Warten auf Godot

Ich weiß zwar nicht viel über Samuel Beckett, und ich könnte es eigentlich ergooglen, aber ich könnte schwören, dass er mal in Griechenland gelebt hat. Das Stück hat mich damals schon fasziniert, bevor ich in Griechenland lebte, und heute ist Godot praktisch allgegenwärtig.

Allerdings ist es heutzutage lange nicht mehr so schlimm, und wenn man dann mit Godot rechnet, und jemand anders kommt, und sogar ziemlich schnell, kann das zu lustigen Situationen führen.

Wie neulich zum Beispiel. Da klopft es an der Tür und ein sehr besorgter Freund stürmt rein, außer sich, dass sein Motorrad angeblich geklaut worden ist. Sein Motorrad war liegengeblieben, er hat die Werkstatt benachrichtigt, und kurz darauf ist er nochmal an der Stelle vorbei gefahren, wo die Werkstatt das Motorrad abholen sollte, und es war weg. Unmöglich, dass die Werkstatt es schon abgeholt haben konnte. So schnell könne keine Werkstatt sein, schon gar keine griechische. Leider kam man zu der Zeit telefonisch nicht zur Werkstatt durch, so dass der gute Freund ein paar Stunden zittern musste, bis ich am frühen Abend eh in der Nähe war und bei der Werkstatt vorbei fahren konnte, um herauszufinden, ob es vielleicht (wie ich ganz stark glaubte) nicht geklaut worden war.

Lydia und ich fuhren da also vor und nahmen die Motorräder, die vor der Tür standen, in Augenschein. Lydia meinte “das ist es”, aber ich war nicht so sicher, also stiegen wir aus und glotzten weiter gründlich alle Motorräder an. Das muss so lustig ausgesehen haben, dass die vier jungen Männer, die sich in der Werkstatt befanden, nach und nach rauskamen und uns anschauten. Es war fast wie im Zoo, zwischen uns war ein Graben. Ich erklärte ihnen also, welches Motorrad wir suchten und warum. Sie grinsten breit. Ich grinste breit. “Dort ist es, schon fertig!”, sagte der eine junge Mann. Ich rief also besagten besorgten Freund an und alle grinsten noch breiter ob seiner Erleichterung, die man durch das Telefon hören konnte.

Großes Staunen meinerseits auch, als ich am 28. Oktober schon von der Telefongesellschaft OTE angerufen wurde, wo sich denn mein neues Haus befindet, obwohl ich den Antrag für den Umzug meines Telefons erst für den 01. November gestellt hatte. Am 30. Oktober waren sie bereits bei der neuen Wohnung und haben die Straße aufgebuddelt und eine Leitung gelegt. Am 01. November waren wiederum die Bauleute meines neuen Vermieters da und haben ihren Anteil dazu beigetragen, sie mussten auch noch etwas anbauen.

Wieder beruhigend normal ist es, dass ich seitdem nichts mehr gehört habe und darauf warte, dass die OTE nur noch kommen und alle Leitungen miteinander verbinden, damit ich Telefon und Internet habe (im Moment logge ich mich via Vodafone ins Internet ein). Aber gut, es wäre ja auch ziemlich gewöhnungsbedürftig, wenn man Godot ganz aus seinem Leben entfernen müsste, gell.

Gestern wartete ich auch über eine Stunde auf den Menschen, der mir die Satellitenschüssel aufs Dach bauen sollte. Aber er kam immerhin, und DSDS ist gerettet, obwohl wir da durchaus noch ein Bisschen Zeit gehabt hätten! Bevor er kam, kam allerdings jemand anders. Den hätte ich fast gefragt, ob er sein Pferd suchte, habe ich aber zum Glück nicht. Es war ein Handwerker, der sich im Haus geirrt hatte und irgendwo Mückennetze anbringen sollte. Er war sehr nett übrigens.

Was das Pferd damit zu tun hat? Nun ja, neben unserem Haus ist eine Koppel mit Pferden. Wir saßen also vorgestern auf unserer neuen Terrasse beim Kaffee trinken mit Freunden und auf einmal sah ich ein Pferd zwischen den Weinreben hinter unserem Haus. Und dachte, da stimmt jetzt irgendwas nicht. Ach ja, die Pferde waren ausgebrochen! Das war wiederum sehr lustig, denn die liefen überall herum, zwischen den Weinreben, den Olivenbäumen, den Grapefruit- und Mandarinenbäumen, liefen an unserem Auto vorbei und faszinierten sowohl Mensch als auch Katz (Blacky war besonders interessiert am Geschehen “Mensch läuft mit wedelnden Armen hinter Pferden her”). Und den nächsten Morgen war das weiße Pferd weg!

Und damit ihr mir nicht wieder unterstellt, ich halluziniere, lade ich auch gleich ein paar Fotos dazu hoch! Und wünsche euch noch einen schönen Tag.

7 thoughts on “Warten auf Godot

  1. …DSDS gerettet? Das wissen wir wohl erst ab Februar 2011, aber bis dahin gibt es ja noch die Popstars und die Supertalente ;-)

    Gruß
    Herbert

  2. Hallo Martina,
    schön wieder von euch zu lesen, hab euch schon vermißt bzw. mir Gedanken gemacht. Aber du hattest sicher viel um die Ohren mit euerem Umzug?
    Ich wünsche euch in euerem neuen Heim alles Gute und Schöne…Liebe Grüße Eva

  3. Moin Martina,
    ist ja bannig was los bei euch – bist du nun also so weit draußen gelandet, dass schon Wildpferde in eurem Garten hausen?
    Du hörst dich so fröhlich an, da gehe ich davon aus, dass der Umzug geklappt hat und ihr ein schönes neues Dach über dem Kopf habt?!
    Hier ist alles bestens, alle gesund und munter, ganz besonders Ilona, von der ich herzlich grüßen soll!
    Liebe, verregnete Grüße,
    Ilka

    • Nein, liebe Ilka, wir wohnen 1km vom Hafen entfernt, also ganz zentral, nur haben wir das Glück, trotzdem im Grünen zu wohnen und Pferde auf der Koppel nebenan zu haben, die ab und zu ausreißen und in unserem “Vorgarten” rumrennen ;-)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>