“Mutterliebe kann man nicht mit Pillen essen”

Ja, schade eigentlich. Es würde einiges erleichtern im Leben mancher Mutter.

Aber warum ich darauf komme: eben haben Lydia und ich rumgealbert und einander gekitzelt und gespielt, bevor sie schlafen ging. Was für ein süßes Kind! Wenn ich morgens aufwache, freue ich mich, in ihr fröhliches Gesicht zu schauen. Wenn sie noch schläft, freue ich mich regelrecht beim Aufwachen, sie noch beim Schlafen beobachten zu können. Wenn ich Sorgen habe, denke ich an Lydia und dass es ihr gut geht, und dann bin ich erleichtert, weil ich denke, das ist das Wichtigste. Aber es war nicht immer so.

Habe ich euch eigentlich schonmal erzählt, dass ich früher oft darüber nachgedacht habe, sie zur Adoption freizugeben? Eigentlich pausenlos. Meine andere Option war, wie gesagt, mich vom nächsten Felsen zu schmeißen. Oder so. Ich hatte schwere Depressionen, jahrelang, und Muttersein war die meiste Zeit so, als wäre ich gestorben und in der Hölle wieder aufgewacht. Alles war schrecklich. Ich dachte, “man” wolle mich mit Haut und Haaren auffressen, eine fremde Macht wäre dafür da, mich zu zerstören. Kennt ihr die Schlafentzug-Foltermethode? So und ähnlich war das bei uns. Und immer dachte ich (auch ein echtes Symptom einer Depression), ich sei Schuld. Weil ich, fehlbar wie ich bin, mir aus lauter Liebe ein Kind von einem Mann machen ließ, der sich als Vater als Witz des Jahrhunderts entpuppte (ja, ich bin sogar so dämlich – in den Augen mancher -, dass ich manchmal verschlafe oder zum Beispiel meine Schlüssel verliere und sie erst dort wiederfinde, wo sie sein sollen, ich sie aber nicht erwartet habe, und so weiter und so fort!). Weil ich es nicht verdiente, glücklich zu sein. Das war meine gerechte Strafe.

Nun gut, Jahre später und so gut wie genesen (na so ganz wird man wohl nie davon frei, glaube ich) holt mich wieder eine Erinnerung ein… ich hatte mich mal einer vermeintlichen Freundin anvertraut (von vermeintlichen Freundinnen habe ich im Laufe der Jahre einige kommen und gehen sehen) und ihr meine dunkelsten Gedanken mitgeteilt. Ich konnte die Nähe von meinem Kind manchmal nicht ertragen. Ich dachte daran, statt zu sterben, vielleicht Antidepressiva zu nehmen. Darauf kam von dieser unfehlbaren Frau folgende Email (Auszüge davon):

(…)

Das sind schwerwiegende Probleme, die allein Du hast. Und Du machst sie zu Lydias Problem, denn bei Dir scheinen nicht nur die Brutpflege-Instinkte nicht zu funktionieren (heisst, naehe zum Kind zu WOLLEN und es als Grundbeduerfnis zu empfinden, sie moeglichst nah am Koerper zu spueren), sondern:

(…)

“a) ich bin tot oder b) ich verlasse sie” (= koerperliche Verweigerung und Entzug) in Extremform)

(…)

“Antidepressiva, Valium” (= Psychische Verweigerung und Entzug)

Was Du sagst, ist vollkommen eindeutig: Du willst auf keinen Fall dem Kind das geben, was es am noetigsten braucht. Das ist absolut ERNST und eine Therapie – so sie Dich denn auf die normale Brutpflegeschiene setzen KOENNTE, wuerde sehr viele Jahre dauern. Bis dahin ist das Kind total kaputt, zumal sich der Vater ebenso entzieht wie Du.

Ich bleibe dabei, ich schlage vor, Lydia in eine Familie zu geben, wo sie Nestwaerme und Naehe erhaelt, wie es jedes Kind und junge Tier ueberlebenswichtig braucht.

Wie absolut unnatuerlich und entgegen aller menschlichen Prodisposition Dein Verhalten ist, siehst Du an den Extremreaktionen Lydias. Das ist der Spiegel dessen, was aus Dir herausstrahlt.

Wenn Du Dein Kind also wirklich “liebst” (mir ist absolut unklar, was Du darunter verstehst!), dann solltest Du darueber nachdenken, wie Du ihr das organisieren kannst, was Du selbst nicht in der Lage bist, zu bieten. Ich lese bisher AUSSCHLIESSLICH, welche Plaene und Ideen Du hast, um die fuer *Dich* geeignetste Loesung zu finden… auf welchem Weg Du ich am besten entziehen kannst.

Du solltest Dir wirklich gruendlich ueberlegen, ob Du nicht nur aus Eitelkeit daran festhaelst, sie aufziehen zu wollen – es sollte ausschliesslich um das Kind gehen! Und wenn Du es in Wirklichkeit so sehr ablehnst, dass sie hysterische Ausraster deswegen kriegt, musst Du langsam mal ehrlich zu Dir selbst sein. Kein Mensch kann in einen anderen hineintherapieren, was nicht da ist. Wie oben schon gesagt, Dir fehlt total, was als Brutpflegeinstinkt eigentlich angeboren sein sollte.

Nachdem ich jahrelang selbst alleinerziehende war – noch dazu voll berufstaetig, sehe ich in Deinem Fall nicht nur die normale Erschoepfung und Ueberforderung, die durch Schlafmangel und koerperliche Ueberanstrengung ganz natuerlicherweise entsteht. Ich sehe abgrundtiefe Ablehnung und die Depression ist mE ebenfalls darin begruendet, dass Du Dich in einem Zustand siehst, der Deinem Naturelle absolut entgegen geht.

Ich hoffe sehr, dass Du irgendwann ehrlich gegenueber Dir selbst wirst. Mutterliebe kann man nicht mit Pillen essen und die Einnahme von Drogen gibt Lydia auch nicht mehr Nestwaerme als vorher.

Na ja, wie ihr euch denken könnt, habe ich mich daraufhin nicht vom nächsten Felsen gestürzt, aber sie war die längste Zeit meine Freundin. Ab und zu begegnet man sich im Internet und ich kann dann meist ob ihrer intellektuellen Ergüsse nur das Kotzen kriegen. Und wisst ihr was das Schräge daran ist? Sie hatte IHR Kind mit 5 Jahren abgeben müssen, ihr wurde vom Jugendamt das Sorgerecht (angeblich natürlich völlig zu unrecht) entzogen. Sie hat es bis es erwachsen war nicht wieder gesehen oder gesprochen. Das MUSS ja so weh tun, dass man einer anderen Frau nur dazu raten kann, sein Kind abzugeben, oder?

Und natürlich weiß jeder halbwegs informierte Mensch, dass zwischen Antidepressiva und Valium ein himmelweiter Unterschied besteht, nicht wahr?

Ach, was man so mitmacht im Leben…

Danke für euer Ohr und ich freue mich über all diejenigen von euch, die Menschen und Freunde sind und keine unfehlbaren Roboter, die mir laufend vorhalten, wie dämlich ich bin!

6 thoughts on ““Mutterliebe kann man nicht mit Pillen essen”

  1. Du solltest dir nicht von Freunden sagen lassen, welche Gefühle die deinen sind.

    Ein Auf und Ab – je nach Stimmung ist doch VOLL nachvollziehbar.

    Ich schätze an dir, dass deine Gefühle jederzeit (positiv od. negativ) aus deiner ehrlichen Haut entspringen. Das macht dich absolut glaubwürdig – für mich jedenfalls!

    Tipps und Ratschläge sind immer nur für denjenigen gut, DER SIE GIBT.

    Der Unterschied dazu ist das Verständnis für die Situation und ein Hinweis auf das Überdenken eigener Schwachstellen, dazu eine Ermunterung.

    Be here now!

    Drück dich, sunny

  2. man ist , wer man ist, und was man denkt, bewusst oder unterbewusst, die Gednaken sind jedem frei, aber viele unserer Gedanken sind oft negativ und die beieflussen uns., wie auch neagtive Nachrichten beeinflussen. Ich weiß, hat jetzt nicht direkt mit oben zu tun, aber ich versuche, meine negativen Gedanken jetzt besser in den Griff zu bekommen, hier gibt es versch. Möglichkeiten. Ich versuche jetzt, mich schon Morgens mit Zielen und Motiven zu beschäftigen, die mich weiterbringen und auch um meinen Inneren Schweinehund zu bekämpfen.

  3. hier nochmal,
    Martina, deine Offenheit find ich so toll,
    Du sagst bzw. schreibst einfach ganz offen
    und da nehm ich auch als Vorbild. Viele Dinge müssen gesagt sein, da nutzt keine Vogel Strauss Politik, meist wird alles nur schlimmer. Und das versuch ich auch, seitdem bin ich zwar etwas Cholerischer, aber mich kotzt die ewige Kompromiss Sucherei an, vorallem wenn dann zum Schluss keiner was hat.

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