Aller Anfang ist schwer !

Na, so ganz überzeugend klinge ich heute natürlich nicht, wenn ich vom Anfang spreche. Dem Anfang von was? Ja, davon, den Blog zu neuem Leben zu erwecken. Lang, lang ist’s her, dass ich hier wirklich aktiv war. Im Mai, genau genommen. Warum? Nun ja, in erster Linie, weil es uns gut geht. Mir gut geht. Früher habe ich ja viel geschrieben, um etwas loszuwerden.

Selbstportrait

Durch das Schreiben, dadurch, dass ich etwas Abstand zu einem Thema gewinnen konnte, indem ich es aus einem humorvollen Blickwinkel beschrieben habe, habe ich viele Dinge verarbeiten und ertragen können. Und dann gibt es ja noch Facebook. Den Zeitfresser, da kann man mal eben schnell Fotos hochladen, schauen, wie es den anderen so geht, ein paar humorige Sätze mit Freunden wechseln, seine Stimmung in wenigen Worten in die Welt hinausposaunen. Kurzum: der Kontakt ist da, mit vielen, vielen lieben Freunden, mit der Außenwelt, mit dem Universum. Aber es sind ja nicht alle Freunde dort, und wie ihr ja wisst, ist das Schreiben eine meiner größten Leidenschaften, die auf Facebook definitiv zu kurz kommt, also habe ich mir vorgenommen, mich mal wieder um meinen Blog zu bemühen. Eine schöne Tradition, um die es schade wäre, wenn sie einschliefe. Finde ich.

Jetzt war ich nach einer Operation am Fuß gerade 2 Wochen krankgeschrieben und so hatte ich etwas Zeit, Muße und Ruhe – ich DURFTE ja auch den Hummeln in meinem Hintern nicht nachgeben – um mich damit zu befassen. Ich musste updaten, updaten, updaten, und das geht bekanntlich nur mit etwas Ruhe und vor allem ZEIT am Stück. Jetzt bin ich ein ganzes Stück weitergekommen und kann nun wieder posten – und auch wenn 1000e von Fotos mich hier quasi erschlagen haben, werde ich mich bemühen, auch sie mit euch zu teilen. So viele schöne Dinge haben wir im letzten Jahr erlebt und darum natürlich auch vieles fotografisch festgehalten. Ich kann ja bekanntlich nicht einen Schritt ohne Kamera gehen – was zu vielen lustigen Kommentaren führt wie “warum fotografierst du ‘jetzt’, oder je nachdem, wer fragt, ‘immer’ dein Essen?”.

Lecker FrühstückOder O-Ton Lydia: “Mama, musst du schon wieder den Sonnenuntergang fotografieren?” Ja, ich muss. Es tut mir Leid. Auch wenn wir nicht mehr in der Ägäis leben gibt es viele, sehr viele schöne Sonnenuntergänge, die die Mama fotografieren muss. Da kann man schon wieder dehnen, wie man möchte, da gibt es kein Pardon. So hat jeder so seine Süchte. Ich finde Fotografier- und Facebook-Sucht nicht so schlimm wie diverse andere. Ich könnte da ja jetzt weit ausholen, aber wer mich kennt weiß, auf was ich mich beziehe. Thema Sucht eben. Es könnte viel, viel schlimmer sein.

Unser See

Gewidmet einem lieben Menschen aus unserer Vergangenheit.

Aber zum Glück haben wir ja die unschönen Zeiten hinter uns gelassen und unser Fazit nach einem Jahr Deutschland ist:
es ist grandios! Wir lieben es. Ich habe es keine Sekunde lang bereut. Alles ist viel einfacher. Ich habe die Existenzängste hinter mir gelassen, den Behördenstress, die Angst, den Hubschrauber rufen zu müssen, wenn mein Kind auch nur annähernd danach aussah, als wenn es einen Arzt brauchte (mein Lieblingssatz von früher: “Lydia, denk dran, wir wollen jetzt nicht mit dem Hubschrauber nach Athen fliegen!” liegt mir zwar manchmal auf der Zunge, aber dann fällt mir ein, dass wir ja jetzt eine andere Infrastruktur zur Verfügung haben). Ich finde es immer noch total klasse, dass ich Wochenenden habe! Und Urlaub! Und Feiertage! Und die werden sogar bezahlt! Hammer!

Die berühmtberüchtigte Praxisgebühr von 10 Euro bezahle ich auch gern, daran denkend, dass meine Rückenschmerzen mit genau diesen plus 17 Euro für 5 Sitzungen Krankengymnastik “geheilt” wurden – wo ich mir in Griechenland doch fast den Magen kaputt gemacht habe durch monatelange Einnahme von 100er Voltarentabletten, die, zusammen mit teurer Physiotherapie (40 Euro pro Sitzung!), nur so viel brachten, dass ich mich bis mittags hinlegen musste, weil ich sonst nicht mehr laufen konnte. Und ich genieße den zivilisierten Umgang mit mir, dem Patienten. Wenn ich Leute hier nur meckern höre über “das Sch…gesundheitssystem” könnte ich mich vor Lachen so verschlucken, dass ich eben das in Anspruch nehmen müsste. Ihr habt ja gar keine Ahnung.

Lydia im Whirlpool

Lebenslust und Freude pur!

Aber das ist auch gut so, denn es macht das Leben viel, viel leichter. Ich bin locker, wenn etwas nicht klappt – habe ich mich doch in Griechenland jahrelang darauf programmiert, dass eigentlich nie etwas klappt und es sich nicht lohnt, sich aufzuregen -; aber meistens klappen die Dinge ja doch. Wenn in Griechenland ungefähr 9 von 10 Berserke im Straßenverkehr waren, dann ist es hier eben nur einer von 100, so stressfrei ist das Autofahren. Und Parken. Behördengänge sind stressfrei, absolut, hier in Oldenburg jedenfalls zieht man eine Nummer und kommt sofort dran. Ich wundere mich auch immer noch, dass sie dort freundlich sind und mir nicht jedesmal sagen, jetzt fehlt noch dieses oder jenes. Die Schule ist viel einfacher; in Lydias Klasse sind nur 13 Kinder, was ein Luxus, und sie sind dort viel behüteter. Die Hausaufgaben dürfen auch nur maximal 38 Minuten dauern.

Aber ich komm ins Schwafeln. Das muss nicht sein. Lieber mal ein paar Fotos suchen und Anekdoten dazu erzählen. Wir haben ja zum Beispiel einen wunderbaren Urlaub hinter uns – 2.300 km durch Deutschland gefahren, bin ja “autobahngeil”. In der Tat bekomme ich jedes Mal Hochgefühle, wenn ich auf die Autobahn fahre, und ich glaube, mein Fernweh wurde in 15 Jahren auf einer kleinen Insel so verdrängt, dass es jetzt umso mehr zutage kommt – Hummeln im Hintern ist kein Ausdruck für meinen “Zustand”.

Uns geht es gut :-)

Himmelsansichten

Nun wäre es ein wenig unrealistisch, wenn alles toll wäre; das nähme mir ja keiner ab. Also seien am Rande auch mal die unschönen Dinge erwähnt, aber wirklich nur am Rande und total unwichtig, eigentlich ;-). Traurig waren einige Trennungen von vermeintlichen “Freunden” – die aber offensichtlich mal wieder notwendig waren. Unsere Mitbewohnerin samt Tochter musste leider ausziehen und wir gehen unseren Weg weiter allein, und ein paar weitere “Freunde” mussten verabschiedet werden. Wer sich nicht weiter mit-entwickeln möchte oder meint, ich passe nicht mehr in sein Schema, der soll bitte wegbleiben und mich mein Leben so leben lassen, wie ich es möchte. So handhaben wir es immer, und es erstaunt mich doch immer wieder, wie sehr sich Menschen über das Leben eines anderen ereifern können, und wie oft es eigentlich nötig ist, “aufzuräumen”. Aber wir haben ja einige neue Freunde dazugewonnen sowie das Glück, viele alte Freundschaften weiter pflegen zu dürfen.

Ja, das Leben geht weiter, und das ist mal wieder der Beweis dafür, dass auch, wenn man manchmal meint, es ist zu düster, um es auszuhalten: es lohnt sich doch, dranzubleiben, am Leben :-).

Manche Fragen kann man nicht beantworten

So wie: warum treten mein verstorbener (Ex)freund und mein Vater in meinen Träumen immer im Doppelpack auf? Weil sie beide innerhalb weniger als eines Monats gestorben sind, oder weil es zwei wichtige Menschen in meinem Leben waren, die mich plötzlich zurückließen, mit vielen Fragen, die mich immer wieder überfallen, aber die ich nicht beantworten kann? Am Tage denke ich wenig an sie, an meinen Vater desöfteren, aber an Chris werde ich oft erinnert, weil ich ihn plötzlich auf der Straße “sehe”. Ich muss oft zweimal hinsehen und mich besinnen, dass er tot ist.

Oder: warum unterstellt mir jemand, Lydia sei in Deutschland nicht glücklich? Jemand, der Lydia vielleicht ein, maximal zweimal in seinem Leben überhaupt gesehen hat, und seit unserem Umzug nach Deutschland schon gar nicht. Wenn man mich fragt – die Fotos (momentan eigentlich nur auf Facebook) zeigen ein glückliches Kind. Aber ich könnte natürlich voreingenommen sein. Nichtsdestotrotz: was gäbe es für Alternativen? Das Kind zur Adoption freigeben? Es nach Griechenland schicken, wo es sein Dasein zwischen Autos und Zigaretten fristen würde? Mich selbst kasteien, weil ich das arme Kind entwurzelt habe? Was bringt uns das? Und welch seltsame Befriedigung bringt jemandem das, nochmal ne Runde reinzuhauen in Wunden, die allgemein bekannt sind: “Ich bin eine schlechte Mutter.” Genau. Natürlich plage ich mich damit, aber ich tue auch mein bestes. Ich konnte nicht mehr in Griechenland leben, und habe meiner Tochter sogar die Wahl gelassen, ob sie dort bleiben wollte (die Antwort war eindeutig). Ich muss mich nicht rechtfertigen, aber jeder, der mich einigermaßen kennt, wird wissen, dass ich mir die Entscheidung nicht leicht gemacht habe. Und ehrlich gesagt: ich wünschte, ich hätte es. Ich hätte schon viel, viel früher nach Deutschland zurückgehen sollen, wo ich einfach viel, viel glücklicher bin. Vieles wäre leichter gewesen.

Das neue Leben in Deutschland geht seinen Gang und begeistert mich nach wie vor. Ich bin jeden Morgen glücklich, wenn ich wieder in Oldenburg aufwache – manchmal kann ich mein Glück gar nicht fassen. Zur Zeit ist Frühling und ich kriege nicht genug vom Singen der Vögel, dem Grün – ich liebe dieses grün überall – dem Geruch von gemähtem Rasen, Rhododendren, die blühen, Tulpen, Narzissen, und jetzt steht der Flieder kurz vor der Blüte, ich kann es nicht abwarten.

Seit meinem Beitrag “Never been closer” sind doch tatsächlich zwei Monate vergangen. Drei Wochen davon verbrachte ich in Griechenland, was für mein Empfinden einfach viel zu früh war. Aber ich “schlechte Mutter” wollte dem armen Kind so schnell wie möglich die Gelegenheit bieten, den Vater wiederzusehen. Mit allen meinen Sinnen habe ich mich gesträubt gegen diesen Urlaub in der Vergangenheit, ich wollte nicht hin, und siehe da, kaum war ich dort, raffte mich auch ein Virus ohnegleichen darnieder. Ich bin 10 Jahre schon nicht mehr so krank gewesen. Mit letzter Kraft schleppte ich mich zurück, schmuggelte das am Ende auch krank gewordene Kind noch ins Flugzeug (ich weiß, das tut man nicht!), und eben diese Krankheit war Anlass für o.g. Behauptung. Das Kind wollte Griechenland nicht verlassen, weil es  nicht in Deutschland sein will. Nun ja, siehe oben, Alternativvorschläge fehlen mir.

Ich denke mal, eine glückliche Mutter ist schon mal gar keine so schlechte Voraussetzung, im Gegensatz zu einer unglücklichen, die sich dauernd mit Existenzängsten plagen muss und nach 15 Jahren Null Bock hat auf Saisonarbeit und unterbezahlte Rezeptionsjobs. Der Besuch in Griechenland bestätigte mir, dass es die richtigste Entscheidung war, die ich treffen konnte – wenn ich auch weiß, dass richtig nicht richtiger als richtig sein kann, bevor mich jetzt jemand wegen des Superlativs korrigieren will. Athen, das ich nie so besonders schön fand, ist heruntergekommen. Überall Ruinen und Müll, nur die Ratten habe ich nicht gesehen – genau genommen wirkte es auf mich, wie ich mir Kairo vorstelle. Paros war – vielleicht lag es an der Jahreszeit oder an meinem Fieber, wer weiß – trostlos. Viel weniger Autos als sonst verkehrten. Oder habe ich mir das nur eingebildet? Der Wind machte mich fertig. Der geflügelte Satz des Urlaubs war, ganz griechischer Besserwisser: “erlaube mir, meine eigene Meinung zu haben, und du weißt, ich habe eine objektive Meinung”. Genau, fuck you. Was zum Teufel ist eine objektive Meinung? Wenn du meine Meinung nicht hören willst, warum fragst du mich dann? Natürlich haben wir die übliche griechische Gastfreundschaft erlebt, daran hat auch die Krise nichts geändert. Dennoch, für mich war es einfach viel zu früh.

Ich muss mir noch ein dickeres Fell zulegen. Ich ertrage viel, aber mit zunehmendem Alter scheint er zu bröckeln, mein Selbstschutz.

So entlasse ich euch mit diesen melancholischen Gedanken ins Wochenende. Aber macht euch keine Sorgen – es geht uns gut!

Danke

Wie jedes Jahr ist es mir an Silvester wichtig, auszumisten und mit weniger Müll sowie positiven Gedanken ins neue Jahr zu gehen. Menschen, die nicht mehr dazugehören werden genauso gestrichen wie alte Kleider weggeworfen. Altpapier, Müll, Altglas, alles raus aus dem Haus, symbolisch möchte ich einfach nicht mit Altlasten ins neue Jahr gehen.

Ob es hilft ist natürlich eine andere Sache. Leider waren die letzten 2 Versuche diesbezüglich nicht so erfolgreich. 2010 und 2011 waren, gelinde gesagt, nicht besonders prickelnd, so dass ich jetzt etwas skeptisch bin, und da ich ja von je her ungern Silvester gefeiert habe, heute nicht besonders glücklich ob der Tatsache, dass eben Silvester ist. Und ich fröhlich sein muss und anstoßen. Auf was eigentlich? Dass das vergangene Jahr vorbei ist? Ok, gern. Aber aufs neue Jahr? Da kann ich doch noch nicht drauf anstoßen, weil ich noch nicht weiß, wie es wird. Aber wie sagt Biggie so schön und weise in ihrem jungen Alter, eigentlich hat man ja jeden Tag die Gelegenheit für einen Neuanfang und für gute Vorsätze und Ausmisten. Na ja so ungefähr jedenfalls habe ich es aufgefasst. So gesehen hätte ich eigentlich im August Silvester feiern sollen, denn da wendete sich das Glück für mich – und es wurde stetig besser statt schlechter.

Wahrscheinlich seit längerer Zeit, als ich zugeben möchte, spukte der Satz „etwas muss sich ändern“ in meinem Kopf herum. Und eines Tages beschloss ich, als diese Tatsache einfach nicht mehr zu übersehen war, das Universum anzurufen und um Zeichen zu bitten. Die Zeichen kamen, und wie. Meine Facebook-Freund waren dabei.

Die letzten 3 Monate waren definitiv die besten seit langem. In Deutschland fühle ich mich wohl, wir haben Spaß, die Fluten in Form von Alpträumen haben so gut wie aufgehört, und ich kann zuversichtlich, wenn auch mit einem weinenden Auge, ins neue Jahr gehen. Wie sagt Khalil Gibran so treffend,

(…)
“Je tiefer sich das Leid in euer Sein eingräbt, desto mehr Freude könnt ihr fassen.”
(…)

Ja, und viele andere schöne Worte hat er von sich gegeben, aber ich will mich jetzt mal auf mein eigentliches Anliegen konzentrieren. Er hat tatsächlich Recht. Die beiden Dinge liegen direkt beieinander. Nur wer mich gut kennt, weiß, dass hinter dem Lachen auch ganz viel Trauer steckt, hinter dem Humor ganz viel Schmerz. Aber das wird wohl noch eine ganze Weile so bleiben, und irgendwie ist es ja auch schön, denn so sind die geliebten Menschen nicht ganz weg.

Aber was ich jetzt eigentlich sagen wollte ist, Danke.

Nun werde ich sicher den einen oder anderen vergessen aufzuzählen, denn ich bin mit zahlreichen tollen Menschen in meinem Leben gesegnet, und ich säße bestimmt noch nächstes Jahr daran, wenn ich wirklich ALLE erwähnen wollte. Und das wäre ein Unterfangen, mit dem ich dann gar nicht erst anfangen würde.

Also, bitte nicht böse sein, wenn ich jemanden „vergessen“ haben sollte…

Mein ganz besonderer Dank gilt

  • dem Universum, das viele ganz besondere „Zufälle“ zur rechten Zeit vorbei geschickt hat;
  • Frank und Petra, die zur rechten Zeit am rechten Ort Urlaub machten, so dass ich bereits einen neuen Arbeitgeber hatte, bevor ich überhaupt entschieden hatte, in welche Stadt ich (zurück)ziehe. Es ist schon erstaunlich, wie so manche Begegnungen mit Menschen die ganze Zukunft beeinflussen können – und wer weiß, wie es so weitergeht, hier in Oldenburg, unserer neuen Zufallswahlheimat;
  • Gaby, die mir immer in akuten Notfallsituationen hilft und mich bei dem schwersten Gang meines Lebens begleitet hat – nämlich mich für immer von meinem Vater zu verabschieden, ein paar Wochen bevor er starb und wir noch nicht entschieden hatten, Griechenland ganz zu verlassen – nach wie vor kann ich dieses nicht ohne Tränen schreiben;
  • Kirsi und Martin, die mir zwar überrascht aber spontan und hilfsbereit zur Seite standen bei Haus- und Autoangelegenheiten, als ich im August durch Deutschland rauschte und so viel in kurzer Zeit organisieren musste, um in „ihre“ Stadt zu ziehen;
  • meiner Mutter, die schon weiß, warum;
  • Martina Kempff, die mir seit Jahren immer mit Rat und Tat und sowie positiver Unterstützung zur Seite steht, egal, wie ich mich entscheide, und ihrem Mann Michael;
  • Biggie, die aus ihrer Sicht sicher am unrechten Ort zur falschen Zeit Urlaub machte, aber mir die wohl schwerste Zeit meines Lebens durchzustehen half, und die mich immer so schön zum Lachen bringt;

– Und nun wird es chaotisch und hat eigentlich keine Reihenfolge mehr, weil mir die Menschen an meiner Seite schneller einfallen, als ich tippen kann -;

  • Kate, meiner Herzensschwester, die mich bei sich wohnen ließ, meine Hunde beherbergte und uns unsere letzte Katze abnahm, die wir nicht mitnehmen konnten, und der ich noch einiges andere zu verdanken habe – Kate you know what I have to thank you for, and only you know how much I miss you! –
  • Kay, der mir auf seine Weise in schweren Stunden zur Seite stand, und der sich auch für den einen oder anderen Hinterntritt nicht zu schade war;
  • Ilka Seidel, die als langjährige Freundin und meine „Versicherungstante“ den Überblick behielt und mir viele Dinge erheblich erleichterte;
  • Delia und Herry, die fast meine gesamte Habe in ihrem großen Wagen nach Deutschland mitgenommen und eine Weile gelagert haben, so dass ich nicht komplett neu anfangen musste,
  • Peter, Jacob, Dagmar & Eltern, Norbert und Kate, die mir mit tatkräftiger Umzugshilfe beigestanden haben (O-Ton Peter „denk dran, das musst du alles neu kaufen, wenn du es nicht mitnimmst”), sowohl in Griechenland als auch in Deutschland;
  • Petra Guckelsberger, mit der ich noch vor meiner Zeit in Griechenland schöne, verrückte und lustige Reisen nach Südfrankreich unternommen habe, und die spontan entschied, uns für unsere letzte Abschiedsfahrt nach Griechenland zu begleiten, und der wir für immer dankbar dafür sein werden (und die unsere „Arche Noah“ in die Fahrt mit „Hund, Katze, Maus“ umtaufte);
  • Silvia und Jürgen, die mir immer ganz besonders zur Seite standen und mich positiv unterstützen, egal wie ich mich entscheide, und die mir halfen, mehrere meiner Katzen unterzubringen (wie sie mir in den ganzen Jahren, zumindest seit 2002, tierschutzmäßig unglaublich behilflich waren);
  • PcPete und Ulrike, Gillian, Orit und Kate, die wissen, in welch schweren Stunden sie mir, und nicht nur mir, ihre Unterstützung boten;
  • Petra Scheiblich, Kirsten Arkoulis, Michaela Shuku vielen Dank für eure Tipps, euren Rat und eure tatkräftige Hilfe, obwohl ich euch verließ – ich vermisse euch auch –;
  • Daniela de Matteis, die mir immer mit gutem Beispiel vorangeht – von dir habe ich gelernt, „geht nicht“ gibt’s nicht;
  • Lydias Vater, der uns keine Knüppel zwischen die Beine warf und seine Tochter ohne Querstellen in ein anderes Land ziehen ließ;
  • Eranie und Ela, Hannelore, Daniela Riess-Christou, Herbert Fittinghoff und Christine Bietz, Petra Be, die mich immer positiv unterstützen – mit Rat, Tat und Motivation, ebenso für euer Mitgefühl;
  • Renata und Vicky, unseren besonderen Freunden aus Paros, die sich zusammen mit uns auf das Abenteuer Deutschland eingelassen haben und uns jetzt  – in unserer WG – das Gefühl geben, eine richtige Familie zu sein, und die mit uns lachen bis zum Abwinken;
  • Unseren neuen Freunden und Nachbarn in Oldenburg, besonders Werner, Lynn, Wenke, Kerstin und Gabriela – natürlich auch wieder Frank und Petra – dass ihr uns das Gefühl gebt, willkommen zu sein – und Britta leider hatte ich noch keine Zeit für ein Treffen, ich hoffe, wir schaffen es sehr bald!
  • George Gritsis für immer tolle Unterstützung, guten geistigen Austausch und pragmatische Unterstützung in Sachen ich gegen (griechischen) Vermieter;
  • Meinen alten Freunden Gaby, Ilka Seidel, Ilona und Daniela Schaa, Holger – leider habe ich es noch nicht geschafft, mich bei allen zurückzumelden -, dass ihr uns wieder mit offenen Armen empfangen habt – es ist für mich der absolute Luxus, mich „mal eben“ mit euch treffen zu können –;
  • Ralf Dorschel für die immer positive, ehrliche und humorvolle Unterstützung, auch wenn ihm mal nicht gefällt, was ich so tue;
  • Susanne und Andreas Michels für eure Freundschaft, die sich einfach so im „real life“ fortsetzen ließ;
  • Sandra Wykhoff für viele aufbauende Worte;
  • Meinem Onkel Dieter und meinen Cousins sowohl in Deutschland als auch in England, die mich herzlich willkommen geheißen haben;
  • Elke Gillich, die mir in früheren Jahren viel beigebracht hat, das mir jetzt nützlich war, und die stets eine inspirierende Freundin ist;
  • Sowie „meine“ gesamte Facebook-Gemeinde und Blog-Leser, die mir sowohl mit konstruktiver Kritik als auch Tipps und Rat und Tat zur Seite stehen!

Und nun verließen sie ihn, ich muss mit den Kindern das Abendessen vorbereiten.

Aber nicht, ohne noch ein abschließendes Zitat, denn… was wäre mein Leben ohne Menschen?

‎”Some people go to priests; others to poetry; I to my friends.”  ~ Virginia Woolf

Wer ohne Sünde ist

Immer wieder interessant, das Leben :-)

Wie man plötzlich in eine Form gepresst wird, in der man vorher wahrscheinlich schon in den Augen mancher Mitmenschen war, ohne es zu wissen. Nun bricht man aus, wagt was neues, tut was unerwartetes, und plötzlich kommen sie von allen Seiten (und ich meine NICHT ausschließlich meinen Blog!).

“Hast du dir das auch gut überlegt?” (Nein, ich hab halt sonst nix besseres zu tun!)

“Deutschland hat nicht auf dich gewartet.” (Ach was?)

“Du wirst ohne Paros nicht leben können.” (Schon mal 15 Jahre auf einer Insel von ein paar Quadratkilometern zugebracht? Woher weißt du, was ich kann und nicht?)

“Wie kannst du nur deine Tiere alle abgeben.” (Wie habe ich das die ganzen letzten Jahre gemacht, mit den Viechern, die ich aus dem Müll gefischt und aufgepäppelt habe, aber nicht alle behalten konnte?)

Da sind die Missgünstigen, für die ich nur ein “Google-Ergebnis” bin, die aber erstaunlich genau Bescheid zu wissen meinen – und sehr schnell urteilen, zynisch, abwertend – das ist deren Problem, nicht meins, was kratzt mich das mehr als ne Kakerlake im Bad? Oder die Träumer, deren Hoffnungen ich jetzt vielleicht zunichte mache?

Immer wieder schön ist die überwältigende Menge an positivem Zuspruch, Hilfsangeboten, Tipps, Glauben an mich. Die, die einfach Anteil nehmen, und dennoch eine Meinung haben, die mir konstruktiv weiterhilft. Ich kann nur meinen gerührten, zutiefst schätzenden, 1000fachen Dank melden!

Aber letztendlich – entscheiden kann ich nur für mich, und für meine Tochter, nach bestem Wissen und Gewissen – wer hätte das gedacht. Wer mich kennt oder diesen Blog aufmerksam gelesen hat wird sicher sein, dass ich nicht leichtfertig entscheide. Da nützen auch dauernde Hinweise auf schlechtes Wetter in Deutschland nicht, na wenn das meine einzige Sorge wäre.

Es glaubt doch wohl hier niemand ernsthaft, dass ich “es” in Deutschland nicht auf die Reihe kriege, oder? Und wer doch, der soll mir das doch mal vormachen, 15 Jahre in Griechenland zu überleben – davon 6 Jahre allein, mit Kleinkind.

Nein, ich habe keine Angst. 15 Jahre Griechenland haben mich gestählt. Ich weiß, was für mich und mein Kind das beste ist. Und ich freue mich auf Deutschland. Ich freue mich auf Neues in meinem Leben, eine gute Schulbildung für meine Tochter, keine dauernde Angst vor einer Massenarmut, keine HIV-und Syphilis-Tests für einen Rezeptionsjob, und vieles, vieles mehr.

Ich habe auf die Zeichen gewartet und sie sind gekommen. Ich lasse alles passieren, wie es soll, und stress mich nicht. Wenn der erste Anlauf nichts wird, dann eben der nächste. Vorm Verhungern habe ich in unseren Breiten keine Angst.

Nun habe ich also bereits Arbeit gefunden (tut mir ja echt leid, Rainer!), die mich nach Oldenburg führt, also nix Bremen – aber irgendwie doch Bremen, da schön in der Nähe. Ein kompletter Neuanfang fühlt sich einfach richtig an.

(Wer mithelfen möchte: wir suchen jetzt in Oldenburg eine Wohnung, wo Tierhaltung erlaubt ist, da wir einen Hund und 2 Katzen behalten!).

Darum: Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.

Deutschland

Nun ist es soweit. Lydia und ich kehren nach Deutschland zurück, wobei man ja von Lydia nur sagen kann, sie ZIEHT nach Deutschland. Da ich mich in Bremen auskenne und mich noch glücklich schätzen kann, dort immer noch Freunde zu haben, und es eine sehr schöne Stadt ist, habe ich mich für Bremen entschieden.

Ein Dach über dem Kopf ist fürs erste schon gebongt, dann käme noch Schule organisieren und so weiter dazu. Falls jemand von euch Tipps hat – insbesondere was die Arbeitsuche betrifft – dann bitte melden ;-)

So dann geh ich mal weiter ausmisten…

Eine Unterhaltung mit Lydia am Bahnsteig

Gerade in meinen Notizen gefunden (November 2009 in Hannover). Soldaten warten auf den selben Zug wie wir.

L: Was sind die?
M: Soldaten.
L: Was machen die hier?
M: Die fahren zur Arbeit.
L: Ich hab Angst.
M: Warum?
L: Wollen die mich töten?
M: Nein, dich nicht.
L: Vielleicht die Tauben?
M: Guck mal, die haben doch gar keine Waffen dabei.
L: Die haben sie bestimmt in ihren Taschen.
M: Nein, glaube ich nicht. Vielleicht bei der Arbeit.
L: Was machen die denn bei der Arbeit?
M: Hmmm… üben.
L: Was üben?
M: …………………..MENSCHEN TÖTEN?

Kann mir jemand sagen, wie man einem Kind, das sich nicht verkackeiern lässt, erklärt, was ein Soldat bei der Arbeit macht?