“Da ist deine Sachen!”

“Da ist deine Sachen!”
Heute am See neben uns: das Russenvölkchen.
Ich werde nicht verstehen, warum Eltern in gebrochenem Deutsch mit ihren Kindern sprechen, wenn sie den Kindern doch ihre eigene Muttersprache richtig beibringen könnten. So würden die Kinder zwei Sprachen richtig lernen statt eine falsch.
Als irgendwann das Radio anging und ich fragte, ob sie keine Kopfhörer dabei hätten, guckten sie auch groß. Verstanden sie ja gar nicht, was für ein Problem ich hatte *lach*.
Ach ja. Immer wieder interessant, Leute zu beobachten.
Und jetzt warte ich auf das ersehnte Gewitter, damit es hier mal endlich abkühlt. Ist ja nicht auszuhalten!

Lebensrettung für Nachteulen!

Denkst du eigentlich auch, der Spruch “der frühe Vogel kann mich mal” ist dir auf den Leib geschneidert? Das habe ich auch immer gedacht und Morgen für Morgen den Wecker verflucht, der mich – leider viel zu früh – aus dem Schlaf gerissen hat. Nun habe ich seit etwa 2 Jahren eine lebensrettende sogenannte “Wake-up Lampe”, die Morgenlicht simuliert, das sich langsam steigert und einen auf natürliche Weise allmählich wach werden lässt, bevor ein Weckergeräusch deiner Wahl angeht. Damals wusste ich gar nicht, dass es so etwas gibt, sondern bin nach langem Googlen nach einem nicht ganz so ätzenden Wecker darauf gestoßen.

Was eine Erleichterung! Nun werde ich sanft und langsam wach, bevor der Wecker losklingelt (und wenn doch, macht es nix, da ich es auf Vogelgezwitcher eingestellt habe!) und kann mir schon fast einreden, ich sei der geborene Frühaufsteher (lach).

Diese Lampe habe ich damals für ca. 130 Euro gekauft, und zufällig habe ich gerade gesehen, dass es sie aktuell bei Tchibo im Angebot gibt. Einfach nach unten scrollen bis zur “Wake-up Lampe”. Es lohnt sich!

Macht ja nix!

Ungefähr 3000 Kalorien reicher falle ich sehr bald nach einem wunderschönen, glücklich machenden Geburtstag ins Bett. Nachdem ich eben noch etwas bei Facebook schauen und antworten muss. Viele liebe Glückwünsche, und über jede einzelne habe ich mich gefreut. Ich werde nie wieder denken, die anderen merken es eh nicht, wenn ich mal nicht gratuliere. Man merkt es vielleicht nicht, wenn jemand NICHT schreibt, aber man freut sich doch über jeden einzelnen Glückwunsch, der gekommen ist.

“Ich bin jetzt fertig”, sagt das Kind. “Hmmm, hmmm, die Mama, noch schreibend.
“Ich habe auch meine Zähne geputzt”, sagt das Kind und die Mutter wieder: “Hmmm, hmmm.”
“Ich gehe jetzt in mein Zimmer und mache eine Kissenschlacht”, sagt das Kind.
Darauf die Mama: “Wie, jetzt so ganz allein?”
Da lacht das Kind. “Ich wollte nur wissen, ob du wieder “Hmmm, hmmm” sagst, oder ob du mir zuhörst.”
Kluges Kind. Heute Mittag hat es ja schon mit Gratulanten telefoniert, als ich noch nicht zurück von der Arbeit war. Sagt meine Freundin später zu mir: “Mit Lydia kann man schon richtige Gespräche führen. Wie mit Erwachsenen! Gratulation zu dem Kind!”
Später frage ich Lydia: “Worüber habt ihr eigentlich geredet?”
Da antwortet sie: “Na ja, worüber Erwachsene halt so reden!”
Warum ich mich dann weggeschmissen habe, hat sie dann allerdings nicht wirklich verstanden….

Aber zurück zum Geburtstag. “Macht ja nix”, meint das Kind tröstend heute Morgen im Badezimmer.
“Halbzeit? Hoffentlich noch nicht!”, denkt die Mama angesichts der furchteinflößenden Zahl 45.

Mit der noch furchteinflößenderen Zahl von mindestens 3000 zu mir genommenen Kalorien gehe ich jetzt allerdings schlafen – rundum glücklich ob eines gelungenen Tages mit vielen lieben und herzlichen Menschen in meinem Leben. Und einigen wunderschönen Geschenken, über die ich mich sehr gefreut habe.

Danke, liebes Universum

Ein Zellhaufen

Ein Stichwort – das erreicht und erregt meine Aufmerksamkeit zufällig per SMS – und viele Gedanken. Mein Gehirn fährt mit mir Gedankenkarussell, sozusagen, und mir wird fast schwindelig. Es durchfährt mich wie ein Blitz, mitten an einem ganz normalen Tag. Ein Wort und viele Assoziationen. Wie die Jahre vergehen, immer schneller, eben war noch August, dann plötzlich, ohne dass ich es wirklich gemerkt habe, Dezember, selten ist mir das so bewusst geworden wie in 2012, und jetzt ist schon bald der erste Monat des neuen Jahres vorbei; ich bin gerade 44 geworden, und wenn es weiter so schnell geht wie bisher, dann bin ich ja quasi übermorgen schon 88!

Was sagt mir das? Nutz die Zeit, die Minuten, die Stunden, Tage, Monate und Jahre, die du noch vor dir hast. Zum Leben, Lieben, und Genießen, und vielleicht auch etwas hinterlassen, kreativ werden und Menschen berühren. Mein Karma? Ich bin für mein eigenes Schicksal zum Großteil verantwortlich. Ich kann, so glaube ich fest, daran mitarbeiten. Die Emotionen in den Griff bekommen, die Überbleibsel einer alten Traurigkeit endlich in die Freiheit entlassen – wie sagt Melody Beattie, „the only way out is through“; verdammt, irgendwann muss doch endlich Schluss sein mit der Fragerei, was ist falsch, was ist richtig; keine negativen Energien mehr in die Welt hinauslassen, nicht nachdenken, sondern machen, tun und leben.

Die Gedanken überschlagen sich. Was ist wichtig? Das Kind braucht Liebe, Geborgenheit, Bildung und Werte, Spaß an der Freud und, scheißegal, die Frage, kann ich das überhaupt, wische ich jetzt schnell beiseite, ich mache es so gut ich kann, und das ist mehr als mancher. Mein lebendiges und lebenslustiges sowie selbstbewusstes Kind ist der wandelnde Beweis. Mahnend schmeißt sich ein Gedanke dazwischen. Die Mama ist auch wichtig, ihr muss es gut gehen, damit sie dem Kind auch „geben“ kann. Die Welt bietet da genug Zerstreuung, man muss sie nur nutzen. Die Wunder von Mutter Erde, Schönheit, Freundschaft, Humor, Demut, Freude, Lachen, Liebe und Geborgenheit, den Luxus und die Freiheit, denken zu dürfen, Kreativität – was will man (frau) mehr? Es macht keinen Sinn, Zeit zu verschwenden mit Oberflächlichkeiten und Gedankenkarussell.

Ein Zellhaufen und viele Gedanken: an Beginn, Geburt und Entstehung und, unweigerlich: Ende und Tod. Der Kreis schließt sich und macht letztendlich Sinn. Auf ins Leben!

Aller Anfang ist schwer !

Na, so ganz überzeugend klinge ich heute natürlich nicht, wenn ich vom Anfang spreche. Dem Anfang von was? Ja, davon, den Blog zu neuem Leben zu erwecken. Lang, lang ist’s her, dass ich hier wirklich aktiv war. Im Mai, genau genommen. Warum? Nun ja, in erster Linie, weil es uns gut geht. Mir gut geht. Früher habe ich ja viel geschrieben, um etwas loszuwerden.

Selbstportrait

Durch das Schreiben, dadurch, dass ich etwas Abstand zu einem Thema gewinnen konnte, indem ich es aus einem humorvollen Blickwinkel beschrieben habe, habe ich viele Dinge verarbeiten und ertragen können. Und dann gibt es ja noch Facebook. Den Zeitfresser, da kann man mal eben schnell Fotos hochladen, schauen, wie es den anderen so geht, ein paar humorige Sätze mit Freunden wechseln, seine Stimmung in wenigen Worten in die Welt hinausposaunen. Kurzum: der Kontakt ist da, mit vielen, vielen lieben Freunden, mit der Außenwelt, mit dem Universum. Aber es sind ja nicht alle Freunde dort, und wie ihr ja wisst, ist das Schreiben eine meiner größten Leidenschaften, die auf Facebook definitiv zu kurz kommt, also habe ich mir vorgenommen, mich mal wieder um meinen Blog zu bemühen. Eine schöne Tradition, um die es schade wäre, wenn sie einschliefe. Finde ich.

Jetzt war ich nach einer Operation am Fuß gerade 2 Wochen krankgeschrieben und so hatte ich etwas Zeit, Muße und Ruhe – ich DURFTE ja auch den Hummeln in meinem Hintern nicht nachgeben – um mich damit zu befassen. Ich musste updaten, updaten, updaten, und das geht bekanntlich nur mit etwas Ruhe und vor allem ZEIT am Stück. Jetzt bin ich ein ganzes Stück weitergekommen und kann nun wieder posten – und auch wenn 1000e von Fotos mich hier quasi erschlagen haben, werde ich mich bemühen, auch sie mit euch zu teilen. So viele schöne Dinge haben wir im letzten Jahr erlebt und darum natürlich auch vieles fotografisch festgehalten. Ich kann ja bekanntlich nicht einen Schritt ohne Kamera gehen – was zu vielen lustigen Kommentaren führt wie “warum fotografierst du ‘jetzt’, oder je nachdem, wer fragt, ‘immer’ dein Essen?”.

Lecker FrühstückOder O-Ton Lydia: “Mama, musst du schon wieder den Sonnenuntergang fotografieren?” Ja, ich muss. Es tut mir Leid. Auch wenn wir nicht mehr in der Ägäis leben gibt es viele, sehr viele schöne Sonnenuntergänge, die die Mama fotografieren muss. Da kann man schon wieder dehnen, wie man möchte, da gibt es kein Pardon. So hat jeder so seine Süchte. Ich finde Fotografier- und Facebook-Sucht nicht so schlimm wie diverse andere. Ich könnte da ja jetzt weit ausholen, aber wer mich kennt weiß, auf was ich mich beziehe. Thema Sucht eben. Es könnte viel, viel schlimmer sein.

Unser See

Gewidmet einem lieben Menschen aus unserer Vergangenheit.

Aber zum Glück haben wir ja die unschönen Zeiten hinter uns gelassen und unser Fazit nach einem Jahr Deutschland ist:
es ist grandios! Wir lieben es. Ich habe es keine Sekunde lang bereut. Alles ist viel einfacher. Ich habe die Existenzängste hinter mir gelassen, den Behördenstress, die Angst, den Hubschrauber rufen zu müssen, wenn mein Kind auch nur annähernd danach aussah, als wenn es einen Arzt brauchte (mein Lieblingssatz von früher: “Lydia, denk dran, wir wollen jetzt nicht mit dem Hubschrauber nach Athen fliegen!” liegt mir zwar manchmal auf der Zunge, aber dann fällt mir ein, dass wir ja jetzt eine andere Infrastruktur zur Verfügung haben). Ich finde es immer noch total klasse, dass ich Wochenenden habe! Und Urlaub! Und Feiertage! Und die werden sogar bezahlt! Hammer!

Die berühmtberüchtigte Praxisgebühr von 10 Euro bezahle ich auch gern, daran denkend, dass meine Rückenschmerzen mit genau diesen plus 17 Euro für 5 Sitzungen Krankengymnastik “geheilt” wurden – wo ich mir in Griechenland doch fast den Magen kaputt gemacht habe durch monatelange Einnahme von 100er Voltarentabletten, die, zusammen mit teurer Physiotherapie (40 Euro pro Sitzung!), nur so viel brachten, dass ich mich bis mittags hinlegen musste, weil ich sonst nicht mehr laufen konnte. Und ich genieße den zivilisierten Umgang mit mir, dem Patienten. Wenn ich Leute hier nur meckern höre über “das Sch…gesundheitssystem” könnte ich mich vor Lachen so verschlucken, dass ich eben das in Anspruch nehmen müsste. Ihr habt ja gar keine Ahnung.

Lydia im Whirlpool

Lebenslust und Freude pur!

Aber das ist auch gut so, denn es macht das Leben viel, viel leichter. Ich bin locker, wenn etwas nicht klappt – habe ich mich doch in Griechenland jahrelang darauf programmiert, dass eigentlich nie etwas klappt und es sich nicht lohnt, sich aufzuregen -; aber meistens klappen die Dinge ja doch. Wenn in Griechenland ungefähr 9 von 10 Berserke im Straßenverkehr waren, dann ist es hier eben nur einer von 100, so stressfrei ist das Autofahren. Und Parken. Behördengänge sind stressfrei, absolut, hier in Oldenburg jedenfalls zieht man eine Nummer und kommt sofort dran. Ich wundere mich auch immer noch, dass sie dort freundlich sind und mir nicht jedesmal sagen, jetzt fehlt noch dieses oder jenes. Die Schule ist viel einfacher; in Lydias Klasse sind nur 13 Kinder, was ein Luxus, und sie sind dort viel behüteter. Die Hausaufgaben dürfen auch nur maximal 38 Minuten dauern.

Aber ich komm ins Schwafeln. Das muss nicht sein. Lieber mal ein paar Fotos suchen und Anekdoten dazu erzählen. Wir haben ja zum Beispiel einen wunderbaren Urlaub hinter uns – 2.300 km durch Deutschland gefahren, bin ja “autobahngeil”. In der Tat bekomme ich jedes Mal Hochgefühle, wenn ich auf die Autobahn fahre, und ich glaube, mein Fernweh wurde in 15 Jahren auf einer kleinen Insel so verdrängt, dass es jetzt umso mehr zutage kommt – Hummeln im Hintern ist kein Ausdruck für meinen “Zustand”.

Uns geht es gut :-)

Himmelsansichten

Nun wäre es ein wenig unrealistisch, wenn alles toll wäre; das nähme mir ja keiner ab. Also seien am Rande auch mal die unschönen Dinge erwähnt, aber wirklich nur am Rande und total unwichtig, eigentlich ;-). Traurig waren einige Trennungen von vermeintlichen “Freunden” – die aber offensichtlich mal wieder notwendig waren. Unsere Mitbewohnerin samt Tochter musste leider ausziehen und wir gehen unseren Weg weiter allein, und ein paar weitere “Freunde” mussten verabschiedet werden. Wer sich nicht weiter mit-entwickeln möchte oder meint, ich passe nicht mehr in sein Schema, der soll bitte wegbleiben und mich mein Leben so leben lassen, wie ich es möchte. So handhaben wir es immer, und es erstaunt mich doch immer wieder, wie sehr sich Menschen über das Leben eines anderen ereifern können, und wie oft es eigentlich nötig ist, “aufzuräumen”. Aber wir haben ja einige neue Freunde dazugewonnen sowie das Glück, viele alte Freundschaften weiter pflegen zu dürfen.

Ja, das Leben geht weiter, und das ist mal wieder der Beweis dafür, dass auch, wenn man manchmal meint, es ist zu düster, um es auszuhalten: es lohnt sich doch, dranzubleiben, am Leben :-).

Spießig? Spießig!

Ich nehme mal an, Spießigkeit bei Kindern mittleren Alters ist nicht allzu besorgniserregend und hat gute Aussichten, eines Tages zu vergehen. Wahrscheinlich sehne ich mich nach eben dieser Spießigkeit zurück, wenn das Kind die Punkphase in der Pubertät erreicht hat. Obwohl, ne Ratte würde mich nicht schrecken, die hatte ich auch, auch wenn ich kein Punk war. Damals. Lang, lang ist’s her.

Anlass zu diesen Gedankengängen gab ein Plakat im Parkhaus. Ich hatte es selbst noch gar nicht bemerkt, war vielmehr noch mit Einparken beschäftigt (und nein: ich brauch dafür nicht länger, weil ich ne Frau bin!), als Lydia schon hörbar die Nase rümpfte und sagte “da ist ein tätowierter Mann!”. Die Verachtung in der Stimme war ebenso nicht überhörbar. Ich dachte sogleich an Überfall im Parkhaus und sah mich kampfbereit um, als ich das Plakat entdeckte. Es war ein – hmmm, ich konnte nicht sagen, übel aussehender – aber tatsächlich deutlich tätowierter Mann. Lydias Abneigung wurde deutlicher, je näher wir dem Plakat kamen. Wiktoria aber schien ein Bisschen offener zu sein in der Hinsicht und meinte zu mir “findest du den auch so doof?”. Ich sagte, etwas verunsichert – was ist denn die politisch korrekte Antwort bei 8jährigen auf so eine Frage? – hmmm nö er sähe doch eigentlich ganz ok aus, “trotz der Tätowierung”. “Wegen” traute ich mich nicht zu sagen. Wobei Wiktoria offensichtlich erleichtert war,  dass sie das auch finden “durfte”.

Lydia blieb bei ihrer Meinung, und ich muss immer noch schmunzeln. Meine süße kleine Spießerin. Sie ist ebenso militante Nichtraucherin. In Griechenland ist sie schon als Vierjährige auf Barhocker gestiegen, um der Bedienung zu sagen, dass Rauchen ungesund sei und sie nicht atmen könne. Besser seine Meinung haben als gar keine, oder?

 

Manche Fragen kann man nicht beantworten

So wie: warum treten mein verstorbener (Ex)freund und mein Vater in meinen Träumen immer im Doppelpack auf? Weil sie beide innerhalb weniger als eines Monats gestorben sind, oder weil es zwei wichtige Menschen in meinem Leben waren, die mich plötzlich zurückließen, mit vielen Fragen, die mich immer wieder überfallen, aber die ich nicht beantworten kann? Am Tage denke ich wenig an sie, an meinen Vater desöfteren, aber an Chris werde ich oft erinnert, weil ich ihn plötzlich auf der Straße “sehe”. Ich muss oft zweimal hinsehen und mich besinnen, dass er tot ist.

Oder: warum unterstellt mir jemand, Lydia sei in Deutschland nicht glücklich? Jemand, der Lydia vielleicht ein, maximal zweimal in seinem Leben überhaupt gesehen hat, und seit unserem Umzug nach Deutschland schon gar nicht. Wenn man mich fragt – die Fotos (momentan eigentlich nur auf Facebook) zeigen ein glückliches Kind. Aber ich könnte natürlich voreingenommen sein. Nichtsdestotrotz: was gäbe es für Alternativen? Das Kind zur Adoption freigeben? Es nach Griechenland schicken, wo es sein Dasein zwischen Autos und Zigaretten fristen würde? Mich selbst kasteien, weil ich das arme Kind entwurzelt habe? Was bringt uns das? Und welch seltsame Befriedigung bringt jemandem das, nochmal ne Runde reinzuhauen in Wunden, die allgemein bekannt sind: “Ich bin eine schlechte Mutter.” Genau. Natürlich plage ich mich damit, aber ich tue auch mein bestes. Ich konnte nicht mehr in Griechenland leben, und habe meiner Tochter sogar die Wahl gelassen, ob sie dort bleiben wollte (die Antwort war eindeutig). Ich muss mich nicht rechtfertigen, aber jeder, der mich einigermaßen kennt, wird wissen, dass ich mir die Entscheidung nicht leicht gemacht habe. Und ehrlich gesagt: ich wünschte, ich hätte es. Ich hätte schon viel, viel früher nach Deutschland zurückgehen sollen, wo ich einfach viel, viel glücklicher bin. Vieles wäre leichter gewesen.

Das neue Leben in Deutschland geht seinen Gang und begeistert mich nach wie vor. Ich bin jeden Morgen glücklich, wenn ich wieder in Oldenburg aufwache – manchmal kann ich mein Glück gar nicht fassen. Zur Zeit ist Frühling und ich kriege nicht genug vom Singen der Vögel, dem Grün – ich liebe dieses grün überall – dem Geruch von gemähtem Rasen, Rhododendren, die blühen, Tulpen, Narzissen, und jetzt steht der Flieder kurz vor der Blüte, ich kann es nicht abwarten.

Seit meinem Beitrag “Never been closer” sind doch tatsächlich zwei Monate vergangen. Drei Wochen davon verbrachte ich in Griechenland, was für mein Empfinden einfach viel zu früh war. Aber ich “schlechte Mutter” wollte dem armen Kind so schnell wie möglich die Gelegenheit bieten, den Vater wiederzusehen. Mit allen meinen Sinnen habe ich mich gesträubt gegen diesen Urlaub in der Vergangenheit, ich wollte nicht hin, und siehe da, kaum war ich dort, raffte mich auch ein Virus ohnegleichen darnieder. Ich bin 10 Jahre schon nicht mehr so krank gewesen. Mit letzter Kraft schleppte ich mich zurück, schmuggelte das am Ende auch krank gewordene Kind noch ins Flugzeug (ich weiß, das tut man nicht!), und eben diese Krankheit war Anlass für o.g. Behauptung. Das Kind wollte Griechenland nicht verlassen, weil es  nicht in Deutschland sein will. Nun ja, siehe oben, Alternativvorschläge fehlen mir.

Ich denke mal, eine glückliche Mutter ist schon mal gar keine so schlechte Voraussetzung, im Gegensatz zu einer unglücklichen, die sich dauernd mit Existenzängsten plagen muss und nach 15 Jahren Null Bock hat auf Saisonarbeit und unterbezahlte Rezeptionsjobs. Der Besuch in Griechenland bestätigte mir, dass es die richtigste Entscheidung war, die ich treffen konnte – wenn ich auch weiß, dass richtig nicht richtiger als richtig sein kann, bevor mich jetzt jemand wegen des Superlativs korrigieren will. Athen, das ich nie so besonders schön fand, ist heruntergekommen. Überall Ruinen und Müll, nur die Ratten habe ich nicht gesehen – genau genommen wirkte es auf mich, wie ich mir Kairo vorstelle. Paros war – vielleicht lag es an der Jahreszeit oder an meinem Fieber, wer weiß – trostlos. Viel weniger Autos als sonst verkehrten. Oder habe ich mir das nur eingebildet? Der Wind machte mich fertig. Der geflügelte Satz des Urlaubs war, ganz griechischer Besserwisser: “erlaube mir, meine eigene Meinung zu haben, und du weißt, ich habe eine objektive Meinung”. Genau, fuck you. Was zum Teufel ist eine objektive Meinung? Wenn du meine Meinung nicht hören willst, warum fragst du mich dann? Natürlich haben wir die übliche griechische Gastfreundschaft erlebt, daran hat auch die Krise nichts geändert. Dennoch, für mich war es einfach viel zu früh.

Ich muss mir noch ein dickeres Fell zulegen. Ich ertrage viel, aber mit zunehmendem Alter scheint er zu bröckeln, mein Selbstschutz.

So entlasse ich euch mit diesen melancholischen Gedanken ins Wochenende. Aber macht euch keine Sorgen – es geht uns gut!

Ein alter Mann

Spaziergang
Ein alter Mann,
geht allein durch den kalten,
sonnigen Wintertag spazieren,
um Haltung bemüht.
Die Arthrose
macht das Gehen schwer.
Etwas lastet
auf seinen zerbrechlich wirkenden Schultern.
Ich frage mich, was diese schon getragen haben.
Sein einsames Gehen
berührt mich.
Ich möchte
meine Hand ausstrecken
und seine Einsamkeit
wegwischen,
die ich auch
bei anderen
nicht ertrage.
Aber ich sage nichts.

Spaziergang

Ein alter Mann
geht allein durch den kalten,
sonnigen Wintertag spazieren,
um Haltung bemüht.
Die Arthrose
macht das Gehen schwer.
Etwas lastet
auf seinen zerbrechlich wirkenden Schultern.
Ich frage mich, was diese schon getragen haben.

Sein einsames Gehen
berührt mich.
Ich möchte
meine Hand ausstrecken
und seine Einsamkeit
wegwischen,
die ich auch
bei anderen
nicht ertrage.

Aber ich sage nichts.

Never been closer

No, never been closer to happiness…

Es gäbe so viel zu erzählen, dass ich nicht weiß, wo anfangen. Wir sind so glücklich, dass ich nicht weiß, wie erklären. Wir haben so viel zu tun, dass ich nicht weiß, wann erzählen!

Kurz: Deutschland macht mich irgendwie high. Natürlich kann das auch daran liegen, dass ich bei einem Schuhmacher arbeite und die Klebstoffe wirken. Wenn, dann hatte ich noch nie einen besseren Job und sollte mein Chef mir kündigen, wird wohl eine Entziehungskur angesagt sein. Aber das wird hoffentlich nicht so schnell passieren. Meine Arbeit ist toll, macht mir Spaß, obwohl ich manchmal “langweilige” Dinge tun muss, derentwegen ich meinem Chef offensichtlich leid tue. A piece of cake! Er weiß ja auch nicht, wie das ist, 15 Jahre lang in Griechenland Saisonarbeit im Hotel gemacht zu haben. Da kann mich so schnell nichts umhauen.

Es macht mich high, dass ich Wochenenden habe. Jede Woche aufs neue, 2 Tage frei. Der Hammer! Wir haben kulturell Entzugserscheinungen und nehmen alles mit: Flohmärkte, Messen, Austellungen.

Lydia wächst zur kleinen Dichterin heran. Neulich: “Mama, heute leuchtet die Sonne so wie in Griechenland!” Gestern: “Mama, das war ein großes Wochenende. Wie sieben Tage frei.” Wacht sie nachts auf und ich frage sie, was sie hat: “Alles gut, Mama!” Ich schmelze dahin.

Ich würde sagen, wenn man die Behrens, die man schon über 20 Jahre kennt, anruft und mit “Hallo Tröte“ begrüßt wird, wenn man grinsend bei Nieselregen zur Arbeit fährt, weil man sich an ein Gespräch vom Wochenende erinnert, wo man auf den Spuren der Vergangenheit wandelte, wenn Lydia beim Schnippeln von Gemüse sagt, “Mama, wenn du immer „hmm, hmm“ sagst, wenn ich dir was erzähle, dann habe ich das Gefühl, dass du mir nicht zuhörst”, wenn man sich dauernd totlacht und eigentlich meint, man müsse aufgrund von chronischem fröhlich sein eingeliefert werden, wenn es ein erhebendes Gefühl ist, mal eben nach Bremen fahren zu können, um Freunde von vor über 20 Jahren zu treffen – dann weiß man, dass man etwas richtig gemacht hat.

Alles gut; alles wird gut. Das hoffe ich auch für Griechenland. In Griechenland habe ich gelernt, im Jetzt zu leben, zu genießen, zu essen, zu kochen… den Wert der einfachen Dinge und die Großzügigkeit von Menschen zu schätzen, spontan zu sein, zu improvisieren, dass jeder Sonnenuntergang anders ist, wie Tomaten eigentlich schmecken müssen, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen und ein wunderschönes Land, seine Sprache und lustigen und kreativen Menschen zu lieben. Ich habe Erfahrungen gemacht, die mein Leben lang vorhalten werden und Freundschaften geschlossen, die für immer bei mir sein werden. Griechenland hat einen Zauber inne, den auch die Krise nicht zerstören wird. Ich bin dankbar dafür, dass Griechenland mir so viel gegeben hat und wünsche seinem Volk viel Kraft. Ich bin dort, wo ich jetzt bin, glücklich, es ist der richtige Ort zur rechten Zeit, but I will always love you.

Alles ist gut.