Moin!

Lang, lang ist’s her. “All is well” war quasi der Abschluss eines Lebens, zugleich eines Lebensabschnitts, und mit Moin eröffnen wir ein neues Kapitel.

Moin, oder moin moin also! Sie sagen es übrigens immer, überall, morgens-mittags-abends, zu jeder Gelegenheit und ich hatte anfangs ganz viel Mühe, Lydia zu erklären, dass sie eben nicht abends guten Morgen sagen, sondern dass es ein eigenständiges Wort ist. So wie die Griechen sich dauernd Gesundheit wünschen, mit der kleinen, aber feinen Begrüßungsformel “Γεια (σου oder σας)” – siehe Link – begrüßt man sich hierzulande mutmaßlich mit “schön”, zumindest nach Auffassung der Ostfriesen. Ich habe den Wikipedia-Link durchgelesen und bin geneigt, mich den Ostfriesen anzuschließen. Ich finde, das ist die schönste Erklärung. Da! Passt doch perfekt!

Apropos Ostfriesland, Boah ist das schön hier. Neulich haben Lydia und ich einen Ausflug ans Meer gemacht, ok es war nicht ganz das offene Meer, sondern der Jadebusen, aber es war Strand, es war schönes Wetter, es gab Sand, und Lydia hatte ganz viel Spaß. Sie hatte mir ja nicht glauben wollen, dass es nur 40 km von uns entfernt “ein Meer” gibt. Ok, der Sand – eher Schlick – war sicher gewöhnungsbedürftig, aber es war warm, obwohl Oktober, und es war schön. Hat sich “voll gelohnt” bestätigte auch Lydia. Und ich konnte mich nicht sattsehen. Ostfriesland ich komme! sicher nochmal wieder.

Apropos schön, neulich sind wir nach dem Besuch bei einem Baumarkt einfach mal links irgendwo abgebogen, direkt vor einem Fluss, ich weiß bis heute nicht genau, wo das war, aber es war Sonnenuntergang, und er war genau so farbenfroh und hat sich im Fluss gespiegelt wie im Meer vor Paros. Als ich Lydia fragte “na, ist das schön, oder ist das schön” antwortete sie nur mit “Mama, bist du blind oder was, hier ist ALLES SCHÖN”. Ok, Mama hält auch schon die Klappe!

Wir hatten ja ganz viel Glück mit dem Wetter, bis zum letzten Wochenende einschließlich, also Anfang Oktober, war es noch sommerlich warm. Eigentlich schien immer die Sonne, und auf dem Kramermarkt war mir viel zu heiß. Da dachte ich noch: nun bin ich den ganzen Weg nach Oldenburg gekommen, und mir ist immer noch zu heiß! Aber auch das ging vorbei, und nun ist es wüst draußen, stürmisch, regnerisch, und Lydia macht mich dauernd darauf aufmerksam, wie es draußen regnet. Ich muss aber feststellen: ich mag es. Man kann sich warm anziehen, und ich mochte schon immer die Elemente spüren. Und Regen habe ich nach Jahren der Dürre in Griechenland sowieso zu schätzen gelernt. Jeden Winteranfang habe ich gehofft: möge es BITTE BITTE genug regnen! Nun habe ich Regen satt, wer weiß, wann ich seiner überdrüssig werde? Wir werden es sehen, sicher werde ich es euch mitteilen.

Nicht mögen tun den Regen bereits jetzt unsere Hunde, ich muss sie quasi unfreiwillig rauszerren, und Lydia meinte schon, wir bräuchten ein Hundeklo. Wie praktisch sind dagegen Katzen, auch wenn es stinkt, bäh. Ich habe schon ernsthaft erwogen, Hunderegenjacken und -stiefel zu besorgen. Ob es sowas wohl gibt? Oder ob sie sich vielleicht noch daran gewöhnen? Auf jeden Fall werde ich, bevor ich sie in den ersten Schnee hinauslasse, mich vorher mit meiner Kamera auf die Lauer legen, um die Gesichtsausdrücke aufzunehmen, sowohl der Hunde als auch der Katzen! Das wird ein Spaß, und Lydia kann es sowieso nicht abwarten.

Ab und zu überkommen mich dann schon mal Fragen. Wenn meine fotografierenden Facebook-Freunde Wolkenbilder vor Sonnenuntergängen, oder Sonnenuntergänge hinter Inselketten ins Netz stellen (zum Beispiel der Cloud Appreciation Club – Greece), dann wundere ich mich plötzlich. Genau so surreal, wie ich mir manchmal in Griechenland vorkam, so nach dem Motto “was mache ich hier eigentlich, wie komme ich hier überhaupt her?”, überkommt es mich hier auch gelegentlich. Wie bin ich plötzlich nach Oldenburg gekommen? Warum? Wieso? Weshalb? Es ging ja alles so schnell, musste, dass ich im Grunde die ganze Zeit nicht realisierte, was ich tat. Aber, bevor einige von euch sich zu früh freuen, nein, frei nach Edit Piaf, je ne regrette rien. Weder das eine, noch das andere.

Ich weine Griechenland nicht nach, Inselketten hin oder her. Ich habe genug Inselketten vor dem Horizont fotografiert, dass es für ein Leben reicht. Außerdem kann ich ja, erstens, gelegentlich wieder zurück, und zweitens gibt es auch noch andere schöne Fotomotive. Wetter ist nicht alles. Inselketten auch nicht. Es war eine Erfahrung. Es waren sehr intensive, lebensechte, ereignisreiche Jahre, von denen ich sicher noch lange zehren werde, die mir viel beigebracht haben, wie viel kann ich sicher noch nicht einmal erahnen, und das schönste durfte ich ja zum Glück mitnehmen, nämlich das süßeste Kind aller Zeiten. Das jetzt im Bettchen schlummert mit der ersten, richtig schlimmen Erkältung. Weswegen ich gleich an meinem zweiten Arbeitstag wieder zuhause bleiben durfte. Musste. Sehr zu meinem Kummer – Ärger ist nicht das richtige Wort -, aber siehe da, mein neuer Arbeitgeber ist voll cool und ungestresst, zum Glück. Das gibt sich alles.

Genau, so ist es. Bisher ist alles toll. Bisher war jeder nett zu uns, überhaupt finde ich die Leutchen hier absolut reizend, die Schule ist toll, 500m von uns entfernt, sehr bemüht und Lydia geht gern hin, allein mit dem Rad sogar! Aber ich bin schon groß und ich weiß, dass es auch andere Zeiten geben wird. Genau wie es auf Paros Höhen und Tiefen gab. Ein paar Tiefen zum Schluss zur Genüge, so dass ich jetzt hoffe, davon eine Zeitlang verschont zu werden. Die hab ich noch nicht verdaut. Immer noch erwarte ich Emails von Chris, kann es nicht realisieren, dass er tot ist, dass mein Vater tot ist – der 5. Juli und der 1. August – aber das Leben geht weiter, und vielleicht, vielleicht schauen sie uns ja zu und möchten, dass es uns gut geht. So nicht-gläubig wie beide waren; vielleicht segnen sie da oben zusammen unseren weiteren Weg und halten eine schützende Hand über uns. Und wenn nicht, stellen wir uns einfach vor, da draußen sind Menschen, die uns liebten und uns jetzt wohlwollend beschützen, das hilft sicher auch.

Apropos Menschen. Ich mag Menschen. Ich bin noch nicht lange hier, aber habe bereits neue Menschen in mein Herz geschlossen, und ich empfinde es als echten Luxus, neue Menschen kennen lernen zu dürfen wie “die alten” jetzt wieder einfach so öfter sehen zu können. Wie sagte Gaby, “jetzt ist es ja nicht mehr so weit zu euch”. Schön, dass wir einfach so wieder aufgenommen wurden. Schön, dass wir neue Menschen kennen lernen dürfen.

People. The essence of my life. Oder auch: My home is where my friends are.

Ich würde sagen: alles gut. All is well. Bis zum nächsten Mal, ich muss ins Bett!

“Our parents had the same concerns”

Ich habe ja in letzter Zeit desöfteren meinen Unmut über Menschen hier kundgetan. Ihr seht ja, bzw. lest einen Ausschnitt davon, wieviel “menschlicher Müll” mir täglich begegnet.

Andererseits gibt es aber auch wieder die besonderen Menschen. Und derer gibt es in meinem Leben erstaunlich viele. Wie viele liebe, tolle, herzliche, unterstützende, positive, spannende, intelligente, anregende und einfach gute, nicht böse Menschen darf ich meine Freunde nennen, sowohl hier vor Ort als auch in aller Welt. Es sind nicht mal nur meine “besten Freunde”, mit denen ich dauernd zu tun habe, es können zum Beispiel auch anteilnehmende Facebook-Freunde sein, die mir tolle, positive Impulse geben. Die ich nicht mal besonders gut kenne, wo aber trotzdem ein kleines, aber schönes Band entsteht. Oder Menschen, denen ich einmal begegnet bin – begegnet im wahrsten Sinne des Wortes -, und mit denen ich heute noch offenen, warmen Kontakt halte. Oder meine englischen oder irischen Freundinnen, mit denen ich mir gestern die Nacht um die Ohren geschlagen habe (mit 31 darf man das ;-) ), die mich so zum Lachen bringen, dass ich mich wundere, wie ich, äh wie drückt man sich hier elegant aus, geht glaube ich nicht, den Abend überlebt habe, ohne mir in die Hose zu machen. Andere, die immer in Krisenzeiten plötzlich zur Stelle sind, und die ich Tag und Nacht anrufen dürfte. Oder oder oder. Es gibt so viele tolle Menschen auf der Welt, das darf man nicht vergessen. Und ich habe das Glück, sehr viele davon zu kennen.

Morgen Abend werde ich wieder neue Menschen kennen lernen, und ich bin ganz gespannt. Kunden, die über mich ein Zimmer gebucht haben, wo sich schon im Vorfeld ein interessanter Dialog entwickelt hat. In diesem Fall geht es um ein Pärchen aus Deutschland, eine Deutsche und ihren Partner, einen Griechen, der in Deutschland lebt, aber im Sudan aufgewachsen ist. Wo er geboren wurde, habe ich vergessen, aber wir haben in diesem Dialog festgestellt, dass wir beide “made in Africa” aber für die Geburt in europäische Länder ausgeflogen worden sind. Wie er so schön zusammenfasste “our parents had the same concerns”. Ich glaube, es ist sehr selten, dass man jemanden kennen lernt, der SO ETWAS mit einem gemeinsam hat. Und die ganzen Email- sowie SMS-Kontakte waren so erfrischend, dass ich sehr gespannt bin.

Vielleicht ist das auch wieder der Beginn einer Freundschaft. Ich werde nie vergessen, wie eines Tages ein Pärchen in meiner damaligen Pension “Sakis Rooms” vor mir stand und zu mir sagte “Sind Sie Frau Blair?”. Allein aufgrund eines einzigen von mir verfassten Artikels: Eine Katze erzählt beschloss man im fernen Plankstadt, sich auf den Weg zu machen und mich kennen zu lernen. Zum Glück! Das war 2002 und seitdem sind sie Menschen, die aus meinem Leben einfach nicht mehr wegzudenken sind.

Also werde ich die 70% Idioten morgen Vormittag einfach ignorieren, sind ja auch nur noch 7,5 Wochen in etwa, mich riesig auf den Abend freuen und im Notfall meine neue Strategie anwenden. Am Samstag war ich einfach so penetrant freundlich und liebenswert zu allen, sogar den nervigsten Leuten, dass jeder Widerstand zwecklos war!

Dann wünsche ich mal gute Nacht und ab morgen eine gute Woche!

“Alt”

Ich beginne zu verstehen, was Midlife Crisis bedeutet.

Ich schaue in den Spiegel, er ist unerbittlich und zeigt mir unwillkommene Fältchen am Hals, wenn ich den Kopf drehe. Die Haut ist nicht mehr jugendlich frisch, sie knittert. Scheiße. Ich war grad noch jung, und jetzt? Ist das für immer vorbei? Ich bin weder Fisch noch Fleisch. Darf ich mich noch jung fühlen? Bin ich noch attraktiv? Was darf ich anziehen, ohne dass es lächerlich wirkt? Sieht man meine weißen Haare schon zu deutlich, oder muss ich schon nachfärben?

Da sind Männer da draußen, junge, attraktive, plötzlich fallen sie mir auf, dabei hätte ich früher jemanden im Alter von 28 nicht mal bemerkt. Jetzt bewundere ich ihre stählerne Jugendlichkeit, ihre Frische; eine gewisse, verbotene Anziehungskraft ist da. Ich bekomme Sehnsucht. Noch einmal jung sein, mit dem Wissen von heute, das wär doch was. Habe ich was verpasst? Ich grüble und komme zu dem Ergebnis: eigentlich nicht. Ich glaube, ich habe nichts ausgelassen.

Ich verstehe Frauen, die mit über 40 noch einmal ein Kind bekommen. Nicht, dass ihr jetzt Angst bekommt, ich würde mir das nochmal antun, aber ich kann es nachvollziehen. “Ich bin gebärfähig. Das heißt, ich bin jung.” Und vielleicht glauben ja auch manche, ein Säugling im Haus würde ein Bisschen Jungsein abfärben lassen, aber ich weiß, mich würden durchwachte Nächte um mindestens 10 Jahre altern lassen. Das tu ich mir nicht an, ganz gewiss nicht.

Aber ich verstehe es. Ich gehe jetzt in die Stadt. Mir einen neuen Nagellack kaufen, und ein neues Kleidungsstück.

Holunderbeersyrup

Jetzt wird so mancher Leser gedacht haben, Holundebeersyrup? Was’n das für ne komische Überschrift?

Gibt’s überhaupt Holunderbeeren in Griechenland? Wäre mir noch nicht aufgefallen. Aber Lydia und ich haben gestern eine ganze Flasche selbstgemachten Holunderbeersyrup geschenkt bekommen, aus Österreich, und darüber freue ich mich mehr, als wenn man mich zum Essen eingeladen, oder mir ein Parfüm oder einen Ring geschenkt hätte.

Wir müssen ein lustiges Bild abgegeben haben, gestern, als wir nach unserem Besuch bei Monika auf einem recht hohen Hügel, der mir so unsicher aussah, dass wir das Auto unten stehen gelassen hatten, jetzt zu Fuß wieder runter gingen, bepackt mit frischen, ungespritzten Zitronen, einem Rest Schokoladenkuchen und eben einer Flasche Holunderbeersyrup.

Dabei habe ich darüber nachgedacht, welchen Wert welche Dinge haben. Ich jedenfalls fühlte mich wie eine Königin, auf einem Hügel mit Blick in die halbe Ägäis bei rosa Himmel und einer Flasche Holunderbeere unterm Arm!

Danke, Monika!

Und bei der Gelegenheit Danke an alle anderen, die uns immer wieder zwischendurch mit so Sachen beglücken – selbstgemachtem Honig zum Beispiel, oder Grapefruitmarmelade, oder Bünting Ostfriesentee. Ihr seht, es ist nicht schwer, mich glücklich zu machen!

Πώς βρέθηκα εδώ;

Ja, Ela, du hast Recht, wir waren auf dem Michalis Hatsigiannis Konzert! Das 3. Jahr in Folge.

Allerdings habe ich mich schon gefragt, wie um Himmels ich mich dort wiedergefunden habe (siehe Titel) ;-). Aber schön war’s, wenn ich auch eigentlich “nur für Lydia” hin bin.

Und hier ein kurzer Ausschnitt der kleinen Tanzmäuse:

Was ist Glück?

In das strahlende Gesicht (m)eines fröhlichen Kindes zu schauen. Zu wissen, ich habe dieses Lachen herausgefordert.
Dieses Kind zu beobachten, wie es Freude an anderen Menschen hat und diese liebt, ohne einen einzigen schlechten Hintergedanken. Unverdorbenheit.
Den lustigen Schlussfolgerungen dieses Kindes zu folgen.

Des nachts die Blüten des tagsüber überhaupt nicht duftenden Νυχτολούλουδο ( Nachtjasmin ) zu riechen – wer das nicht kennt, hat etwas verpasst.
Täglich Griechenland zu riechen.
Täglich Griechenland zu sehen. Gibt es viel Schöneres als täglich solche Augenweiden?

Und das Licht, dieses Licht, war das schon immer so?

Interaktion mit einem bekloppten Griechen, wenn man nicht grad was von ihm braucht…
Wärme, mit denen Menschen einen zuweilen überschütten, ohne dass man etwas dafür leisten musste… eine warme Seelendusche.
Menschen wiedersehen, die man seit 2 Jahren nicht mehr gesehen hat, und sich nicht fremd, sondern sich genau so wohl fühlen, als wenn man sich gestern erst gesehen hätte.
Zu wissen, dass diese Menschen für einen da sind und einem positive Energie geben.

Nachts am Strand unter einer Tamariske zu sitzen und Rotwein zu trinken, ohne Zeitdruck und ohne Mücken. Tamarisken können übrigens von Salzwasser leben.

Der liebende Blick meines Hundes, ein Liebesbiss meiner Katze, Kaninchen, die denken, sie sind Katzen und die ins Katzenklo scheißen. Sie rühren mich und bringen mich zum Lachen.

Mein Kind, das ich ein ums andere Mal kitzeln muss, obwohl es vor lauter Lachen schon nicht mehr kann.
Der staunende Blick meines Kindes ob des Πουλάκι’s meines schwulen Freundes am FKK-Gay-Strand.

Die griechische Sprache, die in meinen Ohren so wunderschön klingt wie als ich sie noch nicht verstand; besonders bei einem Radiomoderator mit sexy Stimme zum Dahinschmelzen.

Meine Idealvorstellung vom Glück: Strand, Sonnenuntergang, griechische Musik und sich dem Moment hingeben und griechische Tänze tanzen, wie Alexis Sorbas. Diesen Moment kann ich mir genau vorstellen, aber soweit bin ich noch nicht. So kann ich mich dem Augenblick nicht hingeben. Noch nicht. Vielleicht bin ich ja dafür hier, um das zu lernen.

Es hat viel mit Griechenland zu tun, mein Glück.