“Einer hier” und “einer dort”?

Erinnert ihr euch noch an den Hotelgast, der oder die mich im vergangenen Sommer schwer bemitleidete, dass ich auf einer verlassenen Insel im Winter mein Dasein fristen muss, weil hier ja kaum Menschen wären (mutmaßte sie so)? Nun ja, hier in meiner warmen Wohnung sitzend, zusammen mit meinem Freund, 2 Hunden und zur Zeit 5 Katzen fühle ich mich gar nicht einsam. Und auch da draußen sind, man solle es kaum glauben, Menschen, mit denen man auch im Winter verkehren kann, auch wenn die meisten hier ein Bisschen komisch sind, das dürfte euch auch nicht entgangen sein, und ich schließe mich da ja auch gar nicht aus.

Aber ihr wisst sicher noch nicht, trotz aller Mordgelüste im Sommer, von denen ich hier brav berichte, dass mir jetzt tatsächlich ein böser Anschlag in die Schuhe geschoben wird. Und zwar von meiner ehemaligen Vermieterin, die mir damals noch harmloseres unterstellte, wie “der Schimmel in der Wohnung käme durch das Atmen meiner Hunde”. Nun bin ich ja bekanntlich schon seit Monaten dort ausgezogen und jetzt glaubt sie, ich hätte versucht, sie – und ihren Mann und ihre Hunde und die Katzen und überhaupt wahrscheinlich alles, was kreucht und fleucht – umzubringen, da der Klima-Anlagen-Techniker beim Ausbau meiner Klima-Anlage die Kabel oben auf dem Dach einfach hat hängen lassen. Die hingen nun, wir haben ja Regenzeit, offensichtlich in eine Pfütze auf dem Dach und wenn man den Strom angeschaltet hätte, wäre ich sie alle auf einen Schlag losgeworden. Man solle sich das mal vorstellen. Da kommt man ja glatt ins Träumen. Aber ich habe gesagt, sie solle ihre Mordtheorien bitte an die richtige Stelle schicken – nämlich an den Mann, der dafür bezahlt wurde, seinen Job zu machen.

Auch sonst geht es im Moment auf Paros hochkriminell zu. Da meinen manche schon, ich berichte aus Süd L.A.! Neulich haben wir einen Polizisten in ein Haus begleitet, in das eingebrochen worden war, da ich übersetzen musste zwischen dem, der die Polizei brauchte und dem Polizisten selbst. Erstaunlicherweise kam der Polizist sogar, das hat mich schon gewundert, ist ja halbwegs beruhigend, sollte mal jemand an meinen scharfen Wachhunden vorbei kommen wollen. So sind wir in dieses Haus durch das offene Fenster eingestiegen, brav im Stockdüsteren hinter dem Polizisten her, der seine Waffe bereithielt (oder sich an ihr festhielt, sogenau kann ich das nicht sagen, es war ja dunkel). Da wurde mir mal wieder klar, wie nützlich ich bin, denn er hatte keine Taschenlampe dabei, ich dafür ein kleines Feuerzeug mit Minilämpchen. So bahnten wir uns den Weg zum Stromkasten vor, bis wir Licht anmachen konnten, ohne von gemeingefährlichen Verbrechern übemannt zu werden. Nur um festzustellen, dass “diese” wahrscheinlich nur einer war, der nichts geklaut, sondern sich nur ein Bett zum Schlafen gerichtet hatte. Irgend ein armes Schwein also, so sind wir ziemlich unverrichteter Dinge davongezogen, auch wenn es uns natürlich mal wieder einen langweiligen Wintertag bereichert hat!

Etwas beunruhigend hingegen fand ich , dass der Polizist meinte, mich zu kennen. Ich habe in letzter Zeit wohl zu viel Kontakt mit Polizisten gehabt. Daher bin ich froh, dass ich nicht auch noch bei der Barbie-Puppen-Gang dabei war.

Aber mal von vorn. Hier findet wöchentlich ein Treff statt, wo Leute Dinge austauschen, die sie nicht mehr haben wollen. Also so eine Art Second Hand Markt ohne Geld. Ich selbst war noch nicht da, aber ich überlege, nächstes Mal doch hinzugehen. Beim letzten Treffen blieb eine Tüte mit ganz vielen (nackten) Barbies und Kens übrig, die niemand haben wollte. Nachdem also ein paar Leute zu tief ins Glas geschaut hatten, nahmen sie auf dem Rückweg die Barbies und Kens mit und platzierten sie, so lange der Vorrat reichte, auf den Türknäufen diverser Geschäfte in der Market Street.

In der selben Nacht fand dort ein versuchter Einbruch statt, und zwar bei einem Geschäft, das eine Barbiepuppe auf dem Türknauf hatte. Eine Freundin, die dort im Geschäft arbeitet, versuchte, da sie von der Barbiepuppenaktion wusste, die Puppe rechtzeitig zu entfernen, was der Chef allerdings nicht zuließ, weil er es für ein wichtiges Indiz hielt. Die Polizisten waren aber eher weniger begeistert von noch mehr Arbeit und wussten das Barbiepuppenindiz recht uninteressiert sofort auszuschließen. Andere Geschäfte hingegen waren etwas beleidigt, dass alle anderen eine Barbiepuppe an der Tür hatten und sie nicht. Eins davon hat wohl eine Überwachungskamera. Noch werten sie den nächtlichen Film wahrscheinlich aus und ich frage mich, ob sie die Barbiepuppenverteiler für die versuchten Einbrecher halten werden. Von einer Verhaftung habe ich aber noch nichts gehört.

Ansonsten ist hier alles eher harmlos. Nur am Rande bemerkenswert ist vielleicht jemand in Aliki, der mein Fischernetz benutzt, mit dem ich damals meine Fenja eingefangen habe, um einen entwischten Hund wieder einzufangen. Wie der Rattenfänger von Hameln also läuft er gelegentlich in Aliki auf und ab. Die dortigen Kinder sind ganz begeistert und helfen mit, den Hund zu suchen. Andere halten ihn wahrscheinlich nur für einen harmlosen Irren. Wovon es hier, siehe oben, ja genug gibt.

Und damit bin ich heute durch, tut mir Leid, dass ich euch so lange auf News habe warten lassen, irgendwie ist mein Winter zu ereignisreich!

Einundzwanzigeinhalb Wochen

Montag, der 11.10. war dieses Jahr mein letzter Arbeitstag – letztes Jahr war es der 14.10. – also hatte ich gut geschätzt.

Ich habe genau 21,5 Wochen Saison gehabt. Eigentlich gar nicht so lang, wenn man mal drüber nachdenkt. Und trotzdem zu lang, wenn ich die Stunden bedenke, in denen ich Leuten und Situationen ausgesetzt war, die immer unerträglicher wurden…

Ich weiß nicht, ob ich jemals wieder im Hotel arbeiten kann. Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, mich auch nur noch einmal mit so einem bedepperten Franzosen (die müssen jetzt mal als Beispiel herhalten, sorry George!) auseinandersetzen zu müssen… 15 Jahre sind genug.

Also endlich aufatmen. Der dritte freie Tag, den ich mit herumtüdeln und aufräumen zubringe, und draußen ist es ebenfalls den dritten Tag grau in grau. FRECHHEIT !!!

Aber immerhin, ich habe es überlebt, ohne dass es Tote gab!

Skurriles

So, ich muss jetzt mal rekapitulieren, in letzter Zeit sind diverse Dinge passiert, die ich nicht aufgeschrieben habe und chronologisch nicht mehr auf die Reihe bekomme.

Fangen wir einfach mal von hinten an. Ich bin immer noch im Hotel und die Chancen stehen gut, dass ich eine der letzten bin, die gehen wird. Ein Kollege hat gestern gerade sein eigenes Grab geschaufelt, indem er den Chef beklaute, als ich nicht da war, um die Checkout-Einnahmen gewissenhaft zu verwalten – leider hatte mich ein böser Magen-Darm-Virus außer Kraft gesetzt. Der Chef war auch ein paar Tage nicht da und kam heute wieder. Den Täter überführte er aber gleich ohne Probleme – “er sitzt da mit hochrotem Kopf in der Cafeteria – να ο κλέφτης ! – na der Dieb!”

Der Dieb hat neulich auch angekündigt, unter die Gewalttäter gehen zu wollen – anscheinend strebt er eine neue Karriere an -, und nicht ohne Genugtuung würden auch andere mit ansehen, wie er unseren verhassten anderen Kollegen wie angekündigt “verhaut, bevor er geht”. Mit dem meine Lieblingsputzfrau, die Russin, und ich neulich lautstark Streit hatten. Das heißt, er hat sie beschimpft, sie hat zurück geschimpft und ich bin mit eingestiegen. Auf die Ankündigung des Diebs, auch für sie ein paar Schläge loszuwerden meinte sie “na das kann ich auch ganz allein, wenn ich möchte”. Das glaube ich auch ohne Zweifel, mit der möchte man nicht Streit haben.

Die andere Putzfrau, Bulgarin, bot mir ihren “sehr starken Mann” zur Hilfe an, als sie hörte, dass ich neuerdings einen Stalker habe, der mir das Leben schwer macht. Sie würden jederzeit kommen und helfen, sagte sie. Wie genau, habe ich mich nicht getraut zu fragen, aber bei “großem und starken Bulgaren” habe ich schon gewisse Vorstellungen, und es könnte ja nützlich sein, sich das warmzuhalten, weiß man’s? Man sieht also, es zahlt sich aus, mit allen Leuten ein gutes Verhältnis zu haben.

Aber natürlich kann man nicht mit jedem ein gutes Verhältnis haben. Der zu verhauende Kollege ist einfach nur übel, und die Kampflesben sind letzte Woche abgereist, was unser Hotelsklave, der Pakistani, und ich mit imaginärem Champagner gefeiert haben. Ich habe selten jemanden so strahlen sehen wie ihn an ihrem Abreisetag. Und seitdem gehe ich auch viel lieber zur Arbeit. Sicher ist euch oben aufgefallen, dass ich schrieb, die Chancen “stehen gut”, dass ich bis zum Schluss bleibe – wer darüber gestolpert ist, Gratulation. Nun ist nämlich nicht nur das Arbeiten viel angenehmer, sondern auch alles Geld, was jetzt noch reinkommt, ist willkommen, da wir zum 01.11. umziehen. Ja, mit der neuen Wohnung hat es geklappt. Wir wohnen demnächst mitten in Parikia und doch im Grünen, 1km von Lydias Schule entfernt und 500m von ihrem Ballett. Da kann die Lydia demnächst also sogar zu Fuß hingehen, wenn die Mama wie tot mit Magen-Darm im Bett liegt und nicht in der Lage ist, sie da hinzufahren.

Das war’s dann auch für heute – nur mäßig spannend, ich weiß, aber ich musste doch mal wieder von mir hören lassen!

Da steckt man nicht drin

Heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit habe ich gedacht, Mensch ich hab schon lange nichts beklopptes mehr zu berichten gehabt. Das war ein Fehler. Ich hätte es gleich wissen müssen… damit beschwört man ja nur Sachen herauf. Es ist wie wenn man denkt, Mensch, mein Auto war schon lange nicht mehr kaputt – dann fällt mit Sicherheit der Auspuff ab oder die Batterie ist den nächsten Tag tot. Schon oft genug erlebt. Also besser nicht zu viel denken.

Nun ja, es fehlte gleich nach Ankunft meine Lieblingsputzfrau – sie ist auch noch nicht wieder aufgetaucht, obwohl es schon 11.15h ist. Gestern habe ich noch gedacht, ich muss mir mal ihre Handynummer geben lassen, für alle Fälle. Habe ich vielleicht hellseherische Fähigkeiten? Sie hat mir übrigens vorgestern erzählt, dass jemand ihr von der Belegschaft gesagt hätte, ich hätte behauptet, sie würde nicht gut putzen. Was sie zum Glück nicht geglaubt hat, und interessant vor allem ist – wem soll ich so was gesagt haben, denn, auch wenn ich es hätte sagen wollen, ich tausche mich ja hier höchstens mit meinem Blog aus. Habt ihr vielleicht irgendwo gelesen, dass sie nicht gut putzt?

Die andere Putzfrau kommt und berichtet mir, dass Gäste sich bedient und über Nacht die Waschmaschine benutzt haben. Das ist wohl ein Kompliment – die fühlen sich ganz wie zu Hause!

Um 9.10h falle ich fast vom Stuhl, weil die Musik in der Cafeteria (Insider nennen sie “army cantine”) plötzlich so laut ist, dass ich glauben könnte, wir hätten ein Erdbeben der Stärke 6. Nachdem die Musik nach einer gefühlten Ewigkeit noch immer so laut ist, gehe ich runter und bitte meine sogenannten Kolleginnen höflich, aber bestimmt, doch die Musik wieder runter zu drehen, denn es würden noch sicher einige Gäste schlafen. Als ich mich schon umgedreht habe höre ich ein sehr bedrohliches “Ey!!! Martina!!!”. Drehe mich um und blicke in die geröteten und geweiteten Augen meiner “Lieblingskampflesbe”. “DAS WAR NICHT ICH. HÖRST DU? DIE MUSIK HAT SICH VON ALLEINE AUFGEDREHT. HÖRST DU????” Hmm. To be honest I don’t f*** care if it was the president of the United States. Seit dem Moment genau habe ich Kopfschmerzen.

Kurz darauf kommen sechs – Hilfe !!! – Franzosen zu mir, und nachdem sie ihre Enttäuschung darüber überwunden haben, dass ich kein Französisch spreche, möchten sie ein Auto für 6 Personen mieten. Ich telefoniere herum, nur um mittendrin herauszufinden, dass sie meinen “Lieblingskollegen” derweil auch schon damit beauftragt haben und ein Auto bereits unterwegs ist. Offensichtlich kommen wir ihnen unterbeschäftigt vor, oder aber sie möchten auf Nummer sicher gehen. Weiß man’s?

Na ja, da steckt man nicht drin. Apropos – seit gestern stecke ich übrigens in meiner mutmaßlichen 4. Woche rückwärts… vielleicht habe ich ja auch Glück und darf eine Woche früher gehen. Träumen darf man ja, gell.

Unfreiwillig komisch

Ich muss euch unbedingt erzählen, warum ich gestern wieder kichernd hier in der Rezeption saß.

Aber dafür muss ich vorgreifen. Am Dienstag kam der nette junge Mann, der das Hotel mit Zeug beliefert, etwas verwirrt in die Rezeption. Normal bringt er die Sachen zu mir ins mittlere Stockwerk und von dort aus bringen die Putzfrauen die Sachen dort hin, wo sie hin gehören. Diesmal hatte ihm aber “die Blonde” (Kampflesbe Nr. 1) gesagt, er möge alles “nach unten” (in die Cafeteria) bringen. Also zeigte ich ihm den Seiteneingang zur Cafeteria, um ihm das Leben leichter zu machen.

Gestern kam er plötzlich wieder – wäre ja auch zuviel verlangt, dass sie mal an einem Tag alle Bestellungen gesammelt durchgeben -, einen Sack Waschpulver über der Schulter, verdrehte die Augen und sagte, diesmal wäre er gleich nach unten gegangen, aber jetzt hätten sie ihn wieder nach oben geschickt. Ich grinste und sagte, siehst du, was ich hier täglich mitmache, das machen sie aus Prinzip. Hauptsache, sie können Leute herumkommandieren.

Nun werdet ihr euch sicher fragen, was daran lustig sein soll. Na ja, das kommt ja noch. Denn 10min später saß ich oben und hörte ihre Stimmen unten im Flur: “Wo hat er denn jetzt das Waschpulver hingebracht?”

Das war wie Komödie live, ich kam aus dem Kichern gar nicht mehr raus. Wahrscheinlich erinnern sie sich hinterher nicht mehr daran, was sie zu wem gesagt haben. Davon abgesehen, dass sie ja gar nicht wissen, was für einen Gefallen sie mir damit tun, dass sie den gutaussehenden und charmanten jungen Mann täglich bei mir vorbei schicken. Ich darf ihnen das bloß nicht verraten, denn sonst fangen sie womöglich tatsächlich noch an, Bestellungen zu sammeln.

Als ich kurz darauf dann vom Pizzalieferanten eines hiesigen Italieners hörte, der eine Pizza vorige Tage abends auf die Blue Star brachte aber die Abfahrt verpasste, also unfreiwillig eine Reise nach Athen machte, war es vollkommen vorbei. Ich konnte nicht mehr.

Mein schöner Tag wurde nur getrübt durch ein griechisches Pärchen, das um 13h statt um 12h auscheckte und einen Aufstand probte, weil ich sie nicht geweckt hatte. Ich habe gar nicht gewusst, wenn auch durchaus mal geahnt, dass ich hier auch noch Nanny bin neben Rezeptionistin.

Vielleicht sollte ich mal einen roten Faden spinnen und einen Roman aus meinem Sommer machen. Oder ne TV-Soap – Charaktere und Erlebnisse als Vorlage hätte ich ja genug. Ich werde drüber nachdenken.

Mal sehen, was heute noch auf mich zukommt. Jedenfalls ist das Hotel wieder ziemlich voll. Sieht also durchaus danach aus, als wenn ich die nächsten 5 Wochen tatsächlich voll kriegen würde. Und somit noch ein Bisschen zu lachen habe, bevor der Winter über mich hereinbricht und ich gar nichts mehr erlebe auf meiner Insel, wo “einer hier” und “einer dort” lebt.


Der 28. August.

Heute Morgen beim Hunde ausführen fiel es mir wie Schuppen von den Augen: heute ist der 28. August. Noch heute und 3 Tage, und dann ist der gefühlt schlimmste August seit jeher vorbei. Falls ihr meint, dass ich jetzt auf meine Arbeit anspiele – ich habe auch noch ein Leben neben dem Blog.

Aber nun ist es fast September! Da kommen 1 – 2 – 3 – 4 – 5 – 6 – ? meiner liebsten Freunde aus Deutschland, die Arbeit wird weniger geworden sein und wir können endlich mal den Sommer genießen. RICHTIG Sommer. Ausgiebig zum Strand gehen (ich bin schon wieder weiß, seit ca. 3 Wochen nicht mehr am Strand gewesen…) und Essen gehen und einfach nur genießen.

Und sich freuen auf die touristenfreie Zeit. Gestern gab es bei mir den ersten Kampflesben-Tourismus. Ein Freund kam zu Besuch auf einen Kaffee ins Hotel. Sie waren alle da. Dabei habe ich überlegt, dass ich doch mal einen Stimmen-Mitschnitt machen könnte, um mich im Winter gelegentlich daran zu erinnern, wie gut ich es habe. Eine andere Touristin konnte es nicht fassen, als ich ihr auf ihre Nachfrage hin erzählte, dass ich das ganze Jahr über hier wohne. DAS GANZE JAHR? Was macht man da? Äh, leben vielleicht? Als ich ihr sagte, hier lebten 12.000 Menschen, fragte sie, aha, also einer hier (Handbewegung nach links) und einer dort (Handbewegung nach rechts), oder wie? Hmmm, ich glaube, sie hat eine falsche Vorstellung von Raum und stellt sich wohl vor, es ist dann so wie in Australien, wo alle 500km eine Farm ist? Jedenfalls kam ich mir für kurze Zeit ganz klein und mickrig und bemitleidenswert vor. Arme Martina.

Aber noch reißt der Strom der Verrückten hier nicht ab, ich brauch mich gar nicht zu früh bemitleiden. Nebenbei erfahre ich gerade, als eine auf den ersten Blick erkennbar völlig durchgeknallte, ältere Italienerin, Strich in der Landschaft mit Fluppe im Mund, ohne allzu viele Zähne, in die Hose gepinkelt – sieht man von hinten -, aus ihrem Zimmer direkt neben der Rezeption kommt, dass wir einen täglichen Tee-zum-Zimmer-bring-Service haben. Wusste ich auch noch nicht. Sie scheint ein VIP Gast zu sein, denn sie wird nicht bei mir bezahlen, sondern direkt beim Herrn, der sie gebracht hat, klärt sie mich auf, als ich nicht danach frage.  Und ich habe ein Déjà-vu, wenn die mit der Fluppe einschläft, dann darf ich wieder die Feuerwehr rufen – im besten Falle.

Kurz darauf informiert mich der Chef darüber, dass sie in ein anderes Zimmer umziehen soll, und ich habe ihn umgehend darüber informiert, dass das bitteschön der Herr, der sie gebracht hat, organisieren soll, ich würde mich nicht mit ihr befassen. Nennt man das Arbeitsverweigerung? Nach näherer Beschreibung der Umstände meinte er, wir sollten sie vielleicht doch lieber irgendwie loswerden. Aber ich kann das nicht tun, sonst gibt es wirklich Tote heute. Vielleicht mehr als einen.

Dabei haben wir es ja fast geschafft, wär doch schade drum.

*edit*
Und kommt ja selten vor, aber heute muss ich noch etwas nachtragen.

Frau Italienerin von oben kam später zu mir und bis mein Kollege mich rettete redete sie auf mich ein. Ihre wichtigste Frage war

“me I have just one worry, yes or no”.

Vielleicht bezog sich das ja auf die Frage, ob sie diesen Hotelaufenthalt von voraussichtlich 14 Tagen überleben würde angesichts meines begeisterten Gesichtsausdruckes. Ich weiß es nicht.

Ein Spanier kam zu mir und fragte mich, ob er weniger bezahlen würde, wenn er jetzt (also 12h) auschecken und abends (22h) wieder einchecken würde. Noch kreativer: Eine Irin wollte ihr in 2 Hälften gerissenes Buch an den losen Seitenenden mit Tesafilm geklebt haben: so hätten sie beide was zu lesen. Frage mich nur, ob derjenige, der die 2. Hälfte des Buches bekommt, die erste Hälfte danach liest.

Ein Freund der oberen 1 – 6 fragte mich via Facebook, ob ich sicher sei, immer noch in dem ihm bekannten Hotel zu arbeiten, für ihn hörte sich das etwas nach Klinik an. Ich sagte, nein, könne durchaus sein, dass ich mich bereits halluzinierend in einer solchen Klinik befände und nur glaubte, ich würde im Hotel arbeiten.

Immerhin gut zu wissen, dass es nicht nur mir allein so geht. Ein Leidensgenosse in einem Café in der Nähe postete via Facebook heute:

“And todays stupid question of the day award goes to an American who after spending 5 minutes looking at the bookshelves and the sign saying “Books for Sale” asked ” So you have books for sale here huh? These ones?”
No you fucking twat, the ones hidden away in the special secret cupboard under the stairs.
And he called me Ken.”

Er heißt natürlich nicht Ken.

Ratten im Keller

“Denn selbst im Keller … haben die Ratten sich erhängt.”

Diesen wunderschönen Satz höre ich immer wieder in einem Lied von “rosenstolz”. Ich finde ihn klasse, er drückt so viel aus, ohne es direkt zu sagen. Ich gebe zu, ich bin neidisch, gern würde ich selbst auf so einen grandiosen Satz gekommen sein.

Bei uns ist es nämlich auch bald soweit, dass die Ratten sich im Keller erhängen werden, und ich geselle mich vielleicht zu ihnen.

Ihr wisst ja, dass ich eine unliebsame Kollegin habe, Kampflesbe Nr. 1. Heute Morgen beglückte sie mich gleich kurz nach meinem Eintreffen – meine Lieblingszeit für Stress – mit ihrer Anwesenheit. Der Dialog ging in etwa so:

Sie: (ohne guten Morgen natürlich) Wie viele Zimmer haben wir frei?

Ich: Meinst du jetzt, was von letzter Nacht leer geblieben ist, oder was heute noch frei wird?

Sie: Ich brauche ein Zimmer, und zwar jetzt.

Ich: Was für ein Zimmer, wofür?

Sie: ein Zimmer halt. Für meine Freundinnen.

Ich: Ach so, das Zimmer hat mir der Chef schon gesagt, sie kriegen die Nr. 6.

Sie: Die Nummer 6? NIEMALS! AUSGESCHLOSSEN!!!

Ich: …

Sie: Für so viel Geld will ich ein gutes Doppelzimmer! Was ist frei? (dreht sich um) Die Nr. 19, ist die frei?

Ich: das ist ein Viererzimmer. Und es ist erst 8.50h, ich habe noch nichts frei.

Sie: ja, aber die kommen in einer Stunde, ich will das Zimmer vorbereiten!

Ich: JA ABER ES IST NOCH ZU FRÜH WIR HATTEN NOCH KEINE CHECK-OUTS (wie war das nochmal, 12h ist Check-out…).

Sie: Ok (schimpft), dann sag aber dem Chef, dass sie niemals die Nr. 6 nehmen!

Ich: WELCHES ZIMMER DEINE FREUNDE NEHMEN IST MIR SOWAS VON EGAL. Ich sage ja nur, was der Chef gesagt hat.

Womit sie auf und davon stürmt.

Kurz darauf kommen Franzosen zu mir, die mal wieder nur mit Mühe und Not und Händen und Füßen mit mir sprechen können, weil ich kein Französisch spreche. Sie wollen ihre Wäsche hier waschen. Ich sage ihnen die Adresse der Laundry. Sie wollen hier im Hotel. Ich sage, das ist leider nicht möglich. Sie sagen, man(n) hätte ihnen gesagt, dass sie hier Wäsche waschen dürften. Ich sage, tut mir Leid, aber ES IST NICHT MÖGLICH.

Wir haben 2 Waschmaschinen für 50 fucking Zimmer, die Putzfrauen schaffen so schon die ganzen Wäscheberge nicht, und da gehen meine sogenannten Kollegen, die Zimmerabschlepper am Hafen, hin und versprechen den Leuten das Blaue vom Himmel. Ich bin dann den nächsten Morgen der Idiot vom Dienst, der sie darüber aufklären muss, dass es den Weihnachtsmann leider doch nicht gibt. ICH BIN ES SO LEID.

Dann kommt ein “Freund des Chefs” zu mir, um sein Zimmer zu bezahlen. Dieser kam eines abends und wurde als “Freund des chefs” deklariert und weder eingecheckt, noch wurde mir eine Notiz da gelassen, ob er bezahlt und wenn ja, wie viel. Musste ich also Chef anrufen, der unwirsch wurde; das hätte er doch gesagt, so wurde ich auch unwirsch und erklärte ihm, dass ich hier, wie so oft üblich, keinerlei Infos vorliegen hätte. Natürlich war das nicht das Ende der Geschichte, denn der Freund des Chefs fühlte sich natürlich unfair behandelt und wollte weniger bezahlen.

Bald darauf höre ich auf einmal viele Stimmen. Die Kampflesben nähern sich, kommen die Treppe hoch. Oh Gott, sie haben sich vermehrt, das hier ist auch wieder Hardcore. Das Doppelzimmer, das  nicht in die Nummer 6 gehen sollte, ist angekommen. Langsam bekomme ich Angst. Wenn ich jetzt den ganzen Tag das Gejaule von 4 Stimmen statt zwei anhören muss, dann werde ich mich wohl wirklich zu den Ratten in den Keller begeben.

Aber ich hätte noch eine Anekdote von gestern, die lustig ist. Meine Kollegin vom Abend, meine Freundin, hat mir gestern erzählt, dass der Neffe vom Chef einen sehr schönen Mund hat. Einen unglaublich schönen Mund, findet sie. Ich wusste, in welchem Zimmer er wohnt, hatte ihn aber noch nicht gesehen. Und ich muss sagen, es ist schon sehr lustig, den Leuten den ganzen Tag zu versuchen nicht auf den Mund zu starren, aber trotzdem ergründen zu wollen, wer denn nun der schicke Neffe ist. Und ich habe es geschafft, denn ich bin ja ein kluges Mädchen.

Und auch dieser Arbeitstag ging Gott sei Dank zu Ende. Noch 7 Wochen. Ich schaffe es.

“Our parents had the same concerns”

Ich habe ja in letzter Zeit desöfteren meinen Unmut über Menschen hier kundgetan. Ihr seht ja, bzw. lest einen Ausschnitt davon, wieviel “menschlicher Müll” mir täglich begegnet.

Andererseits gibt es aber auch wieder die besonderen Menschen. Und derer gibt es in meinem Leben erstaunlich viele. Wie viele liebe, tolle, herzliche, unterstützende, positive, spannende, intelligente, anregende und einfach gute, nicht böse Menschen darf ich meine Freunde nennen, sowohl hier vor Ort als auch in aller Welt. Es sind nicht mal nur meine “besten Freunde”, mit denen ich dauernd zu tun habe, es können zum Beispiel auch anteilnehmende Facebook-Freunde sein, die mir tolle, positive Impulse geben. Die ich nicht mal besonders gut kenne, wo aber trotzdem ein kleines, aber schönes Band entsteht. Oder Menschen, denen ich einmal begegnet bin – begegnet im wahrsten Sinne des Wortes -, und mit denen ich heute noch offenen, warmen Kontakt halte. Oder meine englischen oder irischen Freundinnen, mit denen ich mir gestern die Nacht um die Ohren geschlagen habe (mit 31 darf man das ;-) ), die mich so zum Lachen bringen, dass ich mich wundere, wie ich, äh wie drückt man sich hier elegant aus, geht glaube ich nicht, den Abend überlebt habe, ohne mir in die Hose zu machen. Andere, die immer in Krisenzeiten plötzlich zur Stelle sind, und die ich Tag und Nacht anrufen dürfte. Oder oder oder. Es gibt so viele tolle Menschen auf der Welt, das darf man nicht vergessen. Und ich habe das Glück, sehr viele davon zu kennen.

Morgen Abend werde ich wieder neue Menschen kennen lernen, und ich bin ganz gespannt. Kunden, die über mich ein Zimmer gebucht haben, wo sich schon im Vorfeld ein interessanter Dialog entwickelt hat. In diesem Fall geht es um ein Pärchen aus Deutschland, eine Deutsche und ihren Partner, einen Griechen, der in Deutschland lebt, aber im Sudan aufgewachsen ist. Wo er geboren wurde, habe ich vergessen, aber wir haben in diesem Dialog festgestellt, dass wir beide “made in Africa” aber für die Geburt in europäische Länder ausgeflogen worden sind. Wie er so schön zusammenfasste “our parents had the same concerns”. Ich glaube, es ist sehr selten, dass man jemanden kennen lernt, der SO ETWAS mit einem gemeinsam hat. Und die ganzen Email- sowie SMS-Kontakte waren so erfrischend, dass ich sehr gespannt bin.

Vielleicht ist das auch wieder der Beginn einer Freundschaft. Ich werde nie vergessen, wie eines Tages ein Pärchen in meiner damaligen Pension “Sakis Rooms” vor mir stand und zu mir sagte “Sind Sie Frau Blair?”. Allein aufgrund eines einzigen von mir verfassten Artikels: Eine Katze erzählt beschloss man im fernen Plankstadt, sich auf den Weg zu machen und mich kennen zu lernen. Zum Glück! Das war 2002 und seitdem sind sie Menschen, die aus meinem Leben einfach nicht mehr wegzudenken sind.

Also werde ich die 70% Idioten morgen Vormittag einfach ignorieren, sind ja auch nur noch 7,5 Wochen in etwa, mich riesig auf den Abend freuen und im Notfall meine neue Strategie anwenden. Am Samstag war ich einfach so penetrant freundlich und liebenswert zu allen, sogar den nervigsten Leuten, dass jeder Widerstand zwecklos war!

Dann wünsche ich mal gute Nacht und ab morgen eine gute Woche!

Lieber Gott,

bitte hilf mir, auch heute nicht durchzuknallen.

Ein Dialog soeben mit einem Italiener mit irrem, paranoiden Blick:

Er: ICH WILL AUSCHECKEN, ABER ICH HABE EINE BESCHWERDE ÜBER DAS ZIMMER.

Ich: Ja, was ist denn?

Er: DAS BADEZIMMER HAT KEIN FENSTER!!

Ich (muss einen Moment Luft holen): Ja, aber das haben Sie doch gestern sehen können, als Sie sich das Zimmer anschauten.

Er: Ja, aber das Badezimmer hatte kein Fenster, und das mochte ich nicht.

Ich: Ja, aber Sie hätten doch das Zimmer nicht nehmen müssen, und wir haben die Tatsache, dass es kein Fenster hat, ja auch nicht verschleiert.

Er: Aber man hat mir gesagt, es war das letzte Zimmer.

Ich: Ja, hier vielleicht, aber auf der ganzen Insel Paros (ich deute nach draußen) gibt es noch viel, viel mehr Zimmer, es hat Sie niemand gezwungen, das Zimmer hier zu nehmen.

Worauf er still wurde, immer noch aggressiv drein schaute, aber das Zimmer bezahlte. Mein Gott, der nächste Amokläufer ist unterwegs. Zum Glück isser jetzt weg.

Leider ist es aber so, dass es nicht bei dem einen bleiben wird. Es ist immer so.

Kurz darauf, ein Zimmer muss für 3 Nächte à 75 Euro bezahlen.

Ich: das sind 225 Euro bitte.

Die 3 Jungs: Warum? Es ist doch 75 Euro pro Nacht gewesen.

Ich: ja, hole meinen Taschenrechner hervor und tippe: 3 x 75 Euro = 225 Euro.

Ok, sie schlucken es.

Nächste Kundin: Haben Sie einen Taschenrechner? Was ist 240 durch 4?

Ich (ohne Taschenrechner): 60 Euro. Sicherheitshlaber rechne ich ihr das aber doch vor, falls sie meint, ich wolle sie betrügen.

Sie: hat meine Freundin mit dem Ohr bezahlt?

Ich: du meinst die, die hier vorhin weinend durchgerauscht ist, mir sagte, sie hätte Ohrenschmerzen und ob sie schnell mit dem Bus mitfahren könnte, sie könne kaum laufen?

Sie: ja, die.

Ich: nein, hat sie nicht.

Sie: I will kick her ass.

Soviel zu Verständnis unter Mitmenschen.

Es ist erst 10.50h. Was kommt wohl heute noch auf mich zu?

Lieber Gott, bitte mach, dass ich das hier überlebe….!!!

Der 13. August

Auch noch Freitag, der 13. heute. Er beginnt damit, dass ein Gast um 8.30h zu mir kommt, kaum dass ich meine Sonnenbrille abgesetzt habe, weil er seine Kleidung sucht. Er brauche sie jetzt dringend, denn er müsse gleich abreisen. Seine Kleidung? Meine großen Augen und meinen verständnislosen Blick könnt ihr euch sicher vorstellen. Erklärung: die blonde, tätowierte Frau [Anm. der Redaktion, der Ausdruck Schlampe wurde durch “Frau” ersetzt] abends in der Cafeteria habe sie ihm, nachdem er sie waschen ließ, aufgehängt, vor zwei Tagen wohlgemerkt. Er habe sie immer wieder darum gebeten und gestern Abend habe sie zum 5. Mal gesagt, sie würde sie ihm bringen, was sie, wie ihr euch denken könnt, sonst würde ich mich da jetzt nicht mit befassen müssen, nicht getan hat. Nun hatte ich also genau zwei Minuten Zeit, um in 2 Gebäuden nach Wäsche zu suchen, denn er musste natürlich die Fähre um 8.40h schaffen. Das liebe ich ja. Kaum durch die Tür habe ich Stress wegen irgendwelcher Idioten. Mit Hilfe der Putzfrauen haben wir dann auch die Wäsche gefunden. Immer noch auf dem Dach von Gebäude 2 hängend.

Kurz darauf rauschen 2 Franzosen, die natürlich nur Französisch sprechen und nichts anderes verstehen durch die Rezeption, ich verstehe nicht, was sie wollen, biete ihnen Englisch, Deutsch oder Griechisch an, aber nix, mit Händen und Füßen und sehr genervt, dass ICH nicht Französisch spreche, teilen sie mir mit, dass sie mich um 12h informieren werden, ob sie bleiben oder abreisen.

Kaum ist das geklärt kommen die nächsten Franzosen zu  mir. Sie wollen zahlen. Soweit so gut, das ist im Sinne des Erfinders, und sie können auch etwas Englisch. Gebucht hatten sie durch www.booking.com. Aber da geht es auch bereits los. Sie wollen nur die 2., angehängte Nacht bezahlen, die erste hätten sie bereits bezahlt. Und wie das halt so ist, wir haben zwar eine Kreditkartennummer als Sicherheit bekommen, aber das Zimmer muss immer vor Ort bezahlt werden. Da ich das schon öfter gemacht habe, bin ich mir dessen auch ganz sicher.

Aber diese behaupten steif und fest, sie hätten schon bezahlt. Wo das Geld hingegangen ist, kann ich nicht herausfinden, und aus ihren Unterlagen geht nichts wirklich Deutliches hervor. Natürlich drängt auch hier die Zeit, denn es muss auch hier eine Fähre erreicht werden. Da ich sie leider nicht gehen lasse aufgrund ihrer Behauptung allein, das Zimmer sei bezahlt, rufe ich bei booking.com an und bitte um Hilfe. GOTT SEI DANK ist da jemand Kompetentes am anderen Ende, der den Leuten erklärt, dass ich Recht habe und das Zimmer nicht bezahlt ist. Nun hatten sie das Zimmer durch irgendein ominöses Reisebüro gebucht, und wir stellen nach gründlichem Lesen all unserer Unterlagen fest – das alles zur Checkout-Rush-hour wohlgemerkt -, dass wir eine unbekannte Kreditkartennummer mit englischer Adresse haben, also versuche ich diese zu belasten, und sie geht sogar durch. Zur Sicherheit fotokopiere ich deren Unterlagen alle und gebe ihnen Kopien von meinen, denn vielleicht will die ominöse englische Kreditkarte ihr Geld zurück. Dinge geschehen, die gibt es gar nicht.

Als nächstes muss ich mich um die Italiener kümmern, Zimmer 11. Der Mann ist ein unsympathischer, eiskalter Typ. Dennoch freue ich mich, dass ein Zimmer mit Doppelbett auscheckt, in das sie gestern unbedingt ziehen wollten, weshalb sie eine ganze Zeit schlecht gelaunt in meiner Rezeption rumstanden, weil ich gestern eben kein solches anzubieten hatte. Der Chef hätte doch schon lange gewusst, dass sie umziehen wollten, ließen sie ihre schlechte Laune an mir aus, aber da mich ja keiner informiert und ich, ihr wisst bereits, keine hellseherischen Fähigkeiten habe, konnte ich nichts machen. Mein Standardspruch in der Hochsaison ist, dabei weiß  ich gar nicht, ob ich ihn gestern überhaupt angebracht habe, dass ich leider nicht anbauen kann. Wenn kein Zimmer frei ist habe ich eben kein Zimmer anzubieten. Als ich ihnen jedoch heute mitteile, dass sie umziehen dürfen, wollen sie auf einmal nicht mehr.

Wo ich grad dort bin stelle ich fest, dass die Nr. 13 ausgecheckt, aber den Schlüssel mitgenommen und den Wasserhahn im Bad angelassen hat. Ein anderes Zimmer, in das ich zufällig blicke, ist so voller Müll, dass ich es für euch mal eben fotografieren muss.

Mittlerweile sind es noch 3 Stunden bis Feierabend und ich bete inständig, dass nichts mehr passiert und ich diesen Tag überlebe, ohne jemanden umzubringen. Ich glaube, ich habe mir schon früher Gedanken darüber gemacht, ob ich vom Gefängnis aus meinen Blog weiterführen könnte. Dieser Gedanke kommt mir heute wieder in den Sinn.

Jetzt hab ich eben so was blondes, tätowiertes verschlafen in der Cafeteria rumlaufen sehen, ich kenn die Tante ja nicht mal, sie arbeitet erst seit ein paar Tagen hier, was ich auch nur so nebenbei herausfand, aber ich habe beschlossen, dass es besser ist, sie nicht anzusprechen. Für beide Seiten.

Bei all dem hab ich doch sogar unsere Zigeuner schätzen gelernt, die zwar zahlreich und zuweilen laut, aber dennoch freundlich und unproblematisch sind.

Ach ja und die Athener, Typ „Ausnahmen bestätigen die Regel“, sind doch so nett und rufen mir zu, während sie durch die Rezeption marschieren „eine Runde schwimmen wir heute auch für dich!“. Wie nett. Sie bleiben für ein kurzes Pläuschchen stehen, jetzt sind es nur noch 2 Stunden und Momente wie dieser helfen mir, weiterhin stark zu sein.

Dabei habe ich gestern ja sogar noch lautstark gelacht, die positiven Dinge will ich euch nicht vorenthalten. Unsere Kampflesbe war mehrere Minuten lang panisch durch die Gänge gerannt, nach unserem Haussklaven (das ist unser Pakistani) rufend, und dann frustriert abgedackelt. Kaum war sie die Treppe hinunter verschwunden, kam er plötzlich grinsend um die Ecke. Was für eine freundliche, nette Erscheinung. Die Putzfrau und ich brachen in hysterisches Gelächter aus. Situationskomik pur. Ich wette, das hat er absichtlich gemacht.

Und nun sind es noch 1,5 Stunden bis Feierabend. Ich werde es schaffen. Mein Chef rauschte übrigens auch gerade durch und meinte, er hätte gern ein Maschinengewehr.