Ratten im Keller

“Denn selbst im Keller … haben die Ratten sich erhängt.”

Diesen wunderschönen Satz höre ich immer wieder in einem Lied von “rosenstolz”. Ich finde ihn klasse, er drückt so viel aus, ohne es direkt zu sagen. Ich gebe zu, ich bin neidisch, gern würde ich selbst auf so einen grandiosen Satz gekommen sein.

Bei uns ist es nämlich auch bald soweit, dass die Ratten sich im Keller erhängen werden, und ich geselle mich vielleicht zu ihnen.

Ihr wisst ja, dass ich eine unliebsame Kollegin habe, Kampflesbe Nr. 1. Heute Morgen beglückte sie mich gleich kurz nach meinem Eintreffen – meine Lieblingszeit für Stress – mit ihrer Anwesenheit. Der Dialog ging in etwa so:

Sie: (ohne guten Morgen natürlich) Wie viele Zimmer haben wir frei?

Ich: Meinst du jetzt, was von letzter Nacht leer geblieben ist, oder was heute noch frei wird?

Sie: Ich brauche ein Zimmer, und zwar jetzt.

Ich: Was für ein Zimmer, wofür?

Sie: ein Zimmer halt. Für meine Freundinnen.

Ich: Ach so, das Zimmer hat mir der Chef schon gesagt, sie kriegen die Nr. 6.

Sie: Die Nummer 6? NIEMALS! AUSGESCHLOSSEN!!!

Ich: …

Sie: Für so viel Geld will ich ein gutes Doppelzimmer! Was ist frei? (dreht sich um) Die Nr. 19, ist die frei?

Ich: das ist ein Viererzimmer. Und es ist erst 8.50h, ich habe noch nichts frei.

Sie: ja, aber die kommen in einer Stunde, ich will das Zimmer vorbereiten!

Ich: JA ABER ES IST NOCH ZU FRÜH WIR HATTEN NOCH KEINE CHECK-OUTS (wie war das nochmal, 12h ist Check-out…).

Sie: Ok (schimpft), dann sag aber dem Chef, dass sie niemals die Nr. 6 nehmen!

Ich: WELCHES ZIMMER DEINE FREUNDE NEHMEN IST MIR SOWAS VON EGAL. Ich sage ja nur, was der Chef gesagt hat.

Womit sie auf und davon stürmt.

Kurz darauf kommen Franzosen zu mir, die mal wieder nur mit Mühe und Not und Händen und Füßen mit mir sprechen können, weil ich kein Französisch spreche. Sie wollen ihre Wäsche hier waschen. Ich sage ihnen die Adresse der Laundry. Sie wollen hier im Hotel. Ich sage, das ist leider nicht möglich. Sie sagen, man(n) hätte ihnen gesagt, dass sie hier Wäsche waschen dürften. Ich sage, tut mir Leid, aber ES IST NICHT MÖGLICH.

Wir haben 2 Waschmaschinen für 50 fucking Zimmer, die Putzfrauen schaffen so schon die ganzen Wäscheberge nicht, und da gehen meine sogenannten Kollegen, die Zimmerabschlepper am Hafen, hin und versprechen den Leuten das Blaue vom Himmel. Ich bin dann den nächsten Morgen der Idiot vom Dienst, der sie darüber aufklären muss, dass es den Weihnachtsmann leider doch nicht gibt. ICH BIN ES SO LEID.

Dann kommt ein “Freund des Chefs” zu mir, um sein Zimmer zu bezahlen. Dieser kam eines abends und wurde als “Freund des chefs” deklariert und weder eingecheckt, noch wurde mir eine Notiz da gelassen, ob er bezahlt und wenn ja, wie viel. Musste ich also Chef anrufen, der unwirsch wurde; das hätte er doch gesagt, so wurde ich auch unwirsch und erklärte ihm, dass ich hier, wie so oft üblich, keinerlei Infos vorliegen hätte. Natürlich war das nicht das Ende der Geschichte, denn der Freund des Chefs fühlte sich natürlich unfair behandelt und wollte weniger bezahlen.

Bald darauf höre ich auf einmal viele Stimmen. Die Kampflesben nähern sich, kommen die Treppe hoch. Oh Gott, sie haben sich vermehrt, das hier ist auch wieder Hardcore. Das Doppelzimmer, das  nicht in die Nummer 6 gehen sollte, ist angekommen. Langsam bekomme ich Angst. Wenn ich jetzt den ganzen Tag das Gejaule von 4 Stimmen statt zwei anhören muss, dann werde ich mich wohl wirklich zu den Ratten in den Keller begeben.

Aber ich hätte noch eine Anekdote von gestern, die lustig ist. Meine Kollegin vom Abend, meine Freundin, hat mir gestern erzählt, dass der Neffe vom Chef einen sehr schönen Mund hat. Einen unglaublich schönen Mund, findet sie. Ich wusste, in welchem Zimmer er wohnt, hatte ihn aber noch nicht gesehen. Und ich muss sagen, es ist schon sehr lustig, den Leuten den ganzen Tag zu versuchen nicht auf den Mund zu starren, aber trotzdem ergründen zu wollen, wer denn nun der schicke Neffe ist. Und ich habe es geschafft, denn ich bin ja ein kluges Mädchen.

Und auch dieser Arbeitstag ging Gott sei Dank zu Ende. Noch 7 Wochen. Ich schaffe es.

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