Der 28. August.

Heute Morgen beim Hunde ausführen fiel es mir wie Schuppen von den Augen: heute ist der 28. August. Noch heute und 3 Tage, und dann ist der gefühlt schlimmste August seit jeher vorbei. Falls ihr meint, dass ich jetzt auf meine Arbeit anspiele – ich habe auch noch ein Leben neben dem Blog.

Aber nun ist es fast September! Da kommen 1 – 2 – 3 – 4 – 5 – 6 – ? meiner liebsten Freunde aus Deutschland, die Arbeit wird weniger geworden sein und wir können endlich mal den Sommer genießen. RICHTIG Sommer. Ausgiebig zum Strand gehen (ich bin schon wieder weiß, seit ca. 3 Wochen nicht mehr am Strand gewesen…) und Essen gehen und einfach nur genießen.

Und sich freuen auf die touristenfreie Zeit. Gestern gab es bei mir den ersten Kampflesben-Tourismus. Ein Freund kam zu Besuch auf einen Kaffee ins Hotel. Sie waren alle da. Dabei habe ich überlegt, dass ich doch mal einen Stimmen-Mitschnitt machen könnte, um mich im Winter gelegentlich daran zu erinnern, wie gut ich es habe. Eine andere Touristin konnte es nicht fassen, als ich ihr auf ihre Nachfrage hin erzählte, dass ich das ganze Jahr über hier wohne. DAS GANZE JAHR? Was macht man da? Äh, leben vielleicht? Als ich ihr sagte, hier lebten 12.000 Menschen, fragte sie, aha, also einer hier (Handbewegung nach links) und einer dort (Handbewegung nach rechts), oder wie? Hmmm, ich glaube, sie hat eine falsche Vorstellung von Raum und stellt sich wohl vor, es ist dann so wie in Australien, wo alle 500km eine Farm ist? Jedenfalls kam ich mir für kurze Zeit ganz klein und mickrig und bemitleidenswert vor. Arme Martina.

Aber noch reißt der Strom der Verrückten hier nicht ab, ich brauch mich gar nicht zu früh bemitleiden. Nebenbei erfahre ich gerade, als eine auf den ersten Blick erkennbar völlig durchgeknallte, ältere Italienerin, Strich in der Landschaft mit Fluppe im Mund, ohne allzu viele Zähne, in die Hose gepinkelt – sieht man von hinten -, aus ihrem Zimmer direkt neben der Rezeption kommt, dass wir einen täglichen Tee-zum-Zimmer-bring-Service haben. Wusste ich auch noch nicht. Sie scheint ein VIP Gast zu sein, denn sie wird nicht bei mir bezahlen, sondern direkt beim Herrn, der sie gebracht hat, klärt sie mich auf, als ich nicht danach frage.  Und ich habe ein Déjà-vu, wenn die mit der Fluppe einschläft, dann darf ich wieder die Feuerwehr rufen – im besten Falle.

Kurz darauf informiert mich der Chef darüber, dass sie in ein anderes Zimmer umziehen soll, und ich habe ihn umgehend darüber informiert, dass das bitteschön der Herr, der sie gebracht hat, organisieren soll, ich würde mich nicht mit ihr befassen. Nennt man das Arbeitsverweigerung? Nach näherer Beschreibung der Umstände meinte er, wir sollten sie vielleicht doch lieber irgendwie loswerden. Aber ich kann das nicht tun, sonst gibt es wirklich Tote heute. Vielleicht mehr als einen.

Dabei haben wir es ja fast geschafft, wär doch schade drum.

*edit*
Und kommt ja selten vor, aber heute muss ich noch etwas nachtragen.

Frau Italienerin von oben kam später zu mir und bis mein Kollege mich rettete redete sie auf mich ein. Ihre wichtigste Frage war

“me I have just one worry, yes or no”.

Vielleicht bezog sich das ja auf die Frage, ob sie diesen Hotelaufenthalt von voraussichtlich 14 Tagen überleben würde angesichts meines begeisterten Gesichtsausdruckes. Ich weiß es nicht.

Ein Spanier kam zu mir und fragte mich, ob er weniger bezahlen würde, wenn er jetzt (also 12h) auschecken und abends (22h) wieder einchecken würde. Noch kreativer: Eine Irin wollte ihr in 2 Hälften gerissenes Buch an den losen Seitenenden mit Tesafilm geklebt haben: so hätten sie beide was zu lesen. Frage mich nur, ob derjenige, der die 2. Hälfte des Buches bekommt, die erste Hälfte danach liest.

Ein Freund der oberen 1 – 6 fragte mich via Facebook, ob ich sicher sei, immer noch in dem ihm bekannten Hotel zu arbeiten, für ihn hörte sich das etwas nach Klinik an. Ich sagte, nein, könne durchaus sein, dass ich mich bereits halluzinierend in einer solchen Klinik befände und nur glaubte, ich würde im Hotel arbeiten.

Immerhin gut zu wissen, dass es nicht nur mir allein so geht. Ein Leidensgenosse in einem Café in der Nähe postete via Facebook heute:

“And todays stupid question of the day award goes to an American who after spending 5 minutes looking at the bookshelves and the sign saying “Books for Sale” asked ” So you have books for sale here huh? These ones?”
No you fucking twat, the ones hidden away in the special secret cupboard under the stairs.
And he called me Ken.”

Er heißt natürlich nicht Ken.

2 thoughts on “Der 28. August.

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