Der 11. August.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Nur noch wenige Tage, genau genommen 4, bis zum 15. August. Ihr seht, ich kann rechnen.  4 Tage bis zum “schrecklichsten Tag des Jahres”, und dieses Jahr habe ich sogar richtig Schwein. Der fällt nämlich auf einen Sonntag, und da habe ich frei. Oder wiederhole ich mich vielleicht?

Leider hat die Krise nicht dafür gesorgt, dass während der Hochsaison weniger Idioten kommen, so dass ich im Schnitt täglich mit 70% himmelschreiend dummen, egoistischen oder bloß nervigen, etwa 20% unauffälligen und 10% besonders netten Leuten zu tun habe. Wenn ich mit Letzteren zu tun habe bin ich natürlich umso dankbarer. Wie einfach und schön ist es doch, wenn andere Menschen freundlich, höflich, umgänglich und verständnisvoll sind, vielleicht sogar noch humorvoll.

Was ich selbstverständlich nicht von meinen Kollegen erwarte, zumindest nicht den Kampflesben, denn die mobben mich bis mindestens Mittwoch durch, da sie mir wohl meinen freien Tag übel nehmen. So dass ich bis Mittwoch dabei bin, aufzuarbeiten, was am Sonntag geschehen ist, mein neuer Name Sherlock in allen Ehren. Denn warum mir eine Notiz hinterlassen, macht doch viel mehr Spaß, wenn die verantwortliche Rezeptionistin mal eben gar nicht mehr weiß, was los ist. Aber ich lasse mich davon nicht unterkriegen, denn ich habe meine eigenen Verbündeten. Mit allen Putzfrauen, dem Haussklaven sowie der Abendschicht, einer Freundin von mir, die neuerdings für uns arbeitet, sowie dem Chef komme ich ja bestens aus. Ach übrigens, der Chef hat wohl ein Machtwort gesprochen, denn der eine hundsgemeine Zimmerabschlepper, den ich letztens erwähnte, lasst sich bei mir entweder gar nicht mehr blicken oder aber er behandelt mich wie ein rohes Ei.

Aber um euch mal ein paar Beispiele zu geben, wiederhole ich hier mal ein paar hoteltypische Dialoge.

Beispiel a) “besonders nett und freundlich”:
Kunde kommt um die Ecke, netter Ami, und meint, ach übrigens, vielen Dank für die tollen Empfehlungen von gestern (ich falle fast vom Stuhl). Wir haben hier und dort sehr viel Spaß gehabt. (…) Woher kommst du überhaupt, usw., nettes Small Talk folgt.

Beispiel b) “hyperaktive Kampflesbe, sogenannte Kollegin”
Ich bin gerade am Telefon, da hält sie mir eine Quittung unter die Nase, die in den Ordner muss, und blafft mich an, ob die Putzfrau denn auch die Blumen ordentlich gießt. Ich nicke nur und versuche mich auf mein Telefongespräch zu konzentrieren. Leider habe ich es noch nicht raus, mit 2 Leuten gleichzeitig über verschiedene Dinge zu reden.

Beispiel c) “Athener Pack, besonders üble Sorte”
Das Zimmer kostet 70 Euro, dazu noch eine Rechnung aus der Bar von 4,50, Kunde schmeißt mir 50 Euro auf die Theke und schaut mich kühl an. Ich sage “es sind 70 Euro plus 4,50 aus der Bar” oder so ähnlich, worauf er mir 70 Euro hinschmeißt und sagt “ist gut so”. Nein, ich fordere auch noch die 4,50 ein, so geht es denn ja nun nicht, gell.

Beispiel d) “Hübsche Norweger mit geilen Bodies, aber Null Hirn”
Die Fähre fährt um 8.40h am Hafen ab, um 8.29h wecken sie den Chef per Telefon, damit sie bezahlen können, das Schild, sie mögen doch in der Cafeteria fragen, wenn keiner in der Rezeption ist, sehen sie wohl nicht. Ich habe ja das Hotel lediglich moderat zugepflastert mit Schildern, dass wir von 8.30h bis 24.00h Rezeption haben und sie sonst in der Cafeteria fragen sollen, aber sie können wohl nicht lesen. Als ich um 8.32 durch eben die Cafeteria, wo ich grad meine sogenannten Kollegen gefragt habe, ob ich etwas wissen müsse, worauf ich eh keine Antwort bekomme, nach oben komme, blaffen sie mich an, ich sei zu spät. Ich finde eher, sie sind zu spät mit Zahlen dran, wenn in 8 Minuten die Fahre fährt. Das wäre ja wohl auch den Abend davor gegangen, oder? Sogar bis Mitternacht!

Beispiel e) “Athener Pack II”
Checken aus um 13.30h, dabei ist Check-out 12.00h. Ich habe dazu erstens auch Zettel überall hängen, siehe oben, zweitens die strikte Order vom Chef, wie es das Gesetz sagt, jedem von nun an die nächste halbe Nacht zu berechnen, der zwischen 12.00 und 18.00h auscheckt. Sie sind überrascht und meinen, ich hätte doch gewusst, dass sie heute gehen. Was ich nicht gewusst habe, mich hat ja keiner informiert, Sherlock ist zwar klug aber hat noch keine hellseherischen Fähigkeiten, und mich zu der Bemerkung veranlasst “und WENN ich es gewusst hätte, ich bin ja nicht Ihre Babysitterin, es ist nicht meine Aufgabe, Sie zu wecken”. Worauf sie etwas pikiert fragen, ob es mein Hotel sei und woher ich komme. Als ich das meinem Chef hinterher erzähle, lacht er sich schlapp. Mein Chef steht bei sowas voll hinter mir.

Ok, ich will euch nicht mit weiteren Beispielen langweilen. Ach ja doch, eins noch.

Beispiel f), ich verliere langsam den Überblick, ein junger Schwede, Typ “Paranoiker”:
Sein Vater hatte das Zimmer voraus gebucht, und zwar hier vor Ort, mir eine Vor-Autorisierung per Kreditkarte gegeben und ich hatte die eine Quittung und der Vater die andere Quittung bekommen. Wie es sich gehört. Aber da der junge Mann nun kam und sein Zimmer voll cash bezahlte, war es nicht nötig, die Kreditkarte zu belasten. Nach dem Zahlen langte der junge Mann rüber und wollte mir meine Quittung abnehmen. Ich sagte, nein, das wäre meine Quittung, die andere hätte der Vater bekommen. Ja, aber, sagte er, dann könnte es ja sein, dass ich das Geld fürs Zimmer nochmal berechne. Ich schaue ihn mit großen Augen an und sage: du glaubst also allen Ernstes, dass du mir das Zimmer jetzt bezahlt hast und ich danach hingehe und die Kreditkarte deines Vaters belaste? Er: ja. Worauf ich entgegne, dass es ja sehr traurig sein muss, durch die Welt zu gehen und jeden anderen Menschen für einen Kriminellen zu halten.

Das sind nur einige wenige Beispiele, wir haben 50 Zimmer und ich habe täglich mit sehr viel mehr Menschen zu tun, als mir lieb ist. Vor allem mit den 70%. Als mein Kollege mir vorige Tage vorübergehend einen sehr großen Schraubenzieher in der Rezeption liegen ließ, fühlte ich mich sehr unwohl und sagte ihm: „das ist vielleicht keine gute Idee“.

Und nun ist es schon Abend, morgen ist schon der 12. und dann sind es nur noch 3 Tage. Irgendwie werden wir das schon überleben. Ohne mit dem Schraubenzieher auf jemanden loszugehen.

pissekackearschloch

Gestern war ich den ganzen Tag fest in deutscher Hand, äh, unter deutschem Einfluss. Und habe wieder etwas dazugelernt. Manch einer wird sich jetzt winden, aber ich gehörte noch nie zu den Leuten, die statt Arschloch Hintern sagen. Ich finde, ein Arschloch darf auch so genannt werden, und wenn etwas Scheiße ist, dann kann man das ruhig auch so sagen. Was soll die dämliche Umschreiberei, wenn jeder weiß, was eigentlich gemeint ist. Es ist doch viel befreiender, die Dinge gleich beim Namen zu nennen.

Das sagt jetzt aber überhaupt nichts über unseren gestrigen Tag aus, denn der war wunderschön. Erst waren Lydia und ich mit Kirsten und Nele am Strand, mehrere Stunden lang, war ja Sonntag, und ich hatte eine richtig tolle Zeit und fühlte mich, als hätte ich Urlaub. Kirsten und Nele waren auch so lieb, uns schöne Sachen aus Deutschland mitzubringen, vor allem habe ich neben der “bestellten” Sigg-Flasche für Lydia ein Überraschungsgeschenk dazu bekommen, und zwar meinen geliebten Kleehonig – darüber habe ich mich königlich gefreut. Ich sag ja, ich freu mich über die kleinen Dinge am meisten.

Als wir diesen Sonntag morgens aufstanden kam Lydia strahlend zu mir, umarmte mich und sagte, Mama wie schön, heute haben wir den ganzen Tag Zeit füreinander. Und Kirsten merkte irgendwann an, dass dieses Kind “immer strahlen würde”. Also kann ich ja noch nicht alles falsch gemacht haben.

Und damit käme ich auch zum Thema Arschloch, denn am heutigen Montag war die Stimmung im Hotel so aufgeheizt, dass ich schon wieder um meinen freien Sonntag gefürchtet habe. Auch ohne den sind wir natürlich unterbesetzt, wie immer. Jeder ist gestresst und es herrscht eine Stimmung wie “jeder gegen jeden”. Wie jemand erwarten kann, damit auch noch gute Geschäfte machen zu können ist mir ein Rätsel, aber ich habe schon lange aufgehört, jemandem mein Knowhow beibringen zu wollen, wenn er es nicht wissen will. Also arbeite ich da jetzt meine letzten 10,5 Wochen noch ab und das wär’s dann gewesen, das weiß mein Chef auch, denn auch dabei nehme ich kein Blatt vor den Mund. Dafür hat er mir für nächstes Jahr ein Alternativ-Angebot gemacht, das ich von zuhause aus erledigen kann, und das ist durchaus erwägenswert. Aber dazu mehr, wenn die Zeit dafür reif ist.

Heute war ich ja mal wieder kurz davor, schnurstracks rauszumarschieren. Ich habe einen wirklich üblen Kollegen, der schon mehrmals so fies zu mir war, dass ich meinem Chef heute sagte, wenn der noch einmal so mit mir redet bin ich weg, und zwar sofort.

Aber auch anderes ist nur schwer erträglich. Den halben Tag sitze ich mit aufgestelltem Nackenhaar in der Rezeption und möchte am liebsten in die Tischkante beißen. Meine Kollegin, Kampflesbe Nummer eins, wir haben derer nämlich zwei, hat die Putzfrau der unteren Etage zu ihrer persönlichen Sklavin gemacht – da geht es den ganzen Tag, Anna hier, Anna da, mach dies, mach jenes, so dass sie kaum noch zum Zimmer putzen kommt, und wenn dann zwischendurch nach ihr gepfiffen wird, als wäre sie ein Hund, finde ich es besonders schlimm. Kein Wunder, dass der Chef am Anfang immer zur Kampflesbe gesagt hat – er musste es mehrmals betonen -, er sei der Chef. Ich hatte mich schon gewundert, denn mir gegenüber hat er sowas noch nie gesagt. Wenn sie mich rumkommandieren könnte, würde sie es sicher tun, das traut sie sich aber dann doch nicht, aber man merkt, dass sie unterschwellig aggressiv ist und mir das Leben schwer zu machen versucht. Ihr glaubt gar nicht, mit was für einem Scheiß (da! ist es wieder) ich mich teilweise herumschlagen muss.

ZUM BEISPIEL, wo ich grad dabei bin, habe ich ihr Vordrucke fürs Frühstück gebastelt, die ich in A-6-Größe geschnitten und der Cafeteria  zur Verfügung gestellt habe (das ist dafür da, um die Rezeption zu informieren, welche Zimmer Frühstück einnehmen, damit sie diese ggf. in Rechnung stellen kann). Irgendwie waren ihr die Vordrucke aber zu klein, so dass sie den ganzen Haufen weggeworfen hat, nachdem ich ihr gesagt habe, sie solle die erstmal aufbrauchen und dann würde ich andere herstellen. Daraufhin habe ich gestreikt, denn ich sehe nicht ein, dass man Papier und Tinte einfach so verschwendet, und ich brauche keine Beschäftigungstherapie. Und was bekomme ich jetzt? Ausgerissene A-6-große Ringbuchblätter mit Schmierereien. Außer, dass es jetzt viel unordentlicher ist, verstehe ich den Unterschied nicht.

Apropos Beschäftigungstherapie, da ich ja auch sonst nix zu tun habe durfte ich heute Sherlock Holmes spielen. Ein deutscher Gast kam zu mir und wollte, dass ich für ihn die Telefonnummer eines Hotels auf Koufounisi herausfand, denn er glaubte, dass er seinen Pass dort vergessen hätte. Google macht es möglich, also rief ich auch gleich für ihn dort an. Die gute Dame war aber sicher, seinen Pass nicht einbehalten zu haben. Worauf er kurz darauf auf die Idee kam, ich möge doch auf Amorgos nach einer Pension suchen, deren Besitzer Dimitris heißt und Deutsch spricht. Google gab das wiederum nicht her, also baute ich auf die Hilfsbereitschaft der Griechen und rief einfach irgendwo an, ob sie eine Pension namens Dimitris kennen würden oder eine Pension mit einem Eigentümer namens Dimitris. Da das ein nicht gerade seltener Name in Griechenland ist, bekam ich dann bereitwillig sehr viele Telefonnummern. Als der ungefähr fünfte Mann etwas unwirsch antwortete, ob er womöglich auch noch Chinesisch können sollte, hatte ich dann auch keine Lust mehr. Service hin oder her, es gibt Grenzen für alles. Danach gab ich dem guten Mann die Nummer von Aegean Airlines, damit er herausfinden konnte, ob er ohne Pass nach Hause fliegen konnte.

Aber ich habe über dem ganzen Scheiß bei der Arbeit ganz vergessen zu sagen, wie ich überhaupt auf den Titel gekommen bin. Denn Sonntag Abend waren wir noch sehr nett mit etwa 10 Deutschen essen, es wurde ein lustiger, feuchtfröhlicher Abend, und dabei habe ich halt mein neues Vokabular gelernt. PISSE-KACKE-ARSCHLOCH. Richtig befreiend ist das, und hilft, Tage wie diesen zu überleben.

Déjà vu-Tag

Gestern Morgen wurde es gleich ernst, kaum dass ich in die Rezeption gestolpert war; zum Glück hatte ich bereits gefrühstückt und war gestärkt für alles, was auf mich zukommen sollte.

Eine junge Norwegerin kam weinend zu mir, ob es denn hier ein Krankenhaus gäbe und wie groß es wäre. Um keine Zeit mit überflüssigen Erklärungen zu der Größe und den Möglichkeiten unseres Krankenhauses zu verschwenden kam ich gleich zum Punkt, fragte sie, was denn los wäre und entschied dann, dass ein Krankenwagen geholt werden müsse, nachdem ich mit meinen Kolleginnen einig geworden war, dass wir die Schwester, die mit Verdacht auf Blinddarm (Laien-Eindruck) zitternd und frierend im Bett lag, unmöglich selbst transportieren könnten, auch wenn es nur 400 Meter sind.

Ich hatte natürlich unser Feuer letztes Jahr in Erinnerung, wo der Krankenwagen, obwohl es damals wirklich ernst war, erst nach ca. 1,5 Stunden, viel zu spät wohlgemerkt, eintraf.

Also rief ich das Krankenhaus an und bekam die Instruktion, die Nummer 60029 anzurufen. Was ich auch tat, mit und ohne Vorwahl und für den Fall, dass ich den guten Mann missverstanden hatte, probierte ich auch die Version 629, ebenfalls mit oder ohne Vorwahl. Ich bekam allerdings keinen Krankenwagen. Ich rief ihn wieder an, worauf er mir meine bereits ausprobierten Versionen vorschlug. Diese hätte ich bereits ausprobiert, sagte ich, also bat er mich, ihn doch bitte in einer Minute nochmal anzurufen.

Eine Minute kann lang sein. Nach der Minute rief ich also nochmals an und er sagte, er würde mich verbinden. Als sich nach 3 Minuten in der Leitung wiederum gar nichts tat, legte ich auf und rief nochmals an. Darauf sagte er mir, ich möge doch bitte die Nummer 22843.60000 anrufen. Da tat sich sogar tatsächlich was und unglaublich schnell war sogar der Krankenwagen da.

Später meinte ich, schon wieder ein Déjà vu zu haben, als die Französin wieder durch die Tür marschierte, die mich doch neulich mit ihrem Finger im Ohr so beglückt hatte und die ich fast zum Tierarzt gefahren hätte. Das Problem scheint inzwischen bereinigt – oder das Ohr gereinigt? – zu sein, da ihr Finger diesmal tatsächlich nicht einmal zum Ohr wanderte. Ich habe 5 Tage Zeit, um das zu überprüfen, da sie bis Donnerstag zu bleiben vorhat.

Und als ich später die Sanitäterin vom Krankenwagen im Gemüseladen traf, bekam ich die Diagnose und weiteren Entwicklungen brühwarm aufgetischt – das Mädel würde mit Verdacht auf Blinddarm nach Syros ins Krankenhaus transportiert, aber wahrscheinlich könnte man das Problem ohne OP mit Antibiotika in den Griff bekommen. Wobei ich dachte – ist das nicht eigentlich “vertraulich”, oder gehöre ich zum Kreis der Auserwählten, weil ich den Krankenwagen gerufen habe?

Na ja. Jedenfalls wisst ihr jetzt den Grund, warum ich hier auf Paros niemals eine Gruppentherapie machen würde. Da sitzt man dann womöglich seinem Bankberater, dem Gemüsehändler und der Friseurin gegenüber – und dann?!

Ich wünsche euch auf jeden Fall für heute einen schönen Tag, wir werden uns gleich zum Strand verabschieden. Wer es sich antun muss, der schaue ruhig Fußball – ich als Deutschengländerin kann ja nur gewinnen!

Eine Wolke am Himmel

Heute war ein unspektakulärer Tag, aber daran wollte ich euch doch auch mal teilhaben lassen. Und bevor mich die Mücken auf meiner schön kühlen Terrasse auffressen, weil ich zu faul war, mich von oben bis unten mit Autan einzusprühen, inklusive Gesicht und Haare, bring ich das hier auch schnell zu Ende, bevor ich überhaupt richtig angefangen habe.

Erst musste ich besorgte Kunden zum Wetter beruhigen, ich meine, ist ja auch klar, dass man sich bei 26°C um 8h morgens und einer Wolke am Himmel Sorgen macht, dass das Wetter schlecht wird.

Um halb 9 kam eine neue Putzfrau, äh ihr wisst schon, ihr ersetzt das einfach mit dem politisch korrekten entsprechenden Wort, nachdem wir die andere neue, Bulgarin, nach 3 Tagen wieder gehen lassen mussten, weil sie außer hübsch aussehen und rauchen nichts schaffte. Die neue, Russin, mongolisch aussehend mit rundem Gesicht und bösen schwarzen Augen, durchbohrte mich gleich mit ihren Blicken und wollte eigentlich nur mit dem Chef persönlich sprechen und nicht mit mir, aber so früh ist er nicht anzutreffen. Also schickte ich sie hoch zu den anderen, damit sie angelernt werden konnte, aber sie war kaum 5 Minuten da, da hatten wir auch schon den ersten hysterischen Anfall, der gleich das ganze Hotel weckte, so dass ich praktischerweise die Checkouts schnell hinter mich bringen konnte. Den Rest des Tages sah sie mich missmutig an und die anderen Putzfrauen zuckten immer nur mit den Schultern und grinsten, wenn sie mich sahen.

Wenn Blicke töten könnten, dann wäre ich heute nicht mehr hier, und wenn sie gestern schon da gewesen wäre, hätte ich gedacht, mein Nasenbluten kam vom “bösen Blick”. Aber das war gestern, als ich mit Kopf im Nacken und Eiswürfeln auf der Nase durch die Flure lief und versuchte, trotzdem meinem Job nachzugehen. Mal sehen, wie die Geschichte (morgen) mit der guten Dame weiter geht. Ich könnte ja allein schon mit meinen Erfahrungen mit Putzfrauen Bände füllen.

Dank dem frühen Wecken unserer Gäste hatte ich dann aber Zeit, als alte Bekannte, die schon seit Jahren nach Paros kommen, mich besuchten, so dass ich mit ihnen gemütlich Kaffee trinken konnte. Meinen Chef, der kein Problem damit hat, dass ich auch mal rumsitze und nichts tue, kannten sie schon aus dem Fernsehen und grüßten ihn wie einen alten Bekannten.

Das Wetter wurde übrigens wunderbar, die Wolke verzog sich und es wehte eine angenehm kühle Brise.

Läuse oder Mäuse?

Nun habe ich euch schon wieder mehrere Tage auf dem Trockenen gelassen und gar nicht mehr von meinen gesammelten Verrückten berichtet, die regelmäßig durch meine Rezeption wandern. Wie haltet ihr das nur aus?

Ich weiß nur, dass ich es nicht lange aushalte, wenn ich nicht zwischendurch mal etwas los werden kann. Und nachdem eine gute Frau (Französin) heute geschlagene 5 Minuten angestrengt in ihrem Ohr pulte, während sie mit mir sprach, erinnerte ich mich an den guten Mann von vorgestern, der auch durchaus erwähnenswert ist. Der entdeckte nämlich Läuse in seinem Bett, aber ich schätze, er ist auch nah dran, wie ich, Mäuse zu sehen.

Eine schwule Diva, jung, schwarz – hübsch kann ich nicht beurteilen, ich bevorzuge eher blond -, hat in einem so gut wie noch nicht genutzten Zimmer auf der neuen Matratze tote Tiere entdeckt und ich kann froh sein, dass er in meiner Rezeption keine Panikattacke erlitt. Stellt euch nur vor, ich hätte auch noch den Krankenwagen rufen müssen, der eh ne Stunde braucht, da hätte ich gar nicht gewusst, wohin so lange mit dem hysterischen Menschen und seinen toten Läusen. Äh Tieren. (“Da, da sind tote Tiere!!!”) Die übrigens auch nach genauerem Hinsehen meinerseits nicht zu entdecken waren, und ich denke, ein Sandkörnchen oder zwei in der Ritze der nietnagelneuen Matratze unter der Bettwäsche kann man der Putzfrau durchaus nachsehen.

Nachdem das diesen gebeutelten Mann und seinen Partner begleitende Pärchen (deutsch, älter, aber ich weiß nicht, in welchem Verhältnis zueinander standen) eine geschlagene Stunde in der Rezeption saß, während die Diva sich eine neue Bleibe suchte, fiel der Dame mit perfekt sitzendem Haar ein, ob wir denn einen Fön auf dem Zimmer hätten. Das alles für nen Appel und nen Ei wohlgemerkt, und nein, Fön bieten wir nicht an, das gibt es in besseren Hotels, für die man auch mehr zahlen muss. Da das für sie ein großes Problem darstellte, legte ich der guten Frau nahe, doch zusammen mit ihrer Begleitung einfach ganz unproblematisch ihren Ausweis zurückzunehmen und sich ebenfalls ein neues Zimmer zu suchen. Ich wünschte ihnen trotzdem einen schönen Urlaub, denn bei der Gesellschaft war mir auch klar, warum alle so schlecht gelaunt aussahen.

Aber zurück zu der guten Frau von heute, ich konnte mich grad noch beherrschen, ihr anzubieten, sie zu meinem Tierarzt zu fahren, der regelmäßig Sachen aus dem Ohr meines Hundes pulen muss und darin sehr erfahren und gut ist. Mit Narkose, das wäre in diesem Fall sicher auch nötig gewesen.

Und gleich habe ich Feierabend, nein Feiermittag, wie Lydia meint, dass es doch heißen müsse, und wünsche euch alles Liebe!

Spanisches Omelette

Das gestrige Kreischen im Flur klingt mir noch im Ohr, als ich heute Morgen ins Hotel komme, in gespannter Erwartung, was mich denn heute wieder erwartet. Die Brasilianerin von gestern konnte sich wohl nicht vorstellen, dass auch eine Rezeptionistin mal nicht an ihrem Platz ist, sondern im Hotel rum rennt (Gäste zu ihrem Zimmer bringt zum Beispiel). Als ich also nach 10 Sekunden nicht auftauchte – ich hörte sie wohl, war ja nicht weit – fing sie an, den Flur rauf und runter zu rennen und hysterisch, fand ich zumindest, “Anybody heeeeeeeeeeeeeeeeeeeere???????” zu kreischen. Ganz davon abgesehen waren sie und ihre 3 Begleiterinnen alles andere als die Höflichkeit in Person. Ich weiß also jetzt schon, ich habe 2 Tage lang Gewehr bei Fuß zu stehen. Wie gut, dass ich nachmittags hier raus komme und keiner meine Handynummer weiß.

Eine kurze Begegnung mit fünf Spanierinnen reicht mir, kurz nach meinem Eintreffen, um mein in den letzten 13 Jahren gebildetes Vorurteil zu bestätigen, dass spanisch- und portugiesischsprechende Menschen etwas ungeschliffen sind, ganz höflich ausgedrückt.

Zwischendurch beantworte ich mal eine Email, in der ich um die Telefonnummer des Klosters Longovardas gebeten werde. Keine Anfrage ist mir zu fremd, ich bin brav und beantworte alles.

Apropos fremd. Eine mittelalte Dame mit krausem Haar, Nationalität unbekannt, gut ich könnte nachschauen, bin aber jetzt zu faul, fragt mich, ob der ansässige Friseur wohl ihre Haare glätten würde. Selbstverständlich würden sie das, beantworte ich, nur um meine Meinung zu den Haarglättern, die man im Supermarkt kaufen kann, gebeten zu werden. Einen Moment der Ungläubigkeit muss ich überwinden, bevor ich antworte, dass ich darüber wirklich keine Auskunft geben kann, denn ich benütze so etwas nicht. Womit sie ihre Brille absetzt, prüfend meinen Kopf anschaut und sagt: “Wie machen Sie denn Ihre Haare?”. Ich sage, mit gar nichts. “Sie Glückliche”, sagt sie, “haben Sie glatte Haare?”. Offenbar kommt sie aus einem Land, in dem die Menschen vornehmlich krause Haare haben und kann sich nicht vorstellen, dass es auch anders geht. Ich selbst finde es ja nicht so außergewöhnlich.

Kurz darauf bin ich gerade dabei, einem Pärchen zu erklären, wo die schönsten Strände sind, als ich von der Seite mit “Coffee!” angesprochen werde. Als ich nicht sofort reagiere, sondern denke, dass ich mir durchaus erlauben kann, den gerade begonnenen Satz zu beenden, höre ich noch lauter “COFFEE!!!”. Irritiert schauen wir drei zur Seite und ich frage die, siehe oben, Brasilianerin, was sie denn meint, worauf ich wieder nur “Coffee!” zu hören kriege, obwohl ich ja seit gestern weiß, dass sie der englischen Sprache mächtig ist. Irgendwie macht sie mir dann verständlich, dass sie wissen möchte, bis wann es denn Kaffee gibt, und ich sage, in der Cafeteria könne sie den ganzen Tag Kaffee bekommen. Denke nicht weiter darüber nach, bis ich später in die Cafeteria gerufen werde, wo sich die vier nun gegen Mittag hingepflanzt haben und steif und fest behaupten, es gäbe den ganzen Tag Frühstück. Die oben genannte Frau sagt beleidigt, ich hätte doch gesagt, es gäbe den ganzen Tag Frühstück; mir wird alles klar und ich beginne zu erklären, dass sie ja nach Kaffee gefragt hätte und es auch noch lange nach Ende der Frühstückszeit gewesen wäre. Zum Glück signalisiert mir die Barfrau schnell, dass sie ja so nett sei und Frühstück machen würde, auch jetzt noch, so dass ich nicht länger mit dem Unmut dieser Damen kämpfen muss.

Jetzt war grad jemand hier, der mit türkischer Lira bezahlen wollte, entweder er wusste nicht mehr, in welchem Land er sich befindet, oder was weiß ich. Und ein Anrufer wollte gerade ein bestimmtes Lied bestellen – ich habe ihm gesagt, wir sind nicht das Radio, sondern ein Hotel (wobei, Letzteres könnte man auch anders nennen…).

Ich finde jedenfalls, dass ich für heute wieder genug geleistet habe. Und gehe nach Hause und mache mir spanisches Omelette, mit ein paar Brasilianern und Griechen dazu.

PS – ich vergaß, die Holländerin zu erwähnen, die nicht verstehen kann, warum ihre holländische Tageszeitung hier erst um 12 zu kaufen geht!

Arme Irre II

Bezugnehmend auf meinen Beitrag “Arme Irre” möchte ich euch mitteilen, dass der gute Mann so glücklich über meinen Joghurt war, dass er mehrere Tage länger blieb und ich nun von meinem Chef eine fürstliche Provision erwarte. Außerdem hat er doch tatsächlich noch ein paar schöne Wanderwege entdeckt (“von Lefkes bis nach Aliki!”) und ist somit glücklich abgereist.

Mein Chef wusste zwar nichts von meiner Joghurt-in-den-Kühlschrank-Aktion, zählte aber eins und eins zusammen, als er den Gast die Quittung vor sich hertragend auf der Suche nach mir antraf, an meinem freien Sonntag, sonst bin ich ja durchaus zu finden.

Eine Beförderung werde ich wohl kaum erwarten, sonst würde ich ja den Chefposten übernehmen wollen, und das will ich definitiv nicht. Aber so machen zumindest wieder die unsinnigsten Dinge Sinn.

Vielleicht macht auch der Rauswurf aus unserer Wohnung Sinn, wenn es tatsächlich mit einem wunderschönen (neuen! und schimmelfreien – meine Hunde und wir würden atmen dürfen!) Haus im Grünen und doch im Herzen Parikias klappt, das wir uns vorige Tage angeschaut haben. 500m von meiner Arbeit und/oder Lydias Ballett entfernt. Mit großem Grundstück drum herum und allem, was das Mieterherz sonst noch so begehrt. Es ist noch nicht ganz fertig, aber angeblich stehen wir an erster Stelle als Interessenten, Haustiere sind übrigens auch erlaubt, womit es “eigentlich” noch zu gut um wahr zu sein klingt. Daher brauchen wir bitte ganz ganz ganz viele Daumendrücker.

Damit würden wir dem irgendwie schon lieb gewonnenen Aliki den Rücken kehren, in dem sogar der Obdachlose, der berühmte “verrückte Stavros”, seine Funktion hat – er isst nämlich kleine Kinder und ob ihr es glaubt oder nicht, die drohen den Kindern wirklich damit. Ich habe es 2x selbst gehört. Das hätte nicht mal ich erwartet.

Arme Irre

Ein früherer Chef hat immer gesagt, immer im Refrain, τι έχω πάθει, δεν αντέχω, was so viel heißt wie, was passiert nur mit mir, ich halt’s nicht aus, und heute ist mir auch danach.

Heute Morgen beschwert sich ein Franzose bei mir, es gäbe hier keine Wanderwege, und es gäbe auch kein Buch über Wanderwege, beides nicht wahr übrigens, und überhaupt gäbe es nur Autos, wenn er das gewusst hätte, wäre er gar nicht nach Paros gekommen. Und regnen tat’s auch noch, sehr zu seinem Verdruss.

Aber der Knaller kam heute Mittag. Kommt er wieder durch die Rezeption gerauscht, hält mir einen Joghurt unter die Nase und sagt: “Ich weiß nicht, wie ihr glaubt, warum ich auf Paros bleiben sollte, hier gibt es ja nicht mal Schafsmilch-Joghurt!” Und schaut mich an.

Ich schaute ihn an. Mir war danach, ihm zu sagen, wie ein anderer früher Chef von mir, would you kindly fuck off. Aber man kann ja keinen Hotelgast brüskieren, und sei der noch so irre. Er führte es noch aus, sehr vorwurfsvoll, er wäre in jedem Supermarkt gewesen und es gäbe hier einfach keinen Joghurt aus Schafsmilch.

Gibt es aber doch, denn ich muss immer höllisch aufpassen, dass ich nicht aus Versehen dieses ekelige Zeug kaufe. Nach Feierabend kaufte ich ihm dann einen Joghurt, aus Schafsmilch, aus dem nächsten Supermarkt; der wartet jetzt in seinem Zimmer in seinem Kühlschrank auf seine Rückkehr. Und zum Glück werde ich den guten Mann nicht mehr sehen, denn er reist morgen ab und ich habe morgen frei.

Es gibt schon ein paar arme Irre auf dieser Welt.

Ich brauch Schokolade.

Es hilft nichts, ich rauche nicht, ich trinke nicht (schon gar nicht frühmorgens bei der Arbeit), aber ICH BRAUCHE JETZT IRGEND WAS. Zum Glück brachte mir eine der Putzfrauen äh Zimmermädchen vorige Tage einen Riesenvorrat an von der Hochzeitsgesellschaft von neulich hinterlassenen Süßigkeiten, die ich für Notfälle in meiner Schublade bunkere. Natürlich habe ich vorher einen Teil für Lydia abgezweigt.

Heute Morgen als allererstes pflaumt mich mein Kollege an,  was er denn damit zu tun hätte, als ich ihn frage, was 2 Zimmer, die auschecken wollten und die irgend jemand gestern Abend angeschleppt hatte, steht ja nirgendwo, wer, bezahlen sollen, da man mir keinerlei Infos da gelassen hat und der Chef noch nicht zu wecken geht.

Dieselben Leute, Schweden, die dann eben bezahlen, was sie behaupten, vereinbart zu haben, ich kann es ja nicht überprüfen, lassen mich 5 Minuten lang mit dem Taxistand telefonieren, bevor sie entscheiden, dass sie zu Viert lieber 500m zu Fuß zum Hafen gehen, mit Gepäck wohlgemerkt, um von dort aus das Taxi zu nehmen und 1,50 Euro zu sparen (37,50 Cents pro Person). Die sind jetzt mein neues Vorbild in Sachen Sparen während der Finanzkrise.

Ein sehr aufgeschlossener Amerikaner, mit dem ich später eine nette Unterhaltung führe, beschwert sich über das Minimalfrühstück, und ich kann ihm nur Recht geben, aber ich habe es schon lange aufgegeben, Griechen das Prinzip Service beibringen zu wollen. Mein Chef will das so, also will mein Chef das so. Manchmal ist es gar nicht so einfach, Verantwortung abzugeben und “nur die Rezeptionistin” sein zu wollen.

Dann rufen mich Australier an, die vor einer Woche auscheckten, und behaupten im Brustton der Überzeugung, ich hätte ihnen ihren Pass nicht zurückgegeben. Ich beteuere zwar mehrmals, dass ich nie vergessen hätte, einen Pass zurückzugeben und hier keinen hätte, der übrig wäre, aber die Dame behauptet steif und fest, ich hätte noch ihren Pass und sei Schuld, dass sie jetzt nicht nach Hause zurückkehren könne. Vielleicht wäre das ja eine gute neue Methode, nur so nebenbei, um den Tourismus zu fördern, da bin ich noch gar nicht drauf gekommen.

Nach einigen Fragen meinerseits bekomme ich heraus, wer sie waren und in welchem Zimmer sie gewohnt hatten, ich habe nämlich allen Grund, mich an sie zu erinnern: kaum hatten sie das Zimmer bezahlt, rief mich der Autoverleih an (zufällig Lydias Vater), sie hätten ihren Mietwagen zwar vor die Tür gestellt aber nicht bezahlt, und ob ich ihnen vielleicht das Geld abnehmen oder sie bitten könnte, dort hin zu gehen und zu bezahlen. Ich erwischte sie noch und erntete fleißiges Kopfkratzen und Nichterinnern, zum Glück aber ergaben sie sich in ihr Schicksal und zahlten das Auto.

Dadurch konnte ich mich erinnern, dass der Mann mir statt eines Passes ursprünglich seinen Führerschein gegeben hatte, den er zurück haben wollte, als er den Wagen mietete. Da ich vermutlich zu Recht ein komisches Gefühl hatte, bestand ich darauf, dass er mir ein anderes Dokument gab, und bekam seinen Bootsführerschein. Als Pfand, wohlgemerkt, damit die Leute nicht abhauen ohne zu bezahlen – so wird das hier meist gehandhabt, und das ist nicht auf meinem Mist gewachsen, falls sich einer von euch fragt, worüber ich hier grad spreche. Also habe ich der guten Dame gesagt, ich hätte nie ihrem Pass gehabt, sondern nur den Bootsführerschein ihres Mannes, und so war auch das Thema geklärt. Ich habe zwar manchmal Gedächtnisausfälle, in diesem Fall war ich mir aber ganz sicher.

Womit mein oben erwähnter Kollege schon wieder mit einem neuen Zimmer ankam, und da ich schon informiert war, dass sie in die 29 gebracht werden sollten, teilte ich ihm das mit. Er meinte allerdings, es würde ihn genau so wenig interessieren, als wenn sie in die Nr. 9 sollten, also sagte ich ihm charmant auf Griechisch, dass ich schon verstanden hätte und nicht mehr mit ihm reden würde, und erledigte seine Aufgabe (die Koffer trug ich allerdings nicht).

Was er hat und warum ist mir jetzt aber auch egal. Ich habe ja meine Schokolade.

Also ich weiß nicht

Heute flogen die ganze Zeit Spatzen durch die Rezeption und das Hotel allgemein. Mehrmals saß ein Spatz auf meiner Marmor-Rezeption und beäugte mich. Ich dachte mir nicht viel dabei, überlegte allerdings, ob das ein Zeichen sein könnte.

Gegen 11h kam eine Freundin vorbei, rief mich aber vorher an, wie ich denn meinen Tee trinke, ob mit Zucker oder Milch oder einem von beiden oder wie auch immer. Ich dachte, sie wäre unten in der Cafeteria und machte mir da gerade Tee als Überraschung. Aber nein, sie machte den Tee schon zuhause und fuhr mit meinem und ihrem Teebecher auf dem Armaturenbrett balancierend 2 km ganz langsam in die Stadt, ohne allzu viel zu verschütten, und kam damit durch den Haupteingang. Sie war begeistert ob ihrer surrealen Aktion, und die Wedding-Plannerin, mit der ich gerade eine Abrechnung machte, zuckte nicht mal mit der Wimper.

Etwas später kam eine der Putzfrauen äh Raumpflegerinnen zu mir und drückte mir wortlos zwei Spatzenbabys in die Hände. Und drehte sich um und hinterließ mich da mit 2 Vogelbabys. Ich fragte etwas ratlos meinen Kollegen, ob er wüsste, wo die herkämen, und wir stöberten ihr Nest auf und setzten sie wieder rein.

Das hat jetzt alles so rein gar nichts mit normalem Hotelbetrieb zu tun, und als ich heute Abend darüber nachdachte, fragte ich mich, ob ich nicht doch schon weiße Mäuse sehe. Ich weiß es nicht – ihr?