Ein alter Mann

Spaziergang
Ein alter Mann,
geht allein durch den kalten,
sonnigen Wintertag spazieren,
um Haltung bemüht.
Die Arthrose
macht das Gehen schwer.
Etwas lastet
auf seinen zerbrechlich wirkenden Schultern.
Ich frage mich, was diese schon getragen haben.
Sein einsames Gehen
berührt mich.
Ich möchte
meine Hand ausstrecken
und seine Einsamkeit
wegwischen,
die ich auch
bei anderen
nicht ertrage.
Aber ich sage nichts.

Spaziergang

Ein alter Mann
geht allein durch den kalten,
sonnigen Wintertag spazieren,
um Haltung bemüht.
Die Arthrose
macht das Gehen schwer.
Etwas lastet
auf seinen zerbrechlich wirkenden Schultern.
Ich frage mich, was diese schon getragen haben.

Sein einsames Gehen
berührt mich.
Ich möchte
meine Hand ausstrecken
und seine Einsamkeit
wegwischen,
die ich auch
bei anderen
nicht ertrage.

Aber ich sage nichts.

“Alles wird gut”

Zwischen Himmel und Erde,
Licht und Dunkel,
Herz und Verstand;
was ist
dazwischen,
das ich nicht
erfassen,
sehen,
fühlen
und
verstehen
kann?
Welche Kraft waltet,
die mein Herz berührt,
die Erde um die Sonne kreisen,
mich Entscheidungen treffen
lässt
und mir Zufälle beschert,
die mich im Wechsel fordern
oder tragen?
Wer bist du,
der mir so glaubhaft
und hartnäckig
die Botschaft zukommen lässt
“alles wird gut”?

Zwischen Himmel und Erde,
Licht und Dunkel,
Herz und Verstand;

was ist
dazwischen,
das ich nicht

erfassen,
sehen,
fühlen
und
verstehen
kann?

Welche Kraft waltet,
die mein Herz berührt,
die Erde um die Sonne kreisen,
mich Entscheidungen treffen lässt
und mir Zufälle beschert,
die mich im Wechsel fordern
oder tragen?

Wer bist du,
der mir so glaubhaft
und hartnäckig
die Botschaft zukommen lässt

alles wird gut?

.
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Heute vor 4 Monaten starb mein Freund. Er war, ohne Alkohol, einer der liebsten Menschen auf dieser Erde, gütig, humorvoll, mein Fels in der Brandung. Bis er leider nicht mehr stark genug war, auf einmal, irgendwie, weiß der Himmel warum. Er wird immer ein Teil meines Lebens sein, kein Tag vergeht, an dem ich nicht an ihn erinnert werde. Wenn ich an Gott glauben würde, würde ich jetzt sowas sagen wie “Gott hab ihn selig” und ihr würdet “Amen” sagen. Also an was glauben?

Danke an all die Menschen in meinem Leben, die mich tragen. Trotz alledem. Alles wird gut.

All is well

Call me by my old familiar name.
Speak to me in the easy way
which you always used.
Put no difference in your tone.
Wear no forced air of solemnity or sorrow.
Laugh as we always laughed
at the little jokes we enjoyed together.
Play, smile, think of me, pray for me.
Let my name be ever the household word
that it always was.
Let it be spoken without affect,
without the trace of a shadow on it.
Life means all that it ever meant.
It is the same that it ever was.
There is absolutely unbroken continuity.
Why should I be out of mind
because I am out of sight?
I am waiting for you,
for an interval,
somewhere very near,
just around the corner.
All is well.

“Death is nothing at all.

I have only slipped away into the next room.

I am I and you are you.

Whatever we were to each other,

that we still are.

Call me by my old familiar name.

Speak to me in the easy way

which you always used.

Put no difference in your tone.

Wear no forced air of solemnity or sorrow.

Laugh as we always laughed

at the little jokes we enjoyed together.

Play, smile, think of me, pray for me.

Let my name be ever the household word

that it always was.

Let it be spoken without affect,

without the trace of a shadow on it.

Life means all that it ever meant.

It is the same that it ever was.

There is absolutely unbroken continuity.

Why should I be out of mind

because I am out of sight?

I am waiting for you,

for an interval,

somewhere very near,

just around the corner.

All is well.”

 

(by Henry Scott Holland (1847-1918)Canon of St. Paul’s Cathedral)

Diese schönen Worte erreichten mich heute in der Kondolenzkarte für Chris († 01.08.2011).

Obwohl ich den ganzen Vormittag brauchte, um sie zu Ende zu lesen, finde ich sie wunderschön.

Ist es Zufall, dass ich ausgerechnet bei meinem letzten Gang zu meinem griechischen Postfach diese Karte vorfand? Ist es eine Nachricht des Universums, die mir helfen soll, loszulassen und positiv in die Zukunft zu schauen?

Man könnte es fast denken.

Egal, ich finde sie so schön, dass ich sie mit euch teilen möchte. Möge der eine oder andere an einen Menschen denken, den er verloren hat.

Am Sonntag verlassen wir Paros auf dem Weg in unser neues Leben.

Und wenn die Erde eure Glieder fordert

Für meinen Vater, der gestern, am 05.07.2011, nach langem Leidensweg von uns ging:

Vom Tod
Dann sprach Almitra: Wir möchten nun nach dem Tod fragen.
Und er sagte:
Ihr möchtet das Geheimnis des Todes kennenlernen.
Aber wie werdet ihr es finden, wenn ihr es nicht im Herzen des Lebens sucht?
Die Eule, deren Nachtaugen am Tag blind sind, kann das Mysterium des Lichts nicht entschleiern.
Wenn ihr wirklich den Geist des Todes schauen wollt, öffnet eure Herzen weit dem Körper des Lebens.
Denn Leben und Tod sind eins, so wie der Fluss und das Meer eins sind.
In der Tiefe eurer Hoffnungen und Wünsche liegt euer stilles Wissen um das Jenseits.
Und wie Samen, der unter dem Schnee träumt, träumt euer Herz vom Frühling.
Traut den Träumen, denn in ihnen ist das Tor zur Ewigkeit verborgen.
Eure Angst vor dem Tod ist nichts als das Zittern des Hirten, wenn er vor dem König steht, der ihm zur Ehre die Hand auflegen wird.
Freut sich der Hirte unter seinem Zittern nicht, dass er das Zeichen des Königs tragen wird? Doch gewahrt er sein Zittern nicht viel mehr?
Denn was heißt sterben anderes, als nackt im Wind zu stehen und in der Sonne zu schmelzen?
Und was heißt nicht mehr zu atmen anderes, als den Atem von seinen rastlosen Gezeiten zu befreien, damit er emporsteigt und sich entfaltet und ungehindert Gott suchen kann?
Nur wenn ihr vom Fluss der Stille trinkt, werdet ihr wirklich singen.
Und wenn ihr den Gipfel des Berges erreicht habt, dann werdet ihr anfangen zu steigen.
Und wenn die Erde eure Glieder fordert, dann werdet ihr wahrhaft tanzen.
Khalil Gibran, arabischer Dichter (1883-1931)
Aus: Der Prophet

Vom Tod

Dann sprach Almitra:
Wir möchten nun nach dem Tod fragen.

Und er sagte:
Ihr möchtet das Geheimnis des Todes kennenlernen.

Aber wie werdet ihr es finden, wenn ihr es nicht im Herzen des Lebens sucht?

Die Eule, deren Nachtaugen am Tag blind sind, kann das Mysterium des Lichts nicht entschleiern.

Wenn ihr wirklich den Geist des Todes schauen wollt, öffnet eure Herzen weit dem Körper des Lebens.

Denn Leben und Tod sind eins, so wie der Fluss und das Meer eins sind.

In der Tiefe eurer Hoffnungen und Wünsche liegt euer stilles Wissen um das Jenseits.

Und wie Samen, der unter dem Schnee träumt, träumt euer Herz vom Frühling.

Traut den Träumen, denn in ihnen ist das Tor zur Ewigkeit verborgen.

Eure Angst vor dem Tod ist nichts als das Zittern des Hirten, wenn er vor dem König steht, der ihm zur Ehre die Hand auflegen wird.

Freut sich der Hirte unter seinem Zittern nicht, dass er das Zeichen des Königs tragen wird? Doch gewahrt er sein Zittern nicht viel mehr?

Denn was heißt sterben anderes, als nackt im Wind zu stehen und in der Sonne zu schmelzen?

Und was heißt nicht mehr zu atmen anderes, als den Atem von seinen rastlosen Gezeiten zu befreien, damit er emporsteigt und sich entfaltet und ungehindert Gott suchen kann?

Nur wenn ihr vom Fluss der Stille trinkt, werdet ihr wirklich singen.

Und wenn ihr den Gipfel des Berges erreicht habt, dann werdet ihr anfangen zu steigen.

Und wenn die Erde eure Glieder fordert, dann werdet ihr wahrhaft tanzen.

Khalil Gibran, arabischer Dichter (1883-1931)

Aus: Der Prophet