem fröhlich sein eingeliefert werden, wenn es ein erhebendes Gefühl ist, mal eben nach Bremen fahren zu können, um Freunde von vor über 20 Jahren zu treffen – dann weiß man, dass man etwas richtig gemacht hat.

Alles gut; alles wird gut. Das hoffe ich auch für Griechenland. In Griechenland habe ich gelernt, im Jetzt zu leben, zu genießen, zu essen, zu kochen… den Wert der einfachen Dinge und die Großzügigkeit von Menschen zu schätzen, spontan zu sein, zu improvisieren, dass jeder Sonnenuntergang anders ist, wie Tomaten eigentlich schmecken müssen, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen und ein wunderschönes Land, seine Sprache und lustigen und kreativen Menschen zu lieben. Ich habe Erfahrungen gemacht, die mein Leben lang vorhalten werden und Freundschaften geschlossen, die für immer bei mir sein werden. Griechenland hat einen Zauber inne, den auch die Krise nicht zerstören wird. Ich bin dankbar dafür, dass Griechenland mir so viel gegeben hat und wünsche seinem Volk viel Kraft. Ich bin dort, wo ich jetzt bin, glücklich, es ist der richtige Ort zur rechten Zeit, but I will always love you.

Alles ist gut.

Was ist Glück?

In das strahlende Gesicht (m)eines fröhlichen Kindes zu schauen. Zu wissen, ich habe dieses Lachen herausgefordert.
Dieses Kind zu beobachten, wie es Freude an anderen Menschen hat und diese liebt, ohne einen einzigen schlechten Hintergedanken. Unverdorbenheit.
Den lustigen Schlussfolgerungen dieses Kindes zu folgen.

Des nachts die Blüten des tagsüber überhaupt nicht duftenden Νυχτολούλουδο ( Nachtjasmin ) zu riechen – wer das nicht kennt, hat etwas verpasst.
Täglich Griechenland zu riechen.
Täglich Griechenland zu sehen. Gibt es viel Schöneres als täglich solche Augenweiden?

Und das Licht, dieses Licht, war das schon immer so?

Interaktion mit einem bekloppten Griechen, wenn man nicht grad was von ihm braucht…
Wärme, mit denen Menschen einen zuweilen überschütten, ohne dass man etwas dafür leisten musste… eine warme Seelendusche.
Menschen wiedersehen, die man seit 2 Jahren nicht mehr gesehen hat, und sich nicht fremd, sondern sich genau so wohl fühlen, als wenn man sich gestern erst gesehen hätte.
Zu wissen, dass diese Menschen für einen da sind und einem positive Energie geben.

Nachts am Strand unter einer Tamariske zu sitzen und Rotwein zu trinken, ohne Zeitdruck und ohne Mücken. Tamarisken können übrigens von Salzwasser leben.

Der liebende Blick meines Hundes, ein Liebesbiss meiner Katze, Kaninchen, die denken, sie sind Katzen und die ins Katzenklo scheißen. Sie rühren mich und bringen mich zum Lachen.

Mein Kind, das ich ein ums andere Mal kitzeln muss, obwohl es vor lauter Lachen schon nicht mehr kann.
Der staunende Blick meines Kindes ob des Πουλάκι’s meines schwulen Freundes am FKK-Gay-Strand.

Die griechische Sprache, die in meinen Ohren so wunderschön klingt wie als ich sie noch nicht verstand; besonders bei einem Radiomoderator mit sexy Stimme zum Dahinschmelzen.

Meine Idealvorstellung vom Glück: Strand, Sonnenuntergang, griechische Musik und sich dem Moment hingeben und griechische Tänze tanzen, wie Alexis Sorbas. Diesen Moment kann ich mir genau vorstellen, aber soweit bin ich noch nicht. So kann ich mich dem Augenblick nicht hingeben. Noch nicht. Vielleicht bin ich ja dafür hier, um das zu lernen.

Es hat viel mit Griechenland zu tun, mein Glück.