Unfreiwillig komisch

Ich muss euch unbedingt erzählen, warum ich gestern wieder kichernd hier in der Rezeption saß.

Aber dafür muss ich vorgreifen. Am Dienstag kam der nette junge Mann, der das Hotel mit Zeug beliefert, etwas verwirrt in die Rezeption. Normal bringt er die Sachen zu mir ins mittlere Stockwerk und von dort aus bringen die Putzfrauen die Sachen dort hin, wo sie hin gehören. Diesmal hatte ihm aber “die Blonde” (Kampflesbe Nr. 1) gesagt, er möge alles “nach unten” (in die Cafeteria) bringen. Also zeigte ich ihm den Seiteneingang zur Cafeteria, um ihm das Leben leichter zu machen.

Gestern kam er plötzlich wieder – wäre ja auch zuviel verlangt, dass sie mal an einem Tag alle Bestellungen gesammelt durchgeben -, einen Sack Waschpulver über der Schulter, verdrehte die Augen und sagte, diesmal wäre er gleich nach unten gegangen, aber jetzt hätten sie ihn wieder nach oben geschickt. Ich grinste und sagte, siehst du, was ich hier täglich mitmache, das machen sie aus Prinzip. Hauptsache, sie können Leute herumkommandieren.

Nun werdet ihr euch sicher fragen, was daran lustig sein soll. Na ja, das kommt ja noch. Denn 10min später saß ich oben und hörte ihre Stimmen unten im Flur: “Wo hat er denn jetzt das Waschpulver hingebracht?”

Das war wie Komödie live, ich kam aus dem Kichern gar nicht mehr raus. Wahrscheinlich erinnern sie sich hinterher nicht mehr daran, was sie zu wem gesagt haben. Davon abgesehen, dass sie ja gar nicht wissen, was für einen Gefallen sie mir damit tun, dass sie den gutaussehenden und charmanten jungen Mann täglich bei mir vorbei schicken. Ich darf ihnen das bloß nicht verraten, denn sonst fangen sie womöglich tatsächlich noch an, Bestellungen zu sammeln.

Als ich kurz darauf dann vom Pizzalieferanten eines hiesigen Italieners hörte, der eine Pizza vorige Tage abends auf die Blue Star brachte aber die Abfahrt verpasste, also unfreiwillig eine Reise nach Athen machte, war es vollkommen vorbei. Ich konnte nicht mehr.

Mein schöner Tag wurde nur getrübt durch ein griechisches Pärchen, das um 13h statt um 12h auscheckte und einen Aufstand probte, weil ich sie nicht geweckt hatte. Ich habe gar nicht gewusst, wenn auch durchaus mal geahnt, dass ich hier auch noch Nanny bin neben Rezeptionistin.

Vielleicht sollte ich mal einen roten Faden spinnen und einen Roman aus meinem Sommer machen. Oder ne TV-Soap – Charaktere und Erlebnisse als Vorlage hätte ich ja genug. Ich werde drüber nachdenken.

Mal sehen, was heute noch auf mich zukommt. Jedenfalls ist das Hotel wieder ziemlich voll. Sieht also durchaus danach aus, als wenn ich die nächsten 5 Wochen tatsächlich voll kriegen würde. Und somit noch ein Bisschen zu lachen habe, bevor der Winter über mich hereinbricht und ich gar nichts mehr erlebe auf meiner Insel, wo “einer hier” und “einer dort” lebt.


3 thoughts on “Unfreiwillig komisch

  1. Hallo Martina,

    da kann ich auch gleich was mit dazugeben. Ich betreue Mieter und da gab es Zoff zwischen 2 Damen. Jetzt bekomme dauernd irgendwelche Briefe von der einen. Da ich bei den Zoff nicht dabei war kann ich es nicht beurteilen. Das hab ich ihr auch so mitgeteilt, da man ja immer Recht haben will versorgt sie mich jetzt mit “Liebesbriefen” :)

    Das ganze kostet Nerven und ich muss sagen kindischer wie unsere Kids benehmen die sich. Also ich kann mir gut vorstellen was du so erlebst. Da sind meine Schüler die in der Pupertät sind manchmanl erwachsener.

    Liebe Grüsse und gute Nerven nach Paros, hier regnet es mal wenigstens nicht und die Schule fängt Gott sei Dank bald an.

    Susanne

  2. Pingback: “Einer hier” und “einer dort”? « Ungeschminkt

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