Weil ich ein Nerd bin!

Ach, mein Kind mal wieder. Mama muss am Abend unbedingt ein einstündiges Webinar besuchen – ihr erstes überhaupt, übrigens. Die Mama lernt unheimlich gern dazu, besonders bei Dingen, die sie brennend interessieren. Also, ausnahmsweise muss das Kind mal still sein. Nur eine Stunde lang.
Das Kind fragt: “Worum geht es denn da?”
Die Mama: “Das hat was mit Computern zu tun. Mit einem Programm. Ich würde gern was dazulernen.”
Das Kind: “Bist du etwa ein Nerd?”
Die Mama lacht. Das Kind fügt hinzu: “Ich mag keine Nerds.”
Etwa eine Stunde später ergibt es sich, dass die Mama vom Computer Musik aufs Handy des Kindes lädt. Lydia schaut fasziniert zu, wie die Ordner auf ihrem Bildschirm erscheinen, während ich am PC herumtippe. Auf einmal heißt es, mit bewunderndem Blick: “Mama, warum kannst du sowas?”
Die Mama, grinst, frech. Ihre Zeit ist gekommen: “Weil ich ein Nerd bin!”

Stolz aufs Kind

Mein Kind holt mich bei der Arbeit ab und beim durch die Tür gehen hält sie eben diese für einen Herren auf. Der Herr ist zufällig ein Anwalt, der in den Räumen über meiner Arbeitstätte seine Kanzlei hat. Ich kriege ein “Daumen hoch”. “Super erzogen, die Kleene!” sagt er.

Kurz darauf kommt er mit zwei Schoko-Nikoläusen wieder. Offensichtlich hat es ihn sehr beeindruckt, dass ihm eine Zehnjährige die Tür aufgehalten hat. Er sagt zu ihr: “So gutes Benehmen muss umgehend belohnt werden!” und sie strahlt wie ein Honigkuchenpferd, als sie die Nikoläuse entgegen nimmt.

Einen Moment später gibt es zwischen ihr und dem Chef einen Schlagabtausch, ein Wort ergibt das andere und das eine ist hässlicher als das andere. Es endet damit, dass Lydia dazu verleitet wird, “du bist alt” zu ihm (meinem Chef!) zu sagen. Sie spielt beleidigt.

Ein paar Minuten später hält sie ihm einen Weihnachtsmann entgegen und sagt: “Hier, für dich. Weil ich dich alt genannt habe.” Ich brauch ja wohl nicht zu sagen, wie stolz ich auf sie war?

In Athen hupen sie sogar die Ampeln an!

Das Kind ist in Griechenland, und zwar seit einer Woche. Beim Papa. Ich darf 4 Wochen und 6 Tage frei genießen, jetzt sind es nur noch 3 Wochen und 6 Tage. Aber total tiefenentspannt darf ich im Augenblick tun und lassen, was ich will, wann ich will, wie ich will. Kein kleiner Control Freak, der mir reinredet oder ein schlechtes Gewissen macht ;-). Keine(r), die/den ich versorgen muss. Die Wollmäuse werden aktuell geflissentlich übersehen (und ist der Ruf erst ruiniert… so oder ähnlich war es doch?).

Die einzigen Termine, die ich einhalten muss, sind meine Arbeitszeiten. Aber in 2 Wochen habe ich davon auch 3 Wochen frei. Die Schnittmenge ist: ca. 11 Tage “mit-ohne” beide Control Freaks (Kind und Chef ;-) ). Und jede Menge Zeit. Ein Traum.

Und damit hier auch mal wieder gelacht werden kann, hier mal ein Schwank aus Athen, O-Ton mein Kind (das ein guter Beobachter ist):

“In Athen hupen sie sogar die Ampeln an, damit sie grün werden. Was soll die Ampel denn machen? Sagen, sie hört Stimmen, oder was?”

Feierabendbrief

Hallo Chef,

hier mein Protokoll des Freitagnachmittags:

a) alle Kunden mit einem Knall habe ich wieder weggeschickt. Das waren 100 von 100.
b) Einer wollte gleich gelöscht werden, so dass ich ihn auf die rote Liste gesetzt habe.
c) Da Punkt a) Überhand nahm, habe ich ein Schild ins Schaufenster geklebt, dass Sozialarbeiter (Sorry, Lynn, du weißt, Ausnahmen… und so) und Menschen mit Profilneurosen das Geschäft nicht betreten dürfen.
d) Allen Kunden, die eine Lappalie für ein ernstes Problem halten und mir damit auf die Nerven gingen, habe ich die Reiseroute nach Griechenland äh Afghanistan ausgedruckt in die Hand gedruckt.
e) Allen potenziellen Maßschuhkunden habe ich den doppelten Preis genannt, damit es sich dann auch richtig lohnt. Bei Frauen habe ich gleich das Vierfache angeschlagen.
f) Da meine Quelle keine Monitore für Fußböden liefern kann, habe ich sie bei Thomann bestellt, und zwar nach der Devise, nur das Teuerste ist gut genug. Die Zahlung geht über dein Paypal Account.
g) Ich habe alle Zubehörkataloge liegen lassen, damit du sie immer gleich griffbereit hast.
h) Allen Anrufern habe ich gesagt, sie sollen am Samstag zwischen 9 und 10 zurückrufen und dich besser persönlich sprechen.
i) Die Datenfutter-Dateien habe ich auf F:/ gefunden. Dabei habe ich so ziemlich alles gelöscht, was ich für unwichtig erachtete, und das war viel.
j) Für ab Montag habe ich auf Firmenkosten veganes Essen auf Rädern bestellt, denn nur ein gesundes Team leistet hochwertige Arbeit. Ich denke, das ist auch in deinem Sinne.
k) Den Staub habe ich von links nach rechts gepustet (eigentlich unwichtig, aber ich wollte nichts auslassen).
l) Autogrammangebote von mir unbekannten Prominenten habe ich abgelehnt mit dem Hinweis, sie könnten sich damit den Allerwertesten wischen. Kennst du einen Robbin Williams oder so ähnlich?
m) Leider habe ich vergessen, ob ich die Tür abgeschlossen habe oder nicht. Soll ich die Polizei anrufen, damit sie mal nachschaut?
n) F1 habe ich nicht vergessen!

Dann bis Montag und schönes Wochenende!

 

Adieu

Adieu.
Sitzengelassen
hast du mich,
einfach so,
wie kannst du nur.
Zurückgelassen,
allein,
wütend,
mit vielen Fragen
ins Nirvana.
Eine Antwort
bekomme ich nicht.
Nie mehr.
Deine Sucht
war stärker
als deine Liebe.
Ich bin stärker
als meine Trauer.
Trotz alledem:
ich denk an dich.
Fröhliche Weihnachten.

Sitzengelassen
hast du mich,
einfach so,
wie kannst du nur.

Zurückgelassen,
allein,
wütend,
mit vielen Fragen
ins Nirvana.

Eine Antwort
bekomme ich nicht.

Nie mehr.

Deine Sucht
war stärker
als deine Liebe.

Aber ich
bin stärker
als meine Trauer.

Und trotz alledem:
ich denk an dich.

Fröhliche Weihnachten.

Freiheit

“Schließ in der furchtbaren Stunde des Todes die Augen,
und siehst du dann
Santorin oder Naxos oder Paros oder Mykonos,
so kommst du sicherlich ins Paradies,
ohne dass die Erde dazwischentritt.
Denn was sind Abrahams Schoß
und die immateriellen Gebilde des christlichen Paradieses
vor dieser griechischen Ewigkeit
aus Wasser, Stein und frischer Sommerbrise!”
(Nikos Kazantzakis)

Die Freiheit ist wie das Meer:
Die einzelnen Wogen vermögen nicht viel,
aber die Kraft der Brandung ist unwiderstehlich.

Václav Havel

Stumm

Es ist schwer, in Zeiten wie diesen, die Dinge in Worte zu fassen, da bleibt man dann manchmal einfach stumm. Ich will es aber dennoch probieren, sonst wird auf diesem Blog nie mehr etwas veröffentlicht. Vielleicht hilft es mir, über die Lähmung hinweg zu kommen, die mich erfasst hat, seit in Japan die Erde gebebt hat und die Wassermassen ganze Dörfer, Boote, Kleinstädte, Züge, Schulen, Unis, inklusive all der Menschen und ihrer Kinder, Freunde und Verwandten, ihrer Kollegen und ihrer Haustiere, und so weiter, da gibt es sicher viele, die ich vergessen habe, einfach weggespült haben. W e g g e s p ü l t. Als wären sie Spielzeug. Noch vor ein paar Tagen habe ich anhand der Flüsse auf Paros versucht, meinem Kind zu erklären, Wasser ist stärker als alles andere, das war noch vor dem Erdbeben…

Ich versuche mir vorzustellen, ganz Paros würde überflutet, weggespült, und welche Schicksale dahinter stecken würden, welch immense Trauer bei so vielen Menschen das verursachen würde. Die Bilder von Autos und Häusern, die “einfach so” – so sieht es aus -, zusammengedrückt und weggespült wurden, gehen mir nicht mehr aus dem Kopf. Die Menschen, die von Hügeln dabei zusehen und die weinenden Kinder, die man nur flüchtig zu sehen bekommt. Ich versuche, nicht zu weinen. Mein Kind hat schon zu viel gesehen, O-Ton gestern am Telefon mit der Oma in Deutschland: “Oma, hast du gesehen, was in Japan passiert ist? Die ARMEN MENSCHEN!!!”. Ich weiß, dass solche Eindrücke für Kinder viel bedrohlicher sind.

Kinder. Ich rieche es, ich sehe es, und ich weiß genau, wie es sich anfühlt, dort in den Straßen der Küstendörfer, in Japan, oder in Tokio. Ich war dort als Kind, ich erinnere mich gut. Und ich wollte eines Tages wieder dort hin zurück, auf den Spuren meiner Kindheit wandeln. Vielleicht wird das nie mehr möglich sein, Tokio könnte kontaminiert werden und über Jahrhunderte (Jahrtausende?) hinweg nicht bewohnbar sein. Noch weiß keiner, wie es ausgehen wird, aber es ist schlimm, und es könnte noch viel, viel schlimmer werden. Und überhaupt, wohin mit 35 Millionen Menschen? Die armen, gebeutelten Menschen würden sicher dort wohnen bleiben und die statistisch hohe Lebenserwartung der Menschen in Japan schnell senken. Nicht auszudenken, was für eine Art Strahlung wie weit reicht und was diese anzurichten in der Lage ist. Was ein Alptraum. Es verfolgt mich bis in den Schlaf – wie muss es erst für die Menschen dort sein?

Nicht zu vergessen natürlich anderswo die Menschen, die lieber sterben, als in Unfreiheit zu enden. Rebellen, die von einer arabischen “Witzfigur” (wenn sie nicht so traurig wäre), getötet werden, wenn nicht noch viel schlimmeres. Völkermord, weil ein Despot meint, über Millionen andere herrschen und entscheiden zu müssen. Mütter, die ihre Söhne verlieren und wahrscheinlich verzweifelt versuchen, ihre Familien und Kinder zu retten und durchzubringen.

Mütter, genau. Warum habe ich ein Kind in diese Welt gesetzt? War das nicht wahnwitzig? Unglaublich verantwortungslos? Was wird dieses Kind in seinem Leben vielleicht noch zu sehen bekommen, erleiden müssen? Die Welt ist im Aufruhr, und wir können nichts tun außer uns Sorgen machen, was unseren Kindern vielleicht zustoßen könnte. Das ist viel schlimmer, als würde es nur um uns selbst gehen.

Da ess ich doch gleich noch ein Stück Kuchen. Warum soll es mich kümmern, ob ich dick oder dünn bin? Morgen ist vielleicht schon wieder alles vorbei, wir könnten wahlweise verstrahlt oder verschluckt oder Krebs bekommen oder einfach vom Auto überfahren werden. Da nehm ich doch heute noch mit, was ich mitnehmen kann. Scheiß drauf.

Endlich mal wieder Reitstunde

Lydias erste Reitstunde vor fast 3 Jahren... schaut mal die kurzen Beinchen an

Lydias erste Reitstunde vor fast 3 Jahren... schaut mal die kurzen Beinchen an

Und nach langer Zeit jetzt mal wieder, die Beine sind extrem viel länger und der Reitlehrer möchte, dass Lydia auf ein anderes Pferd umsteigt und nun RICHTIG lernt! Hier ein paar Fotos vom letzten Samstag:

Bloggeschehen

Oder eher NICHT?

Wenn ihr nur wüsstet, was ich wieder alles an Unglaublichem erlebe – habe ich im Leben ein Abenteuerlich-Abo? -, nur leider ist es von so privater Natur, dass ich es nicht in meinem Blog veröffentlichen kann… und wenn ich es könnte, käme ich eh nie dazu, da mein Kind von den letzten 16 Schultagen (einschließlich kommenden Mittwoch) genau 9 Tage frei hatte. Dazu die Wochenenden. Also wird Lydia vom 27.10. an bis zum 17.11. 7 Tage zur Schule gegangen sein, alle anderen Tage waren frei. Wegen Feiertagen, Lehrerwahlen und allgemeinen Wahlen…! Gut, dass wir jetzt so zentral wohnen, denn so kommen dauernd Leute auf nen Kaffee vorbei, so dass uns nicht langweilig wird. Aber ich habe eben so gar keine Zeit für Computer und arbeiten!

Ich hoffe, das ändert sich bald wieder :-). Ganz liebe Grüße aus dem warmen Paros an alle.