Macht ja nix!

Ungefähr 3000 Kalorien reicher falle ich sehr bald nach einem wunderschönen, glücklich machenden Geburtstag ins Bett. Nachdem ich eben noch etwas bei Facebook schauen und antworten muss. Viele liebe Glückwünsche, und über jede einzelne habe ich mich gefreut. Ich werde nie wieder denken, die anderen merken es eh nicht, wenn ich mal nicht gratuliere. Man merkt es vielleicht nicht, wenn jemand NICHT schreibt, aber man freut sich doch über jeden einzelnen Glückwunsch, der gekommen ist.

“Ich bin jetzt fertig”, sagt das Kind. “Hmmm, hmmm, die Mama, noch schreibend.
“Ich habe auch meine Zähne geputzt”, sagt das Kind und die Mutter wieder: “Hmmm, hmmm.”
“Ich gehe jetzt in mein Zimmer und mache eine Kissenschlacht”, sagt das Kind.
Darauf die Mama: “Wie, jetzt so ganz allein?”
Da lacht das Kind. “Ich wollte nur wissen, ob du wieder “Hmmm, hmmm” sagst, oder ob du mir zuhörst.”
Kluges Kind. Heute Mittag hat es ja schon mit Gratulanten telefoniert, als ich noch nicht zurück von der Arbeit war. Sagt meine Freundin später zu mir: “Mit Lydia kann man schon richtige Gespräche führen. Wie mit Erwachsenen! Gratulation zu dem Kind!”
Später frage ich Lydia: “Worüber habt ihr eigentlich geredet?”
Da antwortet sie: “Na ja, worüber Erwachsene halt so reden!”
Warum ich mich dann weggeschmissen habe, hat sie dann allerdings nicht wirklich verstanden….

Aber zurück zum Geburtstag. “Macht ja nix”, meint das Kind tröstend heute Morgen im Badezimmer.
“Halbzeit? Hoffentlich noch nicht!”, denkt die Mama angesichts der furchteinflößenden Zahl 45.

Mit der noch furchteinflößenderen Zahl von mindestens 3000 zu mir genommenen Kalorien gehe ich jetzt allerdings schlafen – rundum glücklich ob eines gelungenen Tages mit vielen lieben und herzlichen Menschen in meinem Leben. Und einigen wunderschönen Geschenken, über die ich mich sehr gefreut habe.

Danke, liebes Universum

Manche Fragen kann man nicht beantworten

So wie: warum treten mein verstorbener (Ex)freund und mein Vater in meinen Träumen immer im Doppelpack auf? Weil sie beide innerhalb weniger als eines Monats gestorben sind, oder weil es zwei wichtige Menschen in meinem Leben waren, die mich plötzlich zurückließen, mit vielen Fragen, die mich immer wieder überfallen, aber die ich nicht beantworten kann? Am Tage denke ich wenig an sie, an meinen Vater desöfteren, aber an Chris werde ich oft erinnert, weil ich ihn plötzlich auf der Straße “sehe”. Ich muss oft zweimal hinsehen und mich besinnen, dass er tot ist.

Oder: warum unterstellt mir jemand, Lydia sei in Deutschland nicht glücklich? Jemand, der Lydia vielleicht ein, maximal zweimal in seinem Leben überhaupt gesehen hat, und seit unserem Umzug nach Deutschland schon gar nicht. Wenn man mich fragt – die Fotos (momentan eigentlich nur auf Facebook) zeigen ein glückliches Kind. Aber ich könnte natürlich voreingenommen sein. Nichtsdestotrotz: was gäbe es für Alternativen? Das Kind zur Adoption freigeben? Es nach Griechenland schicken, wo es sein Dasein zwischen Autos und Zigaretten fristen würde? Mich selbst kasteien, weil ich das arme Kind entwurzelt habe? Was bringt uns das? Und welch seltsame Befriedigung bringt jemandem das, nochmal ne Runde reinzuhauen in Wunden, die allgemein bekannt sind: “Ich bin eine schlechte Mutter.” Genau. Natürlich plage ich mich damit, aber ich tue auch mein bestes. Ich konnte nicht mehr in Griechenland leben, und habe meiner Tochter sogar die Wahl gelassen, ob sie dort bleiben wollte (die Antwort war eindeutig). Ich muss mich nicht rechtfertigen, aber jeder, der mich einigermaßen kennt, wird wissen, dass ich mir die Entscheidung nicht leicht gemacht habe. Und ehrlich gesagt: ich wünschte, ich hätte es. Ich hätte schon viel, viel früher nach Deutschland zurückgehen sollen, wo ich einfach viel, viel glücklicher bin. Vieles wäre leichter gewesen.

Das neue Leben in Deutschland geht seinen Gang und begeistert mich nach wie vor. Ich bin jeden Morgen glücklich, wenn ich wieder in Oldenburg aufwache – manchmal kann ich mein Glück gar nicht fassen. Zur Zeit ist Frühling und ich kriege nicht genug vom Singen der Vögel, dem Grün – ich liebe dieses grün überall – dem Geruch von gemähtem Rasen, Rhododendren, die blühen, Tulpen, Narzissen, und jetzt steht der Flieder kurz vor der Blüte, ich kann es nicht abwarten.

Seit meinem Beitrag “Never been closer” sind doch tatsächlich zwei Monate vergangen. Drei Wochen davon verbrachte ich in Griechenland, was für mein Empfinden einfach viel zu früh war. Aber ich “schlechte Mutter” wollte dem armen Kind so schnell wie möglich die Gelegenheit bieten, den Vater wiederzusehen. Mit allen meinen Sinnen habe ich mich gesträubt gegen diesen Urlaub in der Vergangenheit, ich wollte nicht hin, und siehe da, kaum war ich dort, raffte mich auch ein Virus ohnegleichen darnieder. Ich bin 10 Jahre schon nicht mehr so krank gewesen. Mit letzter Kraft schleppte ich mich zurück, schmuggelte das am Ende auch krank gewordene Kind noch ins Flugzeug (ich weiß, das tut man nicht!), und eben diese Krankheit war Anlass für o.g. Behauptung. Das Kind wollte Griechenland nicht verlassen, weil es  nicht in Deutschland sein will. Nun ja, siehe oben, Alternativvorschläge fehlen mir.

Ich denke mal, eine glückliche Mutter ist schon mal gar keine so schlechte Voraussetzung, im Gegensatz zu einer unglücklichen, die sich dauernd mit Existenzängsten plagen muss und nach 15 Jahren Null Bock hat auf Saisonarbeit und unterbezahlte Rezeptionsjobs. Der Besuch in Griechenland bestätigte mir, dass es die richtigste Entscheidung war, die ich treffen konnte – wenn ich auch weiß, dass richtig nicht richtiger als richtig sein kann, bevor mich jetzt jemand wegen des Superlativs korrigieren will. Athen, das ich nie so besonders schön fand, ist heruntergekommen. Überall Ruinen und Müll, nur die Ratten habe ich nicht gesehen – genau genommen wirkte es auf mich, wie ich mir Kairo vorstelle. Paros war – vielleicht lag es an der Jahreszeit oder an meinem Fieber, wer weiß – trostlos. Viel weniger Autos als sonst verkehrten. Oder habe ich mir das nur eingebildet? Der Wind machte mich fertig. Der geflügelte Satz des Urlaubs war, ganz griechischer Besserwisser: “erlaube mir, meine eigene Meinung zu haben, und du weißt, ich habe eine objektive Meinung”. Genau, fuck you. Was zum Teufel ist eine objektive Meinung? Wenn du meine Meinung nicht hören willst, warum fragst du mich dann? Natürlich haben wir die übliche griechische Gastfreundschaft erlebt, daran hat auch die Krise nichts geändert. Dennoch, für mich war es einfach viel zu früh.

Ich muss mir noch ein dickeres Fell zulegen. Ich ertrage viel, aber mit zunehmendem Alter scheint er zu bröckeln, mein Selbstschutz.

So entlasse ich euch mit diesen melancholischen Gedanken ins Wochenende. Aber macht euch keine Sorgen – es geht uns gut!

Danke

Wie jedes Jahr ist es mir an Silvester wichtig, auszumisten und mit weniger Müll sowie positiven Gedanken ins neue Jahr zu gehen. Menschen, die nicht mehr dazugehören werden genauso gestrichen wie alte Kleider weggeworfen. Altpapier, Müll, Altglas, alles raus aus dem Haus, symbolisch möchte ich einfach nicht mit Altlasten ins neue Jahr gehen.

Ob es hilft ist natürlich eine andere Sache. Leider waren die letzten 2 Versuche diesbezüglich nicht so erfolgreich. 2010 und 2011 waren, gelinde gesagt, nicht besonders prickelnd, so dass ich jetzt etwas skeptisch bin, und da ich ja von je her ungern Silvester gefeiert habe, heute nicht besonders glücklich ob der Tatsache, dass eben Silvester ist. Und ich fröhlich sein muss und anstoßen. Auf was eigentlich? Dass das vergangene Jahr vorbei ist? Ok, gern. Aber aufs neue Jahr? Da kann ich doch noch nicht drauf anstoßen, weil ich noch nicht weiß, wie es wird. Aber wie sagt Biggie so schön und weise in ihrem jungen Alter, eigentlich hat man ja jeden Tag die Gelegenheit für einen Neuanfang und für gute Vorsätze und Ausmisten. Na ja so ungefähr jedenfalls habe ich es aufgefasst. So gesehen hätte ich eigentlich im August Silvester feiern sollen, denn da wendete sich das Glück für mich – und es wurde stetig besser statt schlechter.

Wahrscheinlich seit längerer Zeit, als ich zugeben möchte, spukte der Satz „etwas muss sich ändern“ in meinem Kopf herum. Und eines Tages beschloss ich, als diese Tatsache einfach nicht mehr zu übersehen war, das Universum anzurufen und um Zeichen zu bitten. Die Zeichen kamen, und wie. Meine Facebook-Freund waren dabei.

Die letzten 3 Monate waren definitiv die besten seit langem. In Deutschland fühle ich mich wohl, wir haben Spaß, die Fluten in Form von Alpträumen haben so gut wie aufgehört, und ich kann zuversichtlich, wenn auch mit einem weinenden Auge, ins neue Jahr gehen. Wie sagt Khalil Gibran so treffend,

(…)
“Je tiefer sich das Leid in euer Sein eingräbt, desto mehr Freude könnt ihr fassen.”
(…)

Ja, und viele andere schöne Worte hat er von sich gegeben, aber ich will mich jetzt mal auf mein eigentliches Anliegen konzentrieren. Er hat tatsächlich Recht. Die beiden Dinge liegen direkt beieinander. Nur wer mich gut kennt, weiß, dass hinter dem Lachen auch ganz viel Trauer steckt, hinter dem Humor ganz viel Schmerz. Aber das wird wohl noch eine ganze Weile so bleiben, und irgendwie ist es ja auch schön, denn so sind die geliebten Menschen nicht ganz weg.

Aber was ich jetzt eigentlich sagen wollte ist, Danke.

Nun werde ich sicher den einen oder anderen vergessen aufzuzählen, denn ich bin mit zahlreichen tollen Menschen in meinem Leben gesegnet, und ich säße bestimmt noch nächstes Jahr daran, wenn ich wirklich ALLE erwähnen wollte. Und das wäre ein Unterfangen, mit dem ich dann gar nicht erst anfangen würde.

Also, bitte nicht böse sein, wenn ich jemanden „vergessen“ haben sollte…

Mein ganz besonderer Dank gilt

  • dem Universum, das viele ganz besondere „Zufälle“ zur rechten Zeit vorbei geschickt hat;
  • Frank und Petra, die zur rechten Zeit am rechten Ort Urlaub machten, so dass ich bereits einen neuen Arbeitgeber hatte, bevor ich überhaupt entschieden hatte, in welche Stadt ich (zurück)ziehe. Es ist schon erstaunlich, wie so manche Begegnungen mit Menschen die ganze Zukunft beeinflussen können – und wer weiß, wie es so weitergeht, hier in Oldenburg, unserer neuen Zufallswahlheimat;
  • Gaby, die mir immer in akuten Notfallsituationen hilft und mich bei dem schwersten Gang meines Lebens begleitet hat – nämlich mich für immer von meinem Vater zu verabschieden, ein paar Wochen bevor er starb und wir noch nicht entschieden hatten, Griechenland ganz zu verlassen – nach wie vor kann ich dieses nicht ohne Tränen schreiben;
  • Kirsi und Martin, die mir zwar überrascht aber spontan und hilfsbereit zur Seite standen bei Haus- und Autoangelegenheiten, als ich im August durch Deutschland rauschte und so viel in kurzer Zeit organisieren musste, um in „ihre“ Stadt zu ziehen;
  • meiner Mutter, die schon weiß, warum;
  • Martina Kempff, die mir seit Jahren immer mit Rat und Tat und sowie positiver Unterstützung zur Seite steht, egal, wie ich mich entscheide, und ihrem Mann Michael;
  • Biggie, die aus ihrer Sicht sicher am unrechten Ort zur falschen Zeit Urlaub machte, aber mir die wohl schwerste Zeit meines Lebens durchzustehen half, und die mich immer so schön zum Lachen bringt;

– Und nun wird es chaotisch und hat eigentlich keine Reihenfolge mehr, weil mir die Menschen an meiner Seite schneller einfallen, als ich tippen kann -;

  • Kate, meiner Herzensschwester, die mich bei sich wohnen ließ, meine Hunde beherbergte und uns unsere letzte Katze abnahm, die wir nicht mitnehmen konnten, und der ich noch einiges andere zu verdanken habe – Kate you know what I have to thank you for, and only you know how much I miss you! –
  • Kay, der mir auf seine Weise in schweren Stunden zur Seite stand, und der sich auch für den einen oder anderen Hinterntritt nicht zu schade war;
  • Ilka Seidel, die als langjährige Freundin und meine „Versicherungstante“ den Überblick behielt und mir viele Dinge erheblich erleichterte;
  • Delia und Herry, die fast meine gesamte Habe in ihrem großen Wagen nach Deutschland mitgenommen und eine Weile gelagert haben, so dass ich nicht komplett neu anfangen musste,
  • Peter, Jacob, Dagmar & Eltern, Norbert und Kate, die mir mit tatkräftiger Umzugshilfe beigestanden haben (O-Ton Peter „denk dran, das musst du alles neu kaufen, wenn du es nicht mitnimmst”), sowohl in Griechenland als auch in Deutschland;
  • Petra Guckelsberger, mit der ich noch vor meiner Zeit in Griechenland schöne, verrückte und lustige Reisen nach Südfrankreich unternommen habe, und die spontan entschied, uns für unsere letzte Abschiedsfahrt nach Griechenland zu begleiten, und der wir für immer dankbar dafür sein werden (und die unsere „Arche Noah“ in die Fahrt mit „Hund, Katze, Maus“ umtaufte);
  • Silvia und Jürgen, die mir immer ganz besonders zur Seite standen und mich positiv unterstützen, egal wie ich mich entscheide, und die mir halfen, mehrere meiner Katzen unterzubringen (wie sie mir in den ganzen Jahren, zumindest seit 2002, tierschutzmäßig unglaublich behilflich waren);
  • PcPete und Ulrike, Gillian, Orit und Kate, die wissen, in welch schweren Stunden sie mir, und nicht nur mir, ihre Unterstützung boten;
  • Petra Scheiblich, Kirsten Arkoulis, Michaela Shuku vielen Dank für eure Tipps, euren Rat und eure tatkräftige Hilfe, obwohl ich euch verließ – ich vermisse euch auch –;
  • Daniela de Matteis, die mir immer mit gutem Beispiel vorangeht – von dir habe ich gelernt, „geht nicht“ gibt’s nicht;
  • Lydias Vater, der uns keine Knüppel zwischen die Beine warf und seine Tochter ohne Querstellen in ein anderes Land ziehen ließ;
  • Eranie und Ela, Hannelore, Daniela Riess-Christou, Herbert Fittinghoff und Christine Bietz, Petra Be, die mich immer positiv unterstützen – mit Rat, Tat und Motivation, ebenso für euer Mitgefühl;
  • Renata und Vicky, unseren besonderen Freunden aus Paros, die sich zusammen mit uns auf das Abenteuer Deutschland eingelassen haben und uns jetzt  – in unserer WG – das Gefühl geben, eine richtige Familie zu sein, und die mit uns lachen bis zum Abwinken;
  • Unseren neuen Freunden und Nachbarn in Oldenburg, besonders Werner, Lynn, Wenke, Kerstin und Gabriela – natürlich auch wieder Frank und Petra – dass ihr uns das Gefühl gebt, willkommen zu sein – und Britta leider hatte ich noch keine Zeit für ein Treffen, ich hoffe, wir schaffen es sehr bald!
  • George Gritsis für immer tolle Unterstützung, guten geistigen Austausch und pragmatische Unterstützung in Sachen ich gegen (griechischen) Vermieter;
  • Meinen alten Freunden Gaby, Ilka Seidel, Ilona und Daniela Schaa, Holger – leider habe ich es noch nicht geschafft, mich bei allen zurückzumelden -, dass ihr uns wieder mit offenen Armen empfangen habt – es ist für mich der absolute Luxus, mich „mal eben“ mit euch treffen zu können –;
  • Ralf Dorschel für die immer positive, ehrliche und humorvolle Unterstützung, auch wenn ihm mal nicht gefällt, was ich so tue;
  • Susanne und Andreas Michels für eure Freundschaft, die sich einfach so im „real life“ fortsetzen ließ;
  • Sandra Wykhoff für viele aufbauende Worte;
  • Meinem Onkel Dieter und meinen Cousins sowohl in Deutschland als auch in England, die mich herzlich willkommen geheißen haben;
  • Elke Gillich, die mir in früheren Jahren viel beigebracht hat, das mir jetzt nützlich war, und die stets eine inspirierende Freundin ist;
  • Sowie „meine“ gesamte Facebook-Gemeinde und Blog-Leser, die mir sowohl mit konstruktiver Kritik als auch Tipps und Rat und Tat zur Seite stehen!

Und nun verließen sie ihn, ich muss mit den Kindern das Abendessen vorbereiten.

Aber nicht, ohne noch ein abschließendes Zitat, denn… was wäre mein Leben ohne Menschen?

‎”Some people go to priests; others to poetry; I to my friends.”  ~ Virginia Woolf

All is well

Call me by my old familiar name.
Speak to me in the easy way
which you always used.
Put no difference in your tone.
Wear no forced air of solemnity or sorrow.
Laugh as we always laughed
at the little jokes we enjoyed together.
Play, smile, think of me, pray for me.
Let my name be ever the household word
that it always was.
Let it be spoken without affect,
without the trace of a shadow on it.
Life means all that it ever meant.
It is the same that it ever was.
There is absolutely unbroken continuity.
Why should I be out of mind
because I am out of sight?
I am waiting for you,
for an interval,
somewhere very near,
just around the corner.
All is well.

“Death is nothing at all.

I have only slipped away into the next room.

I am I and you are you.

Whatever we were to each other,

that we still are.

Call me by my old familiar name.

Speak to me in the easy way

which you always used.

Put no difference in your tone.

Wear no forced air of solemnity or sorrow.

Laugh as we always laughed

at the little jokes we enjoyed together.

Play, smile, think of me, pray for me.

Let my name be ever the household word

that it always was.

Let it be spoken without affect,

without the trace of a shadow on it.

Life means all that it ever meant.

It is the same that it ever was.

There is absolutely unbroken continuity.

Why should I be out of mind

because I am out of sight?

I am waiting for you,

for an interval,

somewhere very near,

just around the corner.

All is well.”

 

(by Henry Scott Holland (1847-1918)Canon of St. Paul’s Cathedral)

Diese schönen Worte erreichten mich heute in der Kondolenzkarte für Chris († 01.08.2011).

Obwohl ich den ganzen Vormittag brauchte, um sie zu Ende zu lesen, finde ich sie wunderschön.

Ist es Zufall, dass ich ausgerechnet bei meinem letzten Gang zu meinem griechischen Postfach diese Karte vorfand? Ist es eine Nachricht des Universums, die mir helfen soll, loszulassen und positiv in die Zukunft zu schauen?

Man könnte es fast denken.

Egal, ich finde sie so schön, dass ich sie mit euch teilen möchte. Möge der eine oder andere an einen Menschen denken, den er verloren hat.

Am Sonntag verlassen wir Paros auf dem Weg in unser neues Leben.

Worte, die es nicht gibt

Nein, Worte gibt es nicht, die beschrieben können, wie ich mich fühle. Wenn ich mich überhaupt irgendwie fühle, denn ich bin am Rotieren, ich versuche das Unmögliche zu schaffen und innerhalb von nur wenigen Wochen – am liebsten wären mir sogar Tage -, meinen kompletten Haushalt, unser komplettes Leben, von einem Land ins andere zu verlegen. Das Leben auf den Kopf stellen, den Gefühlen davonlaufen, aber natürlich ist mir klar, dass sie mich irgendwann einholen.

Ab und zu schaffen sie es auch. Es ist unglaublich, wie viele Erinnerungen man mit sich herumträgt, wenn man 5 Jahre seines Lebens mit jemandem zusammen war. Jeder Löffel, eine Szene im Fernsehen, ein Bild, eine Situation, Komik, die dem anderen gefallen hätte, tausendmal am Tag gibt es Momente, die einen erinnern. An die Person, die nicht mehr da ist. Die Person, die ein lieber Mensch war, aber leider, wie 9 von 10, den Kampf dem Alkoholismus verloren hat. Überhaupt gar nicht erst aufnehmen konnte. Sucht tötet, und ich weiß jetzt wie. Alkohol ist allgegenwärtig, und hast du das Pech, Alkoholiker zu sein, kann ich mir sehr gut vorstellen, wie schwer es sein muss, zu gewinnen. Alkohol ist überall. Allein am Flughafen, als ich kürzlich mit Lydia anstand, um nach Frankfurt zu fliegen, war Jack-Daniels-Werbung am Bildschirm der Airline. Höhnisch, kam es mir vor, strahlten mich diese Buchstaben an. Warum? Jack Daniels schaute auf mich herab und ich fragte mich, welche Kraft ist hier am Werk, dass sie Menschen so zerstören kann? Wieso werden manche Menschen zu Alkoholikern, und manche nicht? Wieso schaffen es manche, trocken zu werden und zu bleiben, und manche nicht? Wann werden die Erinnerungen schwächer werden, wann wird die Trauer mich nicht mehr einkreisen und zuschlagen, wenn ich gerade nicht damit rechne?

Aber ich erwarte zuviel. Wenn ein Mensch gestorben ist, oder gar zwei, kann man nicht erwarten, dass es einem gleich wieder gut geht. So muss man weitermachen, und stark sein, wie immer. Und sich dem stellen, wenn es zuschlägt. Noch eine Runde und noch eine, macht nix, Unkraut vergeht nicht, und je mehr ich erlebe, desto stärker, weiß ich, bin ich. Und trotzdem, erfahre ich, liegen Freud und Leid dicht beieinander. Man kann auch fröhlich sein, und genießen. Trotzdem. Wie sagt Khalil Gibran so schön, der alles in wunderschöne Worte zu fassen verstand:

“Je tiefer sich das Leid in euer Sein eingräbt, desto mehr Freude könnt ihr fassen.”

Und wenn die Erde eure Glieder fordert

Für meinen Vater, der gestern, am 05.07.2011, nach langem Leidensweg von uns ging:

Vom Tod
Dann sprach Almitra: Wir möchten nun nach dem Tod fragen.
Und er sagte:
Ihr möchtet das Geheimnis des Todes kennenlernen.
Aber wie werdet ihr es finden, wenn ihr es nicht im Herzen des Lebens sucht?
Die Eule, deren Nachtaugen am Tag blind sind, kann das Mysterium des Lichts nicht entschleiern.
Wenn ihr wirklich den Geist des Todes schauen wollt, öffnet eure Herzen weit dem Körper des Lebens.
Denn Leben und Tod sind eins, so wie der Fluss und das Meer eins sind.
In der Tiefe eurer Hoffnungen und Wünsche liegt euer stilles Wissen um das Jenseits.
Und wie Samen, der unter dem Schnee träumt, träumt euer Herz vom Frühling.
Traut den Träumen, denn in ihnen ist das Tor zur Ewigkeit verborgen.
Eure Angst vor dem Tod ist nichts als das Zittern des Hirten, wenn er vor dem König steht, der ihm zur Ehre die Hand auflegen wird.
Freut sich der Hirte unter seinem Zittern nicht, dass er das Zeichen des Königs tragen wird? Doch gewahrt er sein Zittern nicht viel mehr?
Denn was heißt sterben anderes, als nackt im Wind zu stehen und in der Sonne zu schmelzen?
Und was heißt nicht mehr zu atmen anderes, als den Atem von seinen rastlosen Gezeiten zu befreien, damit er emporsteigt und sich entfaltet und ungehindert Gott suchen kann?
Nur wenn ihr vom Fluss der Stille trinkt, werdet ihr wirklich singen.
Und wenn ihr den Gipfel des Berges erreicht habt, dann werdet ihr anfangen zu steigen.
Und wenn die Erde eure Glieder fordert, dann werdet ihr wahrhaft tanzen.
Khalil Gibran, arabischer Dichter (1883-1931)
Aus: Der Prophet

Vom Tod

Dann sprach Almitra:
Wir möchten nun nach dem Tod fragen.

Und er sagte:
Ihr möchtet das Geheimnis des Todes kennenlernen.

Aber wie werdet ihr es finden, wenn ihr es nicht im Herzen des Lebens sucht?

Die Eule, deren Nachtaugen am Tag blind sind, kann das Mysterium des Lichts nicht entschleiern.

Wenn ihr wirklich den Geist des Todes schauen wollt, öffnet eure Herzen weit dem Körper des Lebens.

Denn Leben und Tod sind eins, so wie der Fluss und das Meer eins sind.

In der Tiefe eurer Hoffnungen und Wünsche liegt euer stilles Wissen um das Jenseits.

Und wie Samen, der unter dem Schnee träumt, träumt euer Herz vom Frühling.

Traut den Träumen, denn in ihnen ist das Tor zur Ewigkeit verborgen.

Eure Angst vor dem Tod ist nichts als das Zittern des Hirten, wenn er vor dem König steht, der ihm zur Ehre die Hand auflegen wird.

Freut sich der Hirte unter seinem Zittern nicht, dass er das Zeichen des Königs tragen wird? Doch gewahrt er sein Zittern nicht viel mehr?

Denn was heißt sterben anderes, als nackt im Wind zu stehen und in der Sonne zu schmelzen?

Und was heißt nicht mehr zu atmen anderes, als den Atem von seinen rastlosen Gezeiten zu befreien, damit er emporsteigt und sich entfaltet und ungehindert Gott suchen kann?

Nur wenn ihr vom Fluss der Stille trinkt, werdet ihr wirklich singen.

Und wenn ihr den Gipfel des Berges erreicht habt, dann werdet ihr anfangen zu steigen.

Und wenn die Erde eure Glieder fordert, dann werdet ihr wahrhaft tanzen.

Khalil Gibran, arabischer Dichter (1883-1931)

Aus: Der Prophet

Sonntag oder: “ich bin nützlich”

Endlich mal ein Sonntag, nach langer Zeit, an dem ich nichts zu tun habe. Natürlich, die Liste ist lang und ich hätte eigentlich unendlich viele Dinge zu tun, aber ich möchte mal einen Tag “anhalten”. Versuchen, zur Ruhe zu kommen und mich meinen Dämonen zu stellen. Mal ein Tag ohne Müssen.
Ich muss heute nicht bei einem Umzug helfen, keine Kinder hüten, Hunde ausführen, Katzen zum Tierarzt fahren oder Elektriker empfangen, Wohnungsverwaltungsjobs ausführen, für die ich nicht bezahlt werde, oder irgend eins der vielen anderen Dinge tun, um die ich gebeten werde, oder für die ich mich anbiete, ich muss nicht mal auf mein eigenes Kind aufpassen, denn das ist woanders, sondern ich kann mich entspannen. Aber geht das?
Ich versuche es, vielleicht, nachdem ich mich meinen übelsten Ängsten gestellt habe. Vielleicht geht es dann irgendwie weiter. Ich habe so viele Fotos, die ich veröffentlichen könnte oder wollte. Ich möchte gern Geschichten erzählen, Anekdoten, die schon wieder in Vergessenheit geraten. Vielleicht von den vielen Dingen erzählen, die ich für andere tue. Mein zweiter Vorname ist “nützlich”. Manchmal schmeichelhaft, aber oft weiß ich einfach nicht, wie ich Nein sagen soll.
Auf jeden Fall sage ich heute nein zu den Staubmäusen und werde ihnen fröhlich zuwinken, wenn sie an mir vorbeiziehen. Sollen sie mir doch den Buckel runterrutschen oder am Allerwertesten vorbei gehen, wie so vieles andere auch. Vielleicht lese ich auch ein Bisschen, ich habe so viele schöne Bücher, da weiß ich gar nicht, was ich zuerst lesen soll. Die 3 Seiten vorm Einschlafen am Abend reichen einfach nicht, mein Lesehunger ist damit nicht gestillt.
Aber um euch zumindest etwas zu unterhalten füge ich hier mal eine Liste der Dinge ein, die ich in den letzten Monaten erfolgreich unternommen habe:
* Wohnungen für andere auflösen, die Sachen stauen und zur bei der Polizei melden, welche vom Vermieter gestohlen wurden
* Haus zur Miete finden, Waschmaschine, Spülmaschine und Kühlschrank inklusive
* Jobs finden (1 erfolgreich, 2 suchen noch)
* Liebhaber besorgen (siehe einen alten Blogbeitrag von mir)
* Poster drucken und aufhängen für den Tierschutz
* Katzenkäfige ausleihen (6)
* Streichsachen ausleihen
* Hundesitten (einmal 3 Wochen und einmal 9 Tage, beim 2. Mal hat der Hund meine Gardinen aufgefressen und auch sonst versucht alles zu zerstören)
* Laptop besorgen,
* Nummernschilder von Autos abschrauben (lassen) und per Post nachschicken
* Pakete annehmen (ca. 6 zwischen 17 und 40kg)
* Medikamente besorgen und nach Deutschland schicken (für Tierschutz)
* bei (kleinen) Computerproblemen helfen, zum beispiel Emails und Facebook für weniger computerbewanderte Freunde einrichten
* Möbel ausleihen oder besorgen
* im Hundeheim aushelfen
* Katzen zur Kastration bringen bzw. zum Einschläfern – unzählige
* Käfige dafür ausleihen
* Hunde in der Gegend versorgen und füttern
* Telefonrechnungen lesen und erklären
* Nachbarshäuser öffnen und Strom wieder anstellen für Nachbarn vom Nachbarn
* für meinen Vermieter ALLE Mieter 2er Objekte finden (sowas passiert praktisch nebenbei)
* Katzenfutterlieferung organisieren
* bei Motorradkauf helfen
* Mein Bankkonto für Überweisungen zur verfügung stellen
* Stromrechnungen verteilen
Das einzige, was ich noch nicht erfolgreich hinbekommen habe ist das hier:
* Meinen Friseur möchte einen Schäferhund (warum sagt er MIR das?). Aber einen jungen, nicht den, der sich im Tierheim befindet (der ist schon zu groß und unberechenbar).
Und ich habe bestimmt etwas vergessen!!! Euch allen wünsche ich einen schönen Restsonntag und ich bemühe mich, bald auch Fotos online zu stellen…

Endlich mal ein Sonntag, nach langer Zeit, an dem ich nichts zu tun habe. Natürlich, die Liste ist lang und ich hätte eigentlich unendlich viele Dinge zu tun, aber ich möchte mal einen Tag “anhalten”. Versuchen, zur Ruhe zu kommen und mich meinen Dämonen zu stellen. Mal ein Tag ohne Müssen.

Ich muss heute nicht bei einem Umzug helfen, keine Kinder hüten, Hunde ausführen, Katzen zum Tierarzt fahren oder Elektriker empfangen, Wohnungsverwaltungsjobs ausführen, für die ich nicht bezahlt werde, oder irgend eins der vielen anderen Dinge tun, um die ich gebeten werde, oder für die ich mich anbiete, ich muss nicht mal auf mein eigenes Kind aufpassen, denn das ist woanders, sondern ich kann mich entspannen. Kann ich das?

Ich versuche es, vielleicht, nachdem ich mich meinen übelsten Ängsten gestellt habe. Vielleicht geht es dann irgendwie weiter. Ich habe so viele Fotos, die ich veröffentlichen könnte oder wollte. Ich möchte gern Geschichten erzählen, Anekdoten, die schon wieder in Vergessenheit geraten. Vielleicht von den vielen Dingen erzählen, die ich für andere tue. Mein zweiter Vorname ist “nützlich”. Manchmal schmeichelhaft, aber oft weiß ich einfach nicht, wie ich Nein sagen soll.

Auf jeden Fall sage ich heute nein zu den Staubmäusen und werde ihnen fröhlich zuwinken, wenn sie an mir vorbeiziehen. Sollen sie mir doch den Buckel runterrutschen oder am Allerwertesten vorbei gehen, wie so vieles andere auch. Vielleicht lese ich auch ein Bisschen, ich habe so viele schöne Bücher, da weiß ich gar nicht, was ich zuerst lesen soll. Die 3 Seiten vorm Einschlafen am Abend reichen einfach nicht, mein Lesehunger ist damit nicht gestillt.

Aber um euch zumindest etwas zu unterhalten füge ich hier mal eine Liste der Dinge ein, die ich in den letzten Monaten erfolgreich unternommen habe:

* Wohnungen für andere auflösen, die Sachen stauen und bei der Polizei melden, welche vom Vermieter gestohlen wurden

* Haus zur Miete finden, Waschmaschine, Spülmaschine und Kühlschrank inklusive

* bei diversen Umzügen helfen

* Jobs finden (1 erfolgreich, 2 suchen noch)

* Liebhaber besorgen (siehe einen alten Blogbeitrag von mir)

* Poster drucken und aufhängen für den Tierschutz

* Katzenkäfige ausleihen

* Streichsachen und Bohrmaschine ausleihen

* Hundesitten (einmal 3 Wochen und einmal 9 Tage, beim 2. Mal hat der Hund meine Gardinen aufgefressen und auch sonst versucht alles zu zerstören, ich war mit den Nerven am Ende!)

* Laptops besorgen,

* Nummernschilder von Autos abschrauben (lassen) und per Post nachschicken

* Pakete für Abwesende annehmen (ca. 6 zwischen 17 und 40 kg)

* Medikamente besorgen und nach Deutschland schicken (für Tierschutz)

* bei (kleinen) Computerproblemen helfen, zum beispiel Emails und Facebook für weniger computerbewanderte Freunde einrichten

* Möbel ausleihen oder besorgen

* im Hundeheim aushelfen

* Katzen zur Kastration bringen bzw. zum Einschläfern – unzählige :-(

* Hunde in der Gegend versorgen und füttern

* Telefonrechnungen lesen und erklären

* Nachbarshäuser öffnen und Strom wieder anstellen für Nachbarn vom Nachbarn

* für meinen Vermieter ALLEN Mietern 2er Objekte finden (sowas passiert praktisch nebenbei)

* Katzenfutterlieferungen für den Tierschutz organisieren

* bei Motorradkauf helfen

* Mein Bankkonto für Überweisungen zur Verfügung stellen

* Stromrechnungen verteilen

Das einzige, was ich noch nicht erfolgreich hinbekommen habe ist das hier:

* Mein Friseur möchte einen Schäferhund (warum sagt er MIR das?). Aber einen jungen, nicht den, der sich im Tierheim befindet (der ist schon zu groß und unberechenbar).

Und ich habe bestimmt etwas vergessen!!! Euch allen wünsche ich einen schönen Restsonntag und ich bemühe mich, bald auch Fotos online zu stellen…


Bitte was?!

Vorige Tage hat mir jemand gesagt, dass ich statt “häh” oder “wie” oder was es da sonst noch so gibt immer “bitte was” sage – und zwar “oft”. Mir dämmert jetzt auch langsam, warum ich das tue, denn wahrscheinlich klingt es selten dämlich, gefühlte 100.000 Mal pro Tag “häh” zu sagen, da mein Gedächtnis im Moment besorgniserregend zu wünschen übrig lässt. Ich hoffe nicht, dass es bereits erste Alterserscheinungen sind, sondern einfach nur am Vielbeschäftigtsein liegt.

Vor ein paar Tagen fahren wir morgens los, um Lydia zur Schule zu bringen, und normalerweise nehme ich die Hunde mit, damit wir danach am Strand spazieren gehen können. Dieses Mal fällt mir auf halbem Wege auf, dass irgendwas fehlt. Ich sage zu Lydia, sag mal, haben wir nicht irgendwas vergessen? Worauf sie sich totlacht und meint, besser, als wenn ich SIE vergessen hätte. Ja, das wäre WIRKLICH peinlich, wenn auch wahrscheinlich in ihrem Sinne gewesen!

Den nächsten Tag geht mein Freund mit den Hunden spazieren und als er wiederkommt, begegne ich Laila, als ich gerade aus dem Waschkeller komme. Oh Schreck, denke ich, ist mir die Laila entlaufen, habe ich sie vergessen, wo war sie, bei mir? Dann kommt Chris um die Ecke und mir dämmert, ach ja, sie war mit ihm spazieren. Kurz darauf verliere ich Lydia auf dem Weg zur Wohnung zurück, vom Waschkeller wohlgemerkt. Im Wohnzimmer angekommen frage ich “wo ist Lydia?”. Mein Freund mutmaßt, ich hätte sie vielleicht aus Versehen im Waschkeller eingesperrt, aber ich darf aufatmen: Lydia hatte sich im Garten versteckt ;-).

Gestern gehe ich zum Gemüseladen und in dem Moment, wo ich reingehe, entfallen mir die 2 Sachen, die ich nicht aufgeschrieben habe, weil, sind ja nur 2 Sachen, nicht. Der Händler schaut mich fragend an, ich schaue ihn fragend an. Ich sage, ich habe vergessen, was ich wollte. Aber zum Glück ist es mir ganz schnell wieder eingefallen. Süßkartoffeln und Koriander. Beides hatten sie nicht.

Aber ganz große Sorgen machte ich mir dann gestern, als ich in der Arztpraxis im Wartezimmer saß. Es kam ein Mann herein, der mich ganz freundlich grüßte und mir sehr bekannt vorkam, und ich dachte, Scheiße, wer ist das denn nun schon wieder? Es ratterte wahrscheinlich hörbar in meinem Kopf. Noch besorgter wurde ich, als er mich freundlich fragte, wie es mir ginge, sich dann auf die Waage stellte und mir mitteilte, er sei von 81 auf 77 kg runter gegangen – da dachte ich mir, verdammt, den MUSS ich doch kennen, wenn er  schon sein Gewicht mit mir teilt! Zum Glück sagte er kurz darauf etwas, woraus ich schließen konnte, und mich erinnern, wer er war – in der Tat hatte ich schon mit ihm zu tun gehabt, aber schon Jahre nicht mehr gesehen. Wie ist das überhaupt möglich auf so einer kleinen Insel?!

Dass ich irgend jemanden anrufe und sobald es klingelt vergesse, wen ich grad anrufe und warum, geschieht mir schon länger. Oder ich Auto fahre und mich plötzlich frage, warum Lydia nicht dabei ist und denke, ich habe sie irgendwo vergessen (was noch nicht passiert ist). Oder ich plötzlich nicht mehr weiß, wo ich eigentlich hin fahre. Aber ernsthaft Sorgen habe ich mir bis dato nicht gemacht. Sollte ich das vielleicht?

Morgenlicht…

Ich bin dankbar

Für meine Augen, die mir erlauben,
am Morgen die Schönheit der Kykladen
zu genießen:
die Sonnenstrahlen, die sich lieblich
durch die Feigenbäume brechen
und dem Oleander eine besondere Farbe verleihen
sowie die Inselketten am Horizont,
für die ich lebe;

Für meinen Geruchsinn,
der das ganze dreidimensional macht
und meine Ohren, die mich Musik hören lassen,
welche wiederum Gefühle auslöst,
die manchmal dunkel, aber auch schön sein können;

Und auch für meinen funktionierenden Körper,
der mir ein gesundes, schönes und lebendiges Kind
geschenkt hat
und mir gestattet,
den Alltag zu bewältigen,
sowie meinen Geist, mit dem ich lesen und schreiben kann
und meinen Humor,
an dem ich noch feilen könnte,
um mir manche Begegnungen zu erleichtern;

Und andere, die prickeln oder mir Freude bringen
und mich auffangen,
wenn ich unten bin,
aber ich wiederhole mich,
und so will ich mich auch
schon wieder von euch verabschieden,
und mich in einen neuen Tag stürzen,
der mir geschenkt wurde,
um im Hier und Jetzt
das Beste draus zu machen,
denn es könnte sich morgen
schon wieder alles geändert haben.

…denn schöner wirst du nie sein.