Der 13. August

Auch noch Freitag, der 13. heute. Er beginnt damit, dass ein Gast um 8.30h zu mir kommt, kaum dass ich meine Sonnenbrille abgesetzt habe, weil er seine Kleidung sucht. Er brauche sie jetzt dringend, denn er müsse gleich abreisen. Seine Kleidung? Meine großen Augen und meinen verständnislosen Blick könnt ihr euch sicher vorstellen. Erklärung: die blonde, tätowierte Frau [Anm. der Redaktion, der Ausdruck Schlampe wurde durch “Frau” ersetzt] abends in der Cafeteria habe sie ihm, nachdem er sie waschen ließ, aufgehängt, vor zwei Tagen wohlgemerkt. Er habe sie immer wieder darum gebeten und gestern Abend habe sie zum 5. Mal gesagt, sie würde sie ihm bringen, was sie, wie ihr euch denken könnt, sonst würde ich mich da jetzt nicht mit befassen müssen, nicht getan hat. Nun hatte ich also genau zwei Minuten Zeit, um in 2 Gebäuden nach Wäsche zu suchen, denn er musste natürlich die Fähre um 8.40h schaffen. Das liebe ich ja. Kaum durch die Tür habe ich Stress wegen irgendwelcher Idioten. Mit Hilfe der Putzfrauen haben wir dann auch die Wäsche gefunden. Immer noch auf dem Dach von Gebäude 2 hängend.

Kurz darauf rauschen 2 Franzosen, die natürlich nur Französisch sprechen und nichts anderes verstehen durch die Rezeption, ich verstehe nicht, was sie wollen, biete ihnen Englisch, Deutsch oder Griechisch an, aber nix, mit Händen und Füßen und sehr genervt, dass ICH nicht Französisch spreche, teilen sie mir mit, dass sie mich um 12h informieren werden, ob sie bleiben oder abreisen.

Kaum ist das geklärt kommen die nächsten Franzosen zu  mir. Sie wollen zahlen. Soweit so gut, das ist im Sinne des Erfinders, und sie können auch etwas Englisch. Gebucht hatten sie durch www.booking.com. Aber da geht es auch bereits los. Sie wollen nur die 2., angehängte Nacht bezahlen, die erste hätten sie bereits bezahlt. Und wie das halt so ist, wir haben zwar eine Kreditkartennummer als Sicherheit bekommen, aber das Zimmer muss immer vor Ort bezahlt werden. Da ich das schon öfter gemacht habe, bin ich mir dessen auch ganz sicher.

Aber diese behaupten steif und fest, sie hätten schon bezahlt. Wo das Geld hingegangen ist, kann ich nicht herausfinden, und aus ihren Unterlagen geht nichts wirklich Deutliches hervor. Natürlich drängt auch hier die Zeit, denn es muss auch hier eine Fähre erreicht werden. Da ich sie leider nicht gehen lasse aufgrund ihrer Behauptung allein, das Zimmer sei bezahlt, rufe ich bei booking.com an und bitte um Hilfe. GOTT SEI DANK ist da jemand Kompetentes am anderen Ende, der den Leuten erklärt, dass ich Recht habe und das Zimmer nicht bezahlt ist. Nun hatten sie das Zimmer durch irgendein ominöses Reisebüro gebucht, und wir stellen nach gründlichem Lesen all unserer Unterlagen fest – das alles zur Checkout-Rush-hour wohlgemerkt -, dass wir eine unbekannte Kreditkartennummer mit englischer Adresse haben, also versuche ich diese zu belasten, und sie geht sogar durch. Zur Sicherheit fotokopiere ich deren Unterlagen alle und gebe ihnen Kopien von meinen, denn vielleicht will die ominöse englische Kreditkarte ihr Geld zurück. Dinge geschehen, die gibt es gar nicht.

Als nächstes muss ich mich um die Italiener kümmern, Zimmer 11. Der Mann ist ein unsympathischer, eiskalter Typ. Dennoch freue ich mich, dass ein Zimmer mit Doppelbett auscheckt, in das sie gestern unbedingt ziehen wollten, weshalb sie eine ganze Zeit schlecht gelaunt in meiner Rezeption rumstanden, weil ich gestern eben kein solches anzubieten hatte. Der Chef hätte doch schon lange gewusst, dass sie umziehen wollten, ließen sie ihre schlechte Laune an mir aus, aber da mich ja keiner informiert und ich, ihr wisst bereits, keine hellseherischen Fähigkeiten habe, konnte ich nichts machen. Mein Standardspruch in der Hochsaison ist, dabei weiß  ich gar nicht, ob ich ihn gestern überhaupt angebracht habe, dass ich leider nicht anbauen kann. Wenn kein Zimmer frei ist habe ich eben kein Zimmer anzubieten. Als ich ihnen jedoch heute mitteile, dass sie umziehen dürfen, wollen sie auf einmal nicht mehr.

Wo ich grad dort bin stelle ich fest, dass die Nr. 13 ausgecheckt, aber den Schlüssel mitgenommen und den Wasserhahn im Bad angelassen hat. Ein anderes Zimmer, in das ich zufällig blicke, ist so voller Müll, dass ich es für euch mal eben fotografieren muss.

Mittlerweile sind es noch 3 Stunden bis Feierabend und ich bete inständig, dass nichts mehr passiert und ich diesen Tag überlebe, ohne jemanden umzubringen. Ich glaube, ich habe mir schon früher Gedanken darüber gemacht, ob ich vom Gefängnis aus meinen Blog weiterführen könnte. Dieser Gedanke kommt mir heute wieder in den Sinn.

Jetzt hab ich eben so was blondes, tätowiertes verschlafen in der Cafeteria rumlaufen sehen, ich kenn die Tante ja nicht mal, sie arbeitet erst seit ein paar Tagen hier, was ich auch nur so nebenbei herausfand, aber ich habe beschlossen, dass es besser ist, sie nicht anzusprechen. Für beide Seiten.

Bei all dem hab ich doch sogar unsere Zigeuner schätzen gelernt, die zwar zahlreich und zuweilen laut, aber dennoch freundlich und unproblematisch sind.

Ach ja und die Athener, Typ „Ausnahmen bestätigen die Regel“, sind doch so nett und rufen mir zu, während sie durch die Rezeption marschieren „eine Runde schwimmen wir heute auch für dich!“. Wie nett. Sie bleiben für ein kurzes Pläuschchen stehen, jetzt sind es nur noch 2 Stunden und Momente wie dieser helfen mir, weiterhin stark zu sein.

Dabei habe ich gestern ja sogar noch lautstark gelacht, die positiven Dinge will ich euch nicht vorenthalten. Unsere Kampflesbe war mehrere Minuten lang panisch durch die Gänge gerannt, nach unserem Haussklaven (das ist unser Pakistani) rufend, und dann frustriert abgedackelt. Kaum war sie die Treppe hinunter verschwunden, kam er plötzlich grinsend um die Ecke. Was für eine freundliche, nette Erscheinung. Die Putzfrau und ich brachen in hysterisches Gelächter aus. Situationskomik pur. Ich wette, das hat er absichtlich gemacht.

Und nun sind es noch 1,5 Stunden bis Feierabend. Ich werde es schaffen. Mein Chef rauschte übrigens auch gerade durch und meinte, er hätte gern ein Maschinengewehr.

9 thoughts on “Der 13. August

  1. Martina,
    ich denke, mit dieser Geschichte ist meine Frage nach Freitag dem 13. ausreichend beantwortet ;-)

    Noch 1,5 Std. bis zum Feierabend? Du schaffst das….!

    LG
    Herbert

  2. hi martina, hier ein kleiner auszug aus den vergangenen tagen:
    hier ist es so chaotisch. ein kind kotzt in den pool, ein 16-jaehriger
    schlaegt sich den kopf am pool an und muss ins krankenhaus, ein 14-jaehriger versenkt den schluessel im pool und will abends nicht mehr rein wegen kaelte ???? ich haette mich gern sofort ins wasser geworfen, auch mit klamotten, aber… hab ihn gezungen rein zu gehen und zu tauchen. konnte er nicht. also mit einem fangnetz hantiert und zwischenzeitlich mit taschenlampe wegen dunkelheit. und das alles mit zeichensprache, da der gast ja annimmt, der rest der welt spricht gerade seine landessprache. egal welche.
    jetzt will doch einer von den franzosen ein auto mieten fuer den nachmittag!! hallo, wunschkonzert. wo gibt es das.
    und uebrigens, martina, du hast recht. der 15. August ist der schrecklichste tag des jahres, ueberhaupt der duemmste, an dem man geburtstag haben kann. man arbeitet halt seine 10 stunden, nicht mal freunde haben zeit, da sie ja irgendwie und irgendwo an diesem tag eingeladen sind.
    ok, ist ja nicht zum ersten mal in meinem leben.
    martina, mach dir einen schoenen sonntag am meer und geniesse deine freiheit – zumindest fuer einen tag. gruessle

  3. Hast du sehr schön beschrieben, liebe Hanne. Besonders der Teil, wo du den Gast “zwingst” in den Pool zu gehen und zu tauchen, hat mir gefallen :-). Alles Liebe und herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

  4. hi martina, es kann sein, dass ich es noch schaffe, in der letzten hochsaisonwoche zum massenmoerder zu werden. kinderstube und ein bisschen anstand sind anscheinend manchen menschen fremd. sitze draussen, um mein zigarettchen zu rauchen. wir haben vor dem eingang schoene korbsitze(-baenke). ich sitz da, kommt doch eine horde italiener, die schmeissen sich einfach dorthinein – und fast auf mich drauf, und legen doch ihre nackten kaeslatschen auf den tisch. alle!!! der eine schiebt noch den stoerenden aschenbecher mit dem fuss zur seite. am liebsten haett ich ihn …… macht man das? erst recht, wenn jemand fremdes noch da sitzt? zudem ist das MEIN platz, ich arbeite an der rezeption und sollte doch in der naehe sitzen. habe mein tel und mein aschenbecher geschnappt und bin wuetend davon gerauscht. sonst haette ich fuer nichts mehr garantieren koennen. und zwei wochen koennen sooooooo lange sein.

    • Ja, mir graut es auch schon wieder vor morgen. Was eine Arbeit. Es ist unglaublich, wie wenig Menschen eigentlich Benehmen haben (und so). Versuche nicht zum Massenmörder zu werden, aber ich verstehe dich nur zu gut. Handeln meine letzten Beiträge nicht immer nur davon? Alles Liebe, und deine Geb.feier holen wir nach, was meinst du?

  5. Hi Martina,

    ne hier in GR ist es Dienstag der 13. der als “Unglückstag” gilt ;-)
    Ja die Situation mit Booking.com kommt mir sehr bekannt vor….wiiiieee oft hab ich da schon angerufen, nur um mir etwas bestätigen zu lassen was ich wusste….die Zimmer werden vor Ort bezahlt, aber irgendwie verstehen das anscheinend viele Gäste nicht mit der KK Nr als Garantie.

    Gestern, also am 15. hab ich 12 Std. mit Stef am Strand gearbeitet….die HÖLLE sag ich dir bei der Hitze…..ich freu mich morgen auf mein Hotel auch wenns da auch recht chaotisch zugeht. Aber ich denke mal bald haben wir alle das Schlimmste geschafft und haben wieder ein wenig Ruhe…..dann komm auch ich vielleicht mal wieder zum Blog schreiben….mir fehlts momentan an Geduld, Energie….einfach an allem ;-)

    LG Tanja

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