Arme Irre

Ein früherer Chef hat immer gesagt, immer im Refrain, τι έχω πάθει, δεν αντέχω, was so viel heißt wie, was passiert nur mit mir, ich halt’s nicht aus, und heute ist mir auch danach.

Heute Morgen beschwert sich ein Franzose bei mir, es gäbe hier keine Wanderwege, und es gäbe auch kein Buch über Wanderwege, beides nicht wahr übrigens, und überhaupt gäbe es nur Autos, wenn er das gewusst hätte, wäre er gar nicht nach Paros gekommen. Und regnen tat’s auch noch, sehr zu seinem Verdruss.

Aber der Knaller kam heute Mittag. Kommt er wieder durch die Rezeption gerauscht, hält mir einen Joghurt unter die Nase und sagt: “Ich weiß nicht, wie ihr glaubt, warum ich auf Paros bleiben sollte, hier gibt es ja nicht mal Schafsmilch-Joghurt!” Und schaut mich an.

Ich schaute ihn an. Mir war danach, ihm zu sagen, wie ein anderer früher Chef von mir, would you kindly fuck off. Aber man kann ja keinen Hotelgast brüskieren, und sei der noch so irre. Er führte es noch aus, sehr vorwurfsvoll, er wäre in jedem Supermarkt gewesen und es gäbe hier einfach keinen Joghurt aus Schafsmilch.

Gibt es aber doch, denn ich muss immer höllisch aufpassen, dass ich nicht aus Versehen dieses ekelige Zeug kaufe. Nach Feierabend kaufte ich ihm dann einen Joghurt, aus Schafsmilch, aus dem nächsten Supermarkt; der wartet jetzt in seinem Zimmer in seinem Kühlschrank auf seine Rückkehr. Und zum Glück werde ich den guten Mann nicht mehr sehen, denn er reist morgen ab und ich habe morgen frei.

Es gibt schon ein paar arme Irre auf dieser Welt.

3 thoughts on “Arme Irre

  1. Eine traurige Geschichte. Jemand, der Schafmilchjoghurt nicht mag, mitten in der Ägäis sitzt und sich die Zeit im Internet vertreibt. Heute ist der erste Tag vom Rest deines Lebens!

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