Als Dschungelkind unterwegs

Heute habe ich ja mal nur gestaunt. Ich war beim Frühtanz. Den Ausdruck kannte ich entweder nicht, oder 15 Jahre im Dschungel, äh, sorry, auf einer griechischen Insel, haben ihn ausgelöscht. Den Tanz in den Mai kannte ich natürlich noch, aber Frühtanz? So ganz bewusst war mir nicht, wo ich hinfahren würde, dachte vielleicht an eine Art kollektives Maifeiertagskaffeetrinken in einem biergartenähnlichen Café, oder so, bekam aber meinen ersten Schrecken, als ich die Adresse der Lokalität im Internet fand: “Tanzlokal für Ü25er”. Ojemine. Tanzen? Ich? Am hellichten Tage?! Und so junge Leute? Über 25jährige? Da lieg ich ja nun weeeeeeeit drüber. Au weia! Aber Anja hatte mich dazu überredet, und ich bin ja bekanntlich offen für neues. Sie ist auch keine 25 mehr, daher gab es Hoffnung, mich nicht total zu blamieren. Kein Zurück und kein Kneifen also.

Nachdem wir, also die Familie, heute Mittag erst mal für die Mädels den Tag der offenen Tür eines Reitstalls besucht hatten, damit wir die zwei und ihre Reitwünsche unter Dach und Fach kriegen und das Genöle endlich hinter uns lassen können, stürzte ich mich unerschrocken ins Abenteuer “Frühtanz”. Renata übernahm die Mädels, ich war erst abends wieder dran.

Mein Fazit: so ist das also, wenn in Norddeutschland die Sonne scheint. Ich muss mich in der Tat noch an das veränderte soziale Verhalten im Norden gewöhnen, ein Bisschen bin ich noch an das griechische gewöhnt. Fleischbeschau auf norddeutsch ist anders, aber witzig. Und ich habe ganz viel neues Vokabular dazugelernt. Eigentlich hätte ich mitschreiben müssen, und nachdem ich diverse Male nachgefragt hatte, was dieses oder jenes Wort bedeutet, fragte mich jemand “wo kommst du denn her?“. Aber nicht böse, eher nett-neugierig, als sei ich ein seltenes, ausgestorben geglaubtes Exemplar einer Art Dinosauriers, oder ein Landei *zwinker*, oder ein Dschungelkind. 15 Jahre Griechenland reichten aber als Erklärung voll aus. Nun kenne ich also die Bedeutung von Wörtern wie Hupe (nicht die des Autos), Lampe (äh da muss ich glaube ich nochmal nachfragen), Frühtanz (s.o.), Charlie (ein Getränk, aber schlagt mich jetzt nicht tot, wenn ich nicht mehr weiß, was drin ist!) und gefühlt mindestens 20 weiteren Wörtern. Man war jedenfalls sehr geduldig mit mir. Und ich habe mich köstlich amüsiert.

Also Danke, liebe Anja, für einen sehr kurzweiligen Tag :-).

7 thoughts on “Als Dschungelkind unterwegs

  1. Also, an Charlie hab ich mich irgendwann mal ziemlich über…. also, ich hab das mal ausgiebig getrunken und dann nicht wieder, das ist Cola-Weinbrand (ich mag bis heute keinen Weinbrand mehr).
    Immerhin etwas, was ich weiß ;)
    Ich freu mich so sehr für dich, es macht Spaß zu lesen, dass es dir gut geht!

  2. Ja, ja die Sache mit den Mundarten… und irgendwie verstehen wir uns alle doch :-)

    Hallo meine liebe,
    deine Ausführungen haben mich sehr erheitert und ich möchte unbedingt meinen Senf dazu abgeben. Denn: Du weißt, ich bin schon lange kein ‘Dschungelkind’ mehr, in Niedersachsen aufgewachsen und mich einigermaßen regelmäßig zwischen diesem und 2 weiteren Bundesländern am Aufhalten. Aber trotz ausgiebiger – wenn auch selten gewordener – Feierei und Ausgeh-Freude und viel, viel Erlebtem in unterschiedlichsten Gesellschaften und mit unterschiedlichsten Nationalitäten, ist auch mir all das Zitierte noch nie untergekommen. Naja, einschränkend bis auf den Standard-Ausdruck ‚Hupen‘ vielleicht, wenn damit weibliche Brüste gemeint sein sollen, der wohl primär durch Dieter Bohlen & Co. ins Lexikon der Umgangssprache aufgenommen wurde.

    Frühtanz?? Wie bitte? Ich neige dazu, rein vom Wortlaut her, hier ein Kaffee-Kränzchen ab 70 aufwärts zu assoziieren… ;-) Und Charlie???? Beim besten Willen, spontan würden mir da nur politisch unkorrekte Völker-Bezeichnungen aus Zeiten des Vietnam Kriegs einfallen – um nichts in der Welt jedoch ein Getränk. Sogar laut Wikipedia (ja, man muss sich ja fortbilden ;-)) ist dies ein nur „in einigen norddeutschen Regionen“ vorkommender Begriff für Cola Weinbrand, von dem ich wage zu behaupten, dass du diesen auf keiner bspw. Hamburger Getränkekarte je finden wirst. Jede Region hat ihr Kult-Getränk, das mit eigenem Namen versehen ist, ein paar Ortschaften weiter kennt’s niemand mehr.

    Will heißen, dass du dir überhaupt keine Gedanken darüber machen musst, du würdest evtl. Alien-Gene in dir tragen, denn es liegt nicht an dir, es liegt an der Mundart deiner Umgebung ;-).
    Bei uns gab’s früher ‘Mische’, und wer weiß schon in Oldenburg was genau das ist.. Oder fahr mal nur von Hamburg nach Berlin oder anders herum, Wortspiele und Namen für regional praktizierte Ereignisse überschlagen sich und sind dem geneigten Besucher fremd bis nicht nachvollziehbar. Beispielsweise ist das für uns so berühmte und selbstverständliche Franzbrötchen für die allermeisten südlich von Hannover bereits ein Fremdwort.
    Deine 15 Griechenland-Jahre sind nicht schuld an deiner Unwissenheit spezifischer Ausdrücke, aber ab jetzt, dank deiner neusten Erfahrungen bestimmt auch ganz praktisch, um sie in geeigneten Momenten als Deckmantel für vermeintliche Halbbildung einzusetzen :-)!!

    Ich werde mir heute Abend dann mal einen leckeren ‚Katze Spezial‘ genehmigen. Alles klar, oder ;-)?

    Fröhliches Worte-Raten wünsch ich dir aus dem hohen Norden,

    fühl dich gedrückt, Ela

  3. Liebe Martina,

    ich “verfolge” Dich schon sehr lange im Internet und auch Deinen griechischen Blog, eigentlich warst Du einer der ersten Blogs, die ich gelesen habe. Ich habe viel von Dir mitbekommen, von Paros, als Miriam noch klein war, ich habe den Babyblog so gerne gelesen, weil Du so eine süße Maus hast. Ich habe auch weiter gelesen, wollte aber nicht weiter in Deine Intimspäre eindringen, es gab dann password-geschützte Artikel. Wir kennen uns nicht und daher wollte ich da nicht weitergehen. Ich weiß, dass du mittlerweile in Deutschland bist. Aber ich bin gerade auf Kreta und habe noch einmal bei Dir reingeschaut. Du bist eine mutige Frau!

    Alles Liebe und Gute für Euch
    Gabriela

  4. Liebe Martina,

    als ich-Französin-zum ersten Mal in Bayern war, dachte ich, sie sprechen alle hier chinesisch!*gg*

    18 Jahre später verstehe ich mühelos 99,99% der Gespräche der hiesigen Einheimischen und kann sogar ein paar Brocken Bayerisch sprechen (I bi net dumm!).

    Übrigens: ich habe endlich die Diagnose Borderline erhalten und lasse mich scheiden.

    Liebe Grüsse aus dem A*** der Welt
    Milla

  5. lese ich ja jetzt erst…. und musste schmunzeln. klar, mir als norddeutsches urgewächs und dann auch noch aus der unmittelbaren gegend, sind diese begriffe mehr als geläufig – aber ich hoffe ganz stark für dich, dass du sie nicht (bittebittebitte) in deinen wortschatz mit aufnimmst. ;-) ich gebrauche sie auch nicht, glaub mir….
    liebe grüsse
    martina

  6. Hallo Martina

    ich lese nun schon seit einiger Zeit deinen Blog, versuche so nach und nach auch dazu zu kommen, deine Geschichte von Anfang an zu lesen, auch die Babyseiten der kleinen Lydia :)

    Ich selber habe Depressionen, diagnostiziert seit ich etwa 16 bin (heute bin ich 23)und kann insofern einige deiner Lebensabschnitte doch gut nachvollziehen. Ich wollte dir an dieser Stelle einmal meine Bewunderung aussprechen, dass du alles so gut meisterst/gemeistert hast.
    Meine Kinder sind übrigens auch am 14.09. geboren (Zwillinge) und werden diesen Freitag 2 Jahre alt und mein drittes Kind kommt im Januar zur Welt. Alles drei Mädchen übrigens :)

    Liebe Grüße aus Hamburg, von Anna und Nick mit Lydia, Emily und Diana inside

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